Deka kehrt Riester-Geschäft den Rücken zu

Anne Mareile Walter Berater Investmentfonds Versicherungen

Das anhaltende Niedrigzinsumfeld und die politische Reformunwilligkeit lassen den Markt der Riester-Produkte weiter schrumpfen: Mit der Sparkassen-Tochter Deka zieht sich ein weiterer Anbieter aus dem Geschäft mit der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge zurück.

Deka Bild: Deka

Ab 1. November senkt die Deka den Ausgabeaufschlag für Riester-Produkte auf null Prozent. So sollen künftig keine Riester-Neuverträge mehr abgeschlossen werden. Bild: Deka

Vor der Bundestagswahl blieb der große politische Wurf in puncto Riester-Rente aus. Und auch angesichts einer möglichen künftigen Ampel-Koalition dürften die Aussichten auf eine Reform gering sein, wie ein Blick in das vergangene Woche publizierte Ergebnispapier verrät. Derweil ziehen immer mehr Anbieter Konsequenzen: Mit Deka Investments steigt nun ein weiterer führender Anbieter aus dem Riester-Geschäft aus. Einen entsprechenden Bericht der Zeitschrift „Capital” bestätigte die Deka auf procontra-Nachfrage. So soll zukünftig der Riester-Fondssparplan „Deka-Zukunftsplan Classic“ nicht mehr „vertrieblich unterstützt“ werden. Bereits 2017 hatte der zur Sparkassengruppe gehörende Vermögensverwalter die " „Deka-Bonusrente” vom Markt genommen. 

Bestandskunden sparen Geld

Damit die weiteren Auswirkungen des anhaltenden Nullzinsumfelds auf die beiden Fonds in einem „vertretbaren Rahmen“ bleiben, senkt die Deka den Ausgabeaufschlag zum 1. November von bisher 1,5 Prozent beim Zukunftsplan beziehungsweise 3,5 Prozent bei der Bonusrente auf null Prozent. Da der Vermittler den Ausgabeaufschlag kassiert, ist mit der Riester-Beratung künftig kein Geld mehr zu verdienen – entsprechend unattraktiv dürften die Produkte demzufolge für den Vertrieb sein. Für die 710.000 Bestandskunden führt die Deka die Riester-Produkte aber weiter. Sie profitieren von den Änderungen: Da ab 1. November kein Ausgabeaufschlag mehr fällig ist, sparen sie Geld. „Ohne Ausgabeaufschlag wird es künftig keine Beratung zu Riester-Produkten mehr geben und de facto werden so keine neuen Verträge mehr abgeschlossen“, erklärte ein Deka-Sprecher auf procontra-Anfrage. Da die komplette Einstellung des Riester-Geschäftes ein langwieriger Prozess sei, habe man sich für diese Maßnahme entschlossen. Zusätzlich soll es künftig auch keine Werbung für Riester-Produkte mehr geben.   

Mit ihrem Rückzug aus dem Riester-Geschäft reiht sich die Deka in den Reigen weiterer Anbieter ein, die bei der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge ebenfalls auf die Bremse treten. Im Juli stellte die Deutsche Bank-Tochter DWS das Riester-Neugeschäft ein. Zum 1. Juli positionierte sich außerdem der selbsternannte Marktführer Union Investment beim Thema Riester neu: Für die UniProfiRente (Vertragsbestand: 1,8 Millionen) und die UniProfiRente Select (100.000) gilt nun eine Mindestvertragszeit von 20 Jahren. Bei der UniProfiRente hatte diese bei zehn Jahren gelegen, bei der UniProfiRente Select gab es zuvor gar keine. Folglich können Kunden ab Mitte 40 in Zukunft keine Riester-Verträge mehr abschließen.  

Auch einige Versicherer stiegen aus dem Neugeschäft aus

Auch einige Versicherer haben sich aus dem Riester-Geschäft zurückgezogen. 2020 gab die Debeka die Einstellung des Riester-Neugeschäfts bekannt. „Die dauerhaft niedrigen Zinsen und die starken gesetzlichen Restriktionen wirken massiv auf die Kapitalanlagemöglichkeiten von Riesterrenten ein“, erklärte dazu Vorstandsmitglied Dr. Normann Pankratz. Mit der LVM und der Stuttgarter erklärten in diesem Jahr weitere Anbieter ihren Rückzug. Andere Versicherer prüfen derweil noch, wie es beim Thema Riester weitergehen könnte.

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