Joschka Fischer: Klimawandel ist von zentraler Bedeutung für Versicherer

Martin Thaler Versicherungen Panorama

Neben vielen Fakten für den Arbeitsalltag der Makler und Versicherer gab es heute auch ein bisschen Weltpolitik für die DKM-Besucher. Der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer fand dennoch den Brückenschlag zur Versicherungsbranche.

Der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer sprach unter anderem über die zentrale Bedeutung des Klimawandels für die deutsche Versicherungswirtschaft.

Der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer sprach unter anderem über die zentrale Bedeutung des Klimawandels für die deutsche Versicherungswirtschaft. Bild: procontra

In der Regel geht es auf der DKM um das handwerkliche Rüstzeug für den Versicherungsvermittler: Welche neuen Entwicklungen gibt es in der Cyberversicherung, welche Pflichten und Haftungsrisiken bestehen für den Arbeitgeber in der betrieblichen Altersversorgung und wie gelingt es Maklern, sich die gewünschte Zielgruppe zu erschließen?  

Neben diesen praxisorientierten Fragen gab es für den interessierten Messebesucher mit Joschka Fischer auch einen Hauch Weltpolitik in den Dortmunder Messehallen. Ganz am Anfang seines Vortrags griff Fischer eine der wohl größten Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft auf: den Klimawandel.  

Hochwasser immer häufiger

Am Wochenende startet in Glasgow die UN-Weltklimakonferenz (Cop26). Ein Event, dem der Grünen-Politiker eher mit gedämpften Erwartungen entgegenblickt: „Kaum ein Staat hat nach der Pariser Erklärung ernsthafte Anstrengungen unternommen, seine dort vereinbarten Verpflichtungen umzusetzen“, bemerkte Fischer, „darum sehe ich keine positiven Vorzeichen für Glasgow“.  

Durch die zögerliche Umsetzung rücke das vereinbarte Ziel, den menschengemachten, globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Prozent zu begrenzen, in weite Ferne. Für Fischer ergibt sich daraus die Konsequenz, nicht nur den menschgemachten Klimawandel möglichst stark abzudämpfen, sondern sich auch mit dem möglichen Scheitern auseinanderzusetzen. „Wir werden mit den Konsequenzen der Klimakrise leben müssen“, betonte Fischer. Eine Diskussion, wie dies bewerkstelligt werden kann, sei darum dringend geboten.  

Gerade für die Versicherungswirtschaft ist das eine Frage von zentraler Bedeutung – schließlich dürften Extremwetterereignisse, wie das verheerende Hochwasser in diesem Sommer, in Zukunft immer häufiger auftreten. Die Versicherer plädieren auch deshalb seit längerer Zeit für eine Änderung des Baurechts. Noch immer werden viel zu viele Häuser in hochwassergefährdeten Risikogebieten errichtet – laut GDV trifft das auf 32.000 Häuser in den vergangenen 20 Jahren zu.  

Große Hoffnungen in die Ampel

Durch die Klimakrise verstärkte sich auch das internationale Konfliktpotential zeigte sich Fischer überzeugt – schon heute ist die Sicherheit in Europa durch aktuelle Entwicklungen in Weißrussland, der Ostukraine oder in Nordafrika fragil. Hier müsse die Europäische Union deutlich mehr Verantwortung übernehmen und sich nicht weiter auf die USA verlassen. „Europa wird mehr für seine eigene Sicherheit machen müssen“, stellte Fischer klar. Hier sei in den vergangenen Jahren, Angela Merkels berühmter Bierzelt-Rede zum Trotz, viel zu wenig passiert.  

Auch sonst seien in den vergangenen Jahren viele Probleme nicht angegangen worden. Darum blicke er einer möglichen Ampel-Koalition durchaus positiv entgegen, erklärte Fischer. „Ich denke, das kann zu einer guten Balance führen.“ Allerdings stünde eine neue Bundesregierung unter einem hohen Erfolgsdruck. „Sie müssen liefern, und das wissen sie“, sagte Fischer.

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