Die besten Altersvorsorgesysteme: Island: top, Deutschland: nur Durchschnitt

Martin Thaler Versicherungen

Jahr für Jahr bewertet das Beratungsunternehmen Mercer die Altersvorsorgesysteme der verschiedenen Staaten. Erneut reicht es für Deutschland nur zu einem Platz im Mittelfeld – Nachbesserungsbedarf besteht unter anderem bei der betrieblichen Altersversorgung.

Papageientaucher Bild: picture alliance/ NurPhoto | Thomas O'Neill

Jahr für Jahr bewertet das Beratungsunternehmen Mercer die Altersvorsorgesysteme einzelner Staaten: Island erklomm aus dem Stand die Spitzenposition. Bild: picture alliance/ NurPhoto | Thomas O'Neill

Die alternde Gesellschaft ist kein Problem, mit dem Deutschland in der Welt allein dasteht – auch in anderen Staaten verschiebt sich die Demografie in eine Richtung, in der immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentnern gegenüberstehen. Umso mehr lohnt sich ein Blick ins Ausland, um zu sehen, wie andere Staaten beim Thema Rente und Altersvorsorge aufgestellt sind.  

Jahr für Jahr – mittlerweile zum 13. Mal – untersucht das Beratungsunternehmen Mercer zusammen mit dem CFA Institute und dem Monash Centre for Financial Studies die Altersvorsorgesysteme verschiedener Staaten im Hinblick auf Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität. Und stets muss sich Deutschland mit einem Platz im Mittelfeld zufriedengeben.  

Deutschland erneut im Mittelfeld

Bei der diesjährigen Untersuchung zum Global Pension Index, für die insgesamt die Altersvorsorgesysteme von 43 Staaten analysiert und bewertet wurden, landete das deutsche Rentensystem mit insgesamt 67,9 von 100 möglichen Punkten auf dem 14. Rang. Im vergangenen Jahr lag Deutschland mit 67,3 Punkten noch auf dem elften Platz – allerdings waren damals auch nur 39 Altersvorsorgesysteme untersucht worden.  

Neu in der Untersuchung dabei und gleich auf dem ersten Platz findet sich das isländische Altersvorsorgesystem (84,2 Punkte) im Index wieder. Neben einer vergleichsweise hohen staatlichen Rente lobten die Analysten auch die Konzeption der betrieblichen Altersversorgung. Diese ist in Island obligatorisch, Beiträge werden sowohl von Seiten der Arbeitnehmer und Arbeitgeber gezahlt.  

Ebenfalls mit der höchsten Note „A“ ausgezeichnet wurden die Altersvorsorgesysteme der Niederlande (83,5 Punkte) und von Dänemark (82). Das ist Deutschland vielbeachtete und -zitierte schwedische Altersvorsorgesystem landete mit 72,9 Punkten zwar vor Deutschland, jedoch hinter Staaten wie Israel (77,1), Norwegen (75,2) oder Australien (75). Am schlechtesten bewerteten die Analysten die Systeme der asiatischen Staaten Indien (43,3), Philippinen (42,7) und Thailand (40,6).  

Das deutsche Rentensystem kann sich international durchaus sehen lassen, bietet jedoch weiterhin viel Spielraum für Verbesserungen, heißt es von Seiten der Studienautoren. „Im Hinblick auf die Nachhaltigkeit besteht Nachholbedarf, die Ausfinanzierung über ein Kapitaldeckungsverfahren würde dies erheblich verbessern“, erklärt Norman Dreger, CEO bei Mercer Deutschland. Entsprechende Schritte in diese Richtung könnten unter einer möglichen Ampel-Regierung erfolgen: In einem Ergebnispapier zu den Sondierungsverhandlungen, das FDP, SPD und Grüne vergangenen Freitag veröffentlichten, kündigten die Ampel-Parteien einen teilweisen Einstieg der Gesetzlichen Rentenversicherung in die Kapitaldeckung an.  

Betriebsrente stärken

Einen weiteren Ansatzpunkt, das deutsche System zu stärken, sieht Dreger in der betrieblichen Altersversorgung: „Außerdem sollte die betriebliche Altersversorgung weiter gestärkt werden, denn nur so kann gewährleitstet werden, dass das System auch in Zukunft finanzierbar bleibt. Um die Rentenlücke zu verringern, müssen Frauen ebenfalls angemessen an der betrieblichen Altersversorgung beteiligt werden.“ Auf diese Weise ließe sich die bestehende „Gender Pension Gap“, also der Missstand, dass die Altersbezüge von Frauen in der Regel wesentlich geringer ausfallen als die der Männer, deutlich verkleinern, sind die Studienautoren überzeugt.

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