Kfz-Versicherung: Wenn der Ferrari nicht warten möchte

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Beim Einfädeln auf die Autobahn gilt eine Wartepflicht - unerheblich davon, ob der Verkehr auf der Autobahn fließt oder stockt. Das musste ein Sportwagenbesitzer nun auf die harte Tour lernen.

Ferrari Bild: Adobe Stock/jpholmi

Dass auch im Stau auf der Einfädelspur auf die Autobahn eine Wartepflicht herrscht, musste nun ein Ferrari-Fahrer auf die schmerzhafte Tour lernen. Bild: Adobe Stock/jpholmi

Einem besonders schönen Kapitel der „German Angst“ widmete sich im Frühjahr dieses Jahres die Polizei im Märkischen Kreis (Nordrhein-Westfalen): dem Auffahren auf die Autobahn. Denn so manchem Motoristen scheint das Einfädeln in den schnellfließenden Verkehr offenbar Schweiß auf die Stirn zu treiben. Im humoristischen Ton riet die Polizei in ihrem Facebook-Post unter anderem zu einem zügigen Fahrstil auf der Auffahrt: „Fuß in die Ölwanne und Blinker setzen! Das ist schon die halbe Miete“ – schließlich hieße die Auffahrt ja Beschleunigungsstreifen.  

Die andere Hälfte der Miete ist das Beachten der folgenden Regel: „Der Verkehr auf der Bahn hat Vorfahrt! Das Reißverschlussverfahren gilt nicht!“  

Dass an dieser Regel auch ein Stau nichts ändert, stellte nun das Oberlandesgericht in Celle fest. Auch bei zähfließendem Verkehr muss der Autofahrer auf der Einfädelspur warten, wenn ihm die Autofahrer auf der Autobahn keinen Platz gewähren.  

Ferrari gegen Lkw

Geklagt hatte der Fahrer eines Ferrari 488 Spider, der sich während eines Staus in eine kleine Lücke vor einem Lkw schob. Beim Anfahren beschädigte der Lkw den italienischen Sportwagen stark, der Schaden: 30.425,74 Euro. Die Haftpflichtversicherung des polnischen Lkw-Fahrers beglich daraufhin die Hälfte des entstandenen Schadens, doch das reichte dem Ferrari-Besitzer nicht: Er forderte die Begleichung des gesamten Schadens.  

Vor dem OLG Celle (Az: 14 U 186/20) erlebte der Sportwagenbesitzer jedoch eine böse Überraschung. Denn das Gericht beschied nicht nur, dass seine Klage keine Aussicht auf Erfolg habe, sondern auch, dass die Ansprüche des Klägers übererfüllt worden seien. Aufgrund der erhöhten Betriebsgefahr müsse der Lkw-Fahrer nur zu 25 Prozent haften.  

Grundsätzlich hätte der Lkw-Fahrer zudem darauf vertrauen können, dass kein Auto in den vor ihn nicht einsehbaren Bereich fahre – vor allem nicht über eine durchgezogene Linie. Es gelte – auch in Stau- oder Stop-and-Go-Situationen – generell das Vorfahrtsrecht für diejenigen, die auf der Autobahn unterwegs sind. Einfahrende Autos sind hingegen wartepflichtig.

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