GDV-Vorstoß: Wohngebäudeversicherung nur noch mit Elementarschutz

Martin Thaler Versicherungen Top News

Nach Unwettertief "Bernd" begann in Deutschland eine Diskussion, wie der Schutz gegen Naturgefahren in Zukunft sichergestellt werden soll. Nun präsentieren die Versicherer einen Vorschlag.

Ahrtal Bild: picture alliance/Boris Roessler

Auch drei Monate nach "Bernd" sind die Schäden vielerorts, wie hier in Rech im Ahrtal, sichtbar. Bild: picture alliance/Boris Roessler

Drei Monate liegt die Flutkatastrophe, die Teile Westdeutschlands verwüstete und zu Schäden im Milliardenbereich führte, zurück. Da im besonders betroffenen Rheinland-Pfalz gerade einmal jeder dritte Hausbesitzer über den nötigen Versicherungsschutz verfügte, folgte auf die Flut die Debatte, wie in Zukunft die Verbreitung der Elementarschadenversicherung gesteigert werden kann. Noch im November wollen die Justizminister der Bundesländer darüber diskutieren, ob eine Pflichtversicherung – wie beispielsweise in der Schweiz – der richtige Schritt wäre.  

Nun haben sich die deutschen Versicherer in der Debatte mit konkreten Vorschlägen zu Wort gemeldet. In einem am Freitag veröffentlichten Positionspapier spricht sich der Versichererverband dafür aus, dass die Wohngebäudeversicherung zukünftig nur noch mit integriertem Schutz gegen Elementargefahren vertrieben werden soll.  

„Die Versicherungswirtschaft wird künftig im Neugeschäft allen privaten Hauseigentümern – unabhängig von der Gefährdung (Lage, Exponierung) – nur noch eine vollintegrierte Wohngebäudeversicherung inkl. Elementargefahren anbieten.“ Die Prämien sollen dabei allerdings nicht einheitlich, sondern risikobasiert von den jeweiligen Unternehmen erstellt werden. Um die Versicherungsprämien auch für finanzschwache Immobilienbesitzer in Risikogebieten bezahlbar zu gestalten, sollen Selbstbehalte verstärkt genutzt werden. Auf diese Weise ließen sich viele Härten abmildern, argumentiert der GDV. Darüber hinaus streben die Versicherer Diskussionen mit der neuen Bundesregierung an, um weitere Möglichkeiten zu erörtern, wie sozialverträgliche Konditionen sichergestellt werden können.  

Opt-out soll möglich sein

Bei Bestandskunden wird der Elementarschutz nachträglich in die Wohngebäudeversicherung ergänzt. Für diese automatische Bestandsumstellung, bei der der Kunde der Deckungserweiterung nicht ausdrücklich zustimmen muss, wäre jedoch ein Überleitungsgesetz notwendig, bemerkt der GDV. Dieses wäre aus seiner Sicht jedoch „verfassungsrechtlich das mildere Mittel gegenüber allen Formen einer Pflichtlösung“.  

Kunden, die explizit keinen Elementarschutz wünschen, sollen die Möglichkeit eines Opt-outs haben – der Kunde muss sich also aktiv gegen den Versicherungsschutz aussprechen. Im Gegenzug müsse er dann aber auch auf Hilfen im Schadenfall sowie auf eine Klagemöglichkeit gegen Bund, Länder, Kommunen, aber auch Versicherer sowie Vermittler verzichten.

Darüber hinaus plädieren die Versicherer für die Festsetzung einer Stichtagsregelung – vorgeschlagen wird hier der 1. Januar 2022. Häuser, die nach diesem Datum in amtlich festgesetzten oder vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebieten (§ 76 Wasserhaushaltsgesetz) neu gebaut werden, können nur noch gegen vollständigen Ausschluss der Gefahren Überschwemmung, Starkregen oder Rückstau in Deckung genommen werden.  

Mehr Prävention gefordert

Allgemein wünscht sich die Versicherungswirtschaft von Seiten des Staates beziehungsweise der Länder mehr Prävention im Hinblick auf das steigende Risiko für Extremwetterereignisse. So wird unter anderem ein gesetzliches Bauverbot in hochwassergefährdeten Gebieten, die Verankerung der Anpassung an den Klimawandel im Bauordnungsrecht sowie die Einrichtung eines bundesweiten Naturgefahrenpotentials gefordert.  

Darüber hinaus sprechen sich die Versicherer dafür aus, bei einem besonders schweren Kumulschadenfall nicht alleine die Kosten tragen zu müssen, sondern auf staatliche Unterstützung bauen zu können. Die Rede ist hier von einer sogenannten „Stop-loss-Regelung“: Dies würde bedeuten, dass die Schäden von den Versicherern nur bis zu einer bestimmten Höhe gezahlt werden, bei darüber hinausgehenden Schäden übernimmt der Staat.  

Die Eintrittsschwelle solle aber hoch angelegt werden, heißt es im GDV-Positionspapier. Ein Schaden, wie durch Unwettertief „Bernd“ im Sommer, reiche für das Erreichen der Schwelle nicht aus. Die Versicherungswirtschaft geht derzeit von einem durch „Bernd“ verursachten versicherungstechnischen Schaden in Höhe von sieben Milliarden Euro aus – diese Summe entfällt jedoch nicht nur auf die Wohngebäudeversicherung, sondern schließt unter anderem auch Hausrat- und Kfz-Schäden mit ein.