Darum sollte die LV-Courtage angepasst werden

Detlef Pohl Berater Top News

Die Courtage-Einnahmen haben sich in der Pandemie gut entwickelt – außer bei der Altersvorsorge. Ein großer Maklerverband schlägt erneut einen Kompromiss für LV-Courtagen vor. Vieles wird auch von der neuen Bundesregierung abhängen.

Zwangssysteme können auf die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse einzelner naturgemäß nicht eingehen, warnt BDVM-Geschäftsführer Hans-Georg Jenssen. Bild: BDVM

Zwangssysteme können auf die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse einzelner naturgemäß nicht eingehen, warnt BDVM-Geschäftsführer Hans-Georg Jenssen. Bild: BDVM

Versicherungsmakler sehen sich in ihrer täglichen Beratung mit einer „Vielzahl von Irrtümern und falschen Vorstellungen in zahlreichen Teilen der Gesellschaft und Politik konfrontiert“, hat der Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) vergangene Woche in einem virtuellen Pressegespräch beklagt. Damit müsse aufgeräumt werden. Das tat dann BDVM-Geschäftsführer Hans-Georg Jenssen auch gleich an Ort und Stelle und hielt ein flammendes Plädoyer für die Courtage.

Die Bevölkerung brauche zum großen Teil zur Absicherung und Altersversorgung professionelle Hilfe, die speziell Versicherungsmakler als Sachwalter des Kunden bieten können. „Das kostet Geld, ob nun in Form von Provision oder Honorar“, betont Jenssen. Die Alternative wäre, die Bevölkerung in Zwangssysteme zu kollektivieren, die auf die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse naturgemäß nicht eingehen können, warnte er mit Blick auf Gedankenspiele im politischen Berlin. Dort mahnt der BDVM zugleich mehr Kontinuität für die Rahmenbedingungen an, etwa bei der bAV.

Alternatives LV-Vergütungsmodell

Die bisherige Provisionsberatung bedarf weiter einer kritischen Analyse, so der BDVM. „Die Abschlussprovision ist aber keine überholte Vergütungsform, sie gehört jedoch modernisiert“, hatte Jenssen kürzlich auf dem virtuellen BDVM-Symposium gesagt und Ideen präsentiert, wie die Vergütung für den Versicherungsvertrieb zukunftsfest gemacht werden könne.

Der BDVM-Vorgänger VDVM hatte bereits 2013 für Mitglieder ein alternatives LV-Vergütungsmodell entwickelt - mit deutlich reduzierter Abschlussvergütung, neben die eine angehobene laufende Betreuungsvergütung tritt. So sollte eine Zeitkongruenz zwischen Beratungsaufwand und Vergütungszufluss sichergestellt werden. Gedacht war eine auf 2,0 Prozent halbierte Abschlusscourtage und eine auf 2,0 Prozent des laufenden Beitrags verdoppelte Bestandsvergütung ab dem zweiten Jahr – bei insgesamt auf zehn Jahre verdoppelter Stornohaftzeit. Für den Kunden hätten sich deutlich bessere Rückkaufswerte ergeben.

Stuttgarter Vorpreschen seinerzeit ausgebremst

Man bereitete einen entsprechenden Tarif mit der Stuttgarter Lebensversicherung vor, um einen generellen Provisionsdeckel überflüssig zu machen. Die Stuttgarter hatte dann zum 1. Januar 2015 im Neugeschäft alle privaten Lebens- und Rentenversicherungstarife auf eine neue Kalkulation umgestellt.

Die Abschlussvergütung für Policen gegen laufenden Beitrag sank häufig von 40 auf 28 Promille. Neu war eine laufende Abschlusscourtagecourtage (2,0 Prozent des Bruttobeitrages über die gesamte Beitragszahldauer). Zudem zahlte der Versicherer nun 2,0 Prozent Bestandsbetreuungscourtage (vorher häufig null).

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