Incentives und Boni: „Wir beobachten das“

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Deutschland hat gewählt. Doch was bedeutet das Ergebnis für die Interessen der Versicherungsvermittler? Auf einer Veranstaltung in Berlin verdeutlicht der Vermittlerverband BVK seine Forderungen an die Politik. Im Fokus stehen dabei Fragen nach gesellschaftlicher Anerkennung und Vergütung.

BVK-Präsident Michael Heinz. Bild: BVK

Fordert von Seiten der nächsten Bundesregierung mehr Anerkennung für den Berufsstand der Versicherungsvermittler: BVK-Präsident Michael Heinz. Bild: BVK

Wer wird der nächste Bundeskanzler? Derzeit kann man genau so gut nach der Existenz des Yeti, des sagenumworbenen Schneemenschen aus dem Himalaya fragen, die Antwort bleibt dieselbe: Man weiß es nicht. An möglichen Tendenzen besteht kein Mangel, wohl aber an Gewissheiten. Noch immer sind mehrere Optionen möglich: Wird Deutschland zukünftig von einer Ampel- oder einer Jamaika-Koalition regiert? Auch die Fortsetzung einer Großen Koalition, diesmal unter SPD-Führung, wäre denkbar.  

Auch beim Bundesverband der Deutschen Versicherungskaufleute (BVK) beobachtet man die politischen Verhandlungen – bei denen anders als noch 2017 bislang wenig nach außen dringt – gespannt. Groß ist das Bestreben, dass die Politik die vom BVK betonte besondere Bedeutung des Berufsstands des Versicherungsvermittlers erkennt. „Der sozialpolitische Auftrag wird uns noch abgesprochen“, bemerkte BVK-Vizepräsident Gerald Archangeli auf einer Pressveranstaltung des Verbands am Dienstag. Noch immer scheine in der Politik vielerorts das einst gängige Branchen-Sprichwort „Morgens Aral, abends Signal“ zu gelten. „Aber wir haben uns weiterentwickelt“, bemerkte Archangeli auch im Hinblick auf die Weiterbildungs- und Dokumentationsanforderungen, denen Vermittler mittlerweile unterworfen sind.  

Anerkennung gefordert

Statt sich ständigem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt zu sehen, fordert der BVK von der kommenden Bundesregierung – wie immer sich diese auch zusammensetzen mag – die Anerkennung des Berufsstandes. „Das sehen wir als die Grundlage für eine konstruktive Zusammenarbeit mit der künftigen Bundesregierung an. Dazu gehört auch der Erhalt des Provisionssystems neben der Honorarvergütung“, bemerkte BVK-Präsident Michael Heinz.  

Zwei der vier Parteien, aus denen sich mit aller Wahrscheinlichkeit die nächste Bundesregierung zusammensetzen wird, plädieren für eine Deckelung von Provisionen oder gar für eine vollständige Abkehr von der Provisionsvergütung. Die Grünen erklärten in ihrem Wahlprogramm, die Finanzberatung „vom Kopf auf die Füße stellen zu wollen“.  

Eine Forderung, die beim BVK auf wenig Gegenliebe stößt. „Der Verbraucher soll entscheiden, wie vergütet wird“, plädierte Heinz für ein Nebeneinander von Provisions- und Honorarvergütung. Ein Eingreifen der Politik sei folglich nicht geboten, sondern kontraproduktiv. „Durch eine reine Honorarberatung schneidet man große Teile der Bevölkerung von der Finanzberatung ab“, bemerkte Heinz, auch mit Verweis auf die Situation in Großbritannien.  

Auch bei anderen Regulierungsfragen wiederholte BVK-Präsident Heinz seine Forderung nach einem Regulierungsmoratorium – zumindest bis bestehende Regelungen im Rahmen der IDD-Evaluation ausgewertet worden seien. Schon heute, berichtete Heinz aus seinem eigenen Makleralltag, würden viele Kunden bestehende Regelungen nicht mehr verstehen oder gar ablehnen.  

"'Schneller, höher, weiter' ist nicht statthaft"

Durchaus offen zeigte sich der BVK im Hinblick darauf, das bestehende Provisionssystem zu reformieren – sprich im Rahmen der Bestandsprovisionen längere Laufzeiten zu vereinbaren. Auf deutliche Ablehnung stoßen indes Incentives seitens der Versicherer, die allein an Produktabsätze gebunden sind. „Das System, höher, weiter ist nicht statthaft“, verdeutlichte Heinz seine Ablehnung.  

Sollten einzelne Versicherer die IDD, die den Einsatz von Boni und Incentives einer strengen Kontrolle unterwirft, nicht korrekt umsetzen, sei man bereit, solche Fälle vor Gericht zu bringen, erklärte Heinz. „Wir beobachten das.“  

Neben der Vergütungsfrage sieht sich die Bundesregierung noch weiteren Herausforderungen gegenüber: Die Riester-Rente muss reformiert, die Vorsorgepflicht für Selbstständige ausformuliert und die Frage, ob das Gesundheitssystem hin zu einer Bürgerversicherung umgebaut werden soll, beantwortet werden.  

Wer kann Forderungen am ehesten durchsetzen?

Letzteren Punkt lehnt der BVK deutlich ab: „Wir stehen aus tiefer Überzeugung felsenfest hinter den Vorteilen des dualen Gesundheitssystems“, erklärte Heinz. Dass die Bürgerversicherung zu einem Stolperfall während der Koalitionsgespräche werden könnte, gilt eher als unrealistisch. „Die Einführung der Bürgerversicherung ist sicherlich nicht das vorherrschende Thema“, bemerkte Heinz.  

Bleibt die Frage, wer die Interessen der Vermittlerschaft am ehesten umsetzen wird. Hier ruhen die größten Hoffnungen auf der FDP. Das deckt sich auch mit einer Umfrage des Vermittlerverbands AfW, bei der die FDP gut 45 Prozent der befragten Makler hinter sich vereinen konnte. Auch wenn die Liberalen eine Koalition mit zwei weiteren Parteien eingehen wird müssen, zeigt man sich beim BVK optimistisch, dass die FDP viele ihrer Standpunkte durchbringen wird.  

Ob dazu aber die Vorstellungen der FDP zur Riester-Reform, zu Vergütungs- und Regulierungsfragen für Vermittler gehören werden, bleibt abzuwarten. Noch stehen die Verhandlungen zwischen den Parteien ganz am Anfang, welche Fügungen noch Einfluss auf die Gespräche nehmen werden, ist ungewiss.  

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