Finanzberatung: Deutsche setzen auf Tipps von Freunden und Familie

Anne Mareile Walter Berater Investmentfonds

Wie eine Studie zum Weltspartag am Freitag zeigt, haben viele Deutsche in puncto Finanzplanung Nachholbedarf: Oft fehlt es an einer konkreten Planung, stattdessen wird spontan investiert. Am stärksten wird die Beratung aus dem Bekanntenkreis geschätzt.

Spartag Bild: Adobe Stock/Akira Kaelyn

Was die Planung der eigenen Finanzen angeht, bevorzugen viele Deutsche die Beratung aus dem Bekanntenkreis. Erst an dritter Stelle setzen sie auf das Beratungsgespräch mit dem Finanzberater. Bild: Adobe Stock/Akira Kaelyn

Wenn es darum geht, Erspartes anzulegen, setzen die meisten Deutschen auf den Rat von Freunden und Familie. Erst an zweiter und dritter Stelle folgt die Beratung durch Banken und Vermittler. Zu diesem Ergebnis kommt das Finanzbarometer 2021 von J.P. Morgan Asset Management, für das 2.000 Menschen ab 20 Jahren befragt wurden und das nun zum Weltspartag am Freitag veröffentlicht wurde. 36 Prozent gaben darin an, dass sie bei der Anlageberatung auf Ideen aus dem Bekanntenkreis setzen. 29 Prozent holen sich von ihrer Hausbank Informationen und 22 Prozent suchen einen Berater auf. Bloggern und Influencern folgen 13 Prozent, zwölf Prozent lesen Bücher und nur drei Prozent recherchieren selbst.

Schneller Tipp nicht mit fundierter Beratung vergleichbar

„Familie und Freundeskreis haben seit jeher einen hohen Stellenwert, wenn es um Anlagetipps geht“, erklärt Matthias Schulz, Managing Director bei J. P. Morgan Asset Management. „Der Nachteil dabei ist allerdings, dass ein schneller Tipp nebenbei nicht mit einer fundierten Finanzplanung zu vergleichen ist.“ Wer sich hingegen eigenständig mit seiner Finanzplanung auseinandersetzen wolle, dem rät Schulz, zunächst die individuellen Anlageziele zu definieren. Soll beispielsweise eher kurzfristig für einen Urlaub oder langfristig für die Altersvorsorge gespart werden? Auch sollten Sparer ausloten, wie stark die eigene Risikotoleranz ausgeprägt ist: Wie sehr darf ein mögliches Investment vom Auf und Ab der Börse betroffen sein? Und welche Anlagen passen zum individuellen Risikotyp und zum Anlagehorizont? Tatsächlich sind derart komplexe Fragestellungen jedoch am ehesten im Gespräch mit einem Berater zu klären.

Mit 19 Prozent hat laut der Studie allerdings nur jeder Fünfte für seine Planung eine Finanzberatung in Anspruch genommen und mit dem Berater eine langfristige Planung auf die Beine gestellt. 36 Prozent haben sich selbst um die Planung gekümmert. Rund die Hälfte der Befragten gab an, überhaupt keine konkrete Planung für die eigenen Ersparnisse zu besitzen. 29 Prozent investieren spontan, wenn Geld übrig ist. 23 Prozent wollen hingegen dringend aktiv in Sachen Finanzplanung werden.

Erspartes wird oft auf dem Girokonto gehortet

„Der Bedarf an Finanzplanung wird weiter steigen“, prognostiziert Matthias Schulz. Denn durch die anhaltend niedrigen Zinsen, die steigende Inflation und die immer häufiger erhobenen ‚Verwahrentgelder‘ rücke eine renditeorientierte Anlage noch stärker in den Fokus. Und: Wer über eine Finanzplanung verfüge, habe auch mehr Sicherheit, die „finanziellen Prioritäten in die Hand zu nehmen“. Diese Einschätzung untermauert die Studie: Zwei Drittel der Befragten, die bereits eine Planung vorgenommen haben, sind „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ damit. Elf Prozent der Befragten sind hingegen „unzufrieden“ oder sogar „sehr unzufrieden“ mit ihrer finanziellen Planung.

Dass der Bedarf an einer Finanzberatung groß ist, zeigt auch eine Studie, die das Vergleichsportal Check24 zum Weltspartag in Auftrag gab: 24 Millionen Deutsche horten demnach aktuell mehr als 5.000 Euro auf unverzinsten Konten. Die Hälfte der Befragten gab an, Erspartes auf dem Girokonto anzulegen. 26 Prozent verwahren ihr Vermögen in Form von Bargeld. 25 Prozent legen hingegen überhaupt kein Geld an.

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