„Die bKV als Entlohnungsinstrument positionieren“

Detlef Pohl Versicherungen Top News

Immer mehr Unternehmen setzen auf Mitarbeiter-Benefits, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Die Leistungen werden entsprechend viefältiger. Welchen Stellenwert dabei die bKV einnimmt, erklärt Wiltrud Pekarek, Mitglied im Vorstand des Alte-Leipziger-Hallesche-Konzerns.

Wiltrud Pekarek, Bild: Alte Leipziger – Hallesche

"bKV in Form eines Gesundheitsbudgets ist ein Benefit, den der Mitarbeiter direkt erlebt. Er entfaltet seine Wirkung sofort", sagt Wiltrud Pekarek, Vorstand des Alte-Leipziger-Hallesche-Konzerns. Bild: Alte Leipziger – Hallesche

procontra: Fachkräftegewinnung ist für Arbeitgeber heute essentiell. Dazu gehört mehr als nur ein gutes Gehalt. Wie ist da die bKV einzuordnen?

Wiltrud Pekarek: Die bKV in Form eines Gesundheitsbudgets ist ein Benefit, den der Mitarbeiter direkt erlebt. Er entfaltet seine Wirkung sofort. 

procontra: Der PKV-Umsatz stützte sich zuletzt insbesondere auf die bKV. Wie sieht die Entwicklung in der AHL-Gruppe aus?

Pekarek: 2020 sind wir in der bKV um 43 Prozent gewachsen, der Anteil am gesamten Neugeschäft liegt bei 23 Prozent. Die Zahl der Verträge ist stark gestiegen und hat erheblichen Anteil am Wachstum in der Zusatzversicherung. 

procontra: Was ist für Makler bei der bKV in Sachen Kundenansprache anders als sonst in der PKV und welche Services bietet die Hallesche?

Pekarek: Der Unterschied ist, dass die Kunden keine Einzelpersonen sind, sondern Firmen. Makler müssen wissen, was Arbeitgeber brauchen. So hat die Hallesche ein bKV-Firmenportal entwickelt, das eine unkomplizierte Bestandsführung ermöglicht. Über die Kooperation mit dem Start-Up Dear Employee, das Stressquellen am Arbeitsplatz misst und Empfehlungen zur mentalen Gesundheit ableitet, unterstützen wir bei psychischen Gefährdungsbeurteilungen.

procontra: Gibt es auch Unterschiede in der Vergütung und Stornohaftung gegenüber der sonstigen PKV?

Pekarek: Im Unterschied zur sonstigen PKV ermöglichen wir in der bKV die Wahl zwischen laufender Vergütung, Abschlussvergütung oder einem Mixmodell. Die Stornohaftung ist vergleichbar mit derjenigen in der Einzel-Zusatzversicherung.

procontra: Welche Strategien zur Platzierung der bKV empfehlen Sie Maklern?

Pekarek: Die richtigen Firmenkunden ansprechen und nicht Versicherungen verkaufen, sondern die bKV als Entlohnungsinstrument positionieren.  

procontra: Warum sind Budget-Tarife, 2018 von der Halleschen kreiert, im Kommen und worauf muss der Makler dabei achten?

Pekarek: Bei den klassischen bKV-Tarifen musste der Arbeitgeber auswählen, welche Zusatztarife er anbietet. Beim Gesundheitsbudget wählt der Arbeitnehmer. Die Bedeutung von Assistance-Leistungen – etwa Facharztservice oder ärztliche Videosprechstunde – steigt. Makler sind mit einem erfahrenen Versicherer mit stabilen Beitragsverläufen gut beraten.  

procontra: Die 44-Euro-Grenze für steuerfreie Zuwendungen (Sachbezüge) ist schnell ausgereizt. Gibt es Auswege für den AG?

Pekarek: Sachbezug ist nicht gleich Sachbezug, es gibt unterschiedliche Töpfe. Bestehende Regelungen sollten kritisch überprüft werden. 2022 steigt die Grenze zudem auf 50 Euro, das verschafft etwas Luft. Sollte die Sachbezugsgrenze ausgeschöpft sein, gibt es die Pauschalversteuerung als Alternative.

procontra: Ihre neue betriebliche Pflegeversicherung richtet sich eher an zu pflegende Angehörige des Arbeitnehmers als an ihn selbst. Warum?

Pekarek: Indem wir bei der Pflege von Angehörigen helfen, schaffen wir wieder mehr Freiraum für den Beruf. Arbeitgeber nehmen diese neuartige Form betrieblicher Pflege daher sehr interessiert auf.

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