Cyberversicherungen: Die Prämien steigen ordentlich

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

Anzahl und Schwere der Hacker-Angriffe nehmen kontinuierlich zu, die Pandemie tut ihr Übriges. Das treibt die Versicherungsprämien in die Höhe: Im ersten Quartal dieses Jahres stiegen sie um 39 Prozent.

Cyber Bild: picture alliance

Das Homeoffice war in der Pandemie ein Einfallstor für Hacker-Angriffe – das Prämienvolumen bei den Cyberversicherungen nahm infolgedessen zu. Bild: picture alliance

Das Arbeiten in den eigenen vier Wänden ist während des Lockdowns in vielen Unternehmen zum Standard geworden – dabei war das Homeoffice bekanntermaßen ein Einfallstor für Hacker-Angriffe. Dem Thema Cyber-Attacken hat sich nun der Industrieversicherungsmakler Marsh in einer aktuellen Analyse gewidmet. Darin kommt er zu dem Schluss: Mit rund 80 Prozent entstanden 2020 die meisten Cyberschäden in Kontinentaleuropa durch böswillige Angriffe. In 32 Prozent der Fälle standen die Schäden in Zusammenhang mit Lösegeldforderungen – die Rede ist hier von sogenannten Ransomware-Angriffen. 

Schadenmeldungen stiegen zum Teil um 200 Prozent

Insgesamt verzeichnete die Studie 2020 in Kontinentaleuropa einen eher moderaten Anstieg der gemeldeten Cyber-Schäden, die um acht Prozent über denen aus 2019 lagen. Die Versicherungsprämien für Kunden hingegen legten ordentlich zu – und das über alle Branchen hinweg. So stiegen die Prämien im ersten Quartal 2021 im Schnitt um 39 Prozent, im vierten Quartal 2020 hatte der Anstieg bei 37 Prozent gelegen.  

Mehr Schadenmeldungen gab es vor allem bei den Finanzinstituten, der produzierenden Industrie, Kommunikations- und Medienunternehmen sowie Dienstleistungen. In der produzierenden Industrie nahmen die Schadenmeldungen 2020 um 104 Prozent im Vergleich zu 2019 zu. Bei den Kommunikations-, Medien- und Technologieunternehmen lag der Anstieg bei 153 Prozent, 200 Prozent mehr Schäden registrierte die Dienstleistungsbranche.   

Den Anstieg der Schäden führen die Autoren des Reports unter anderem auf den Beginn der Pandemie im März vergangenen Jahres zurück. Cyber-Kriminelle hätten aus der Angst der Menschen Kapital geschlagen und regelrechte Angriffswellen gestartet. Zudem informierten sich viele Menschen verstärkt im Netz über pandemiebezogene Themen – daran hätten Hacker mit „altbewährten Taktiken und Schadsoftware“ angesetzt. Vor allem mittelständische, nicht ausreichend auf Hacker vorbereitete Betriebe, seien im Fokus der Cyber-Kriminellen gewesen. Johannes Behrends, Leiter der Einheit CYRIS bei Marsh, weist darauf hin: „Böswillige Angriffe wie zum Beispiel Ransomware-Attacken werden immer raffinierter, da Cyber-Kriminelle versuchen, schwache organisatorische Schutzmechanismen und menschliche Schwächen auszunutzen.“ 

Nur wenige Betriebe besitzen eine Cyberversicherung

Trotz des zunehmenden Hacker-Risikos ist ein entsprechender Versicherungsschutz in vielen Betrieben nicht an der Tagesordnung. So ergab eine kürzlich von der Gothaer durchgeführte Studie unter 1.005 kleinen und mittelständischen Unternehmen: Nur 16 Prozent der befragten Betriebe besitzen eine Cyberpolice. Mit 47 Prozent fürchtet gleichzeitig aber fast die Hälfte der Firmen mit einer Belegschaft von mehr als 200 Mitarbeitern das durch die Pandemie gestiegene IT-Risiko von Cyberangriffen. 2017 hatten dies nur 32 Prozent der Betriebe angegeben. 22 Prozent der befragten Mittelständler planen aber, in den kommenden zwei Jahren eine Cyberpolice abzuschließen. 

Ein gestiegenes Prämienvolumen bei Cyberversicherungen registrierte auch der Branchenverband GDV: Dieses nahm von 2019 auf 2020 um 40 Prozent zu – von 76 Millionen Euro auf knapp 105 Millionen Euro. Doch in der Praxis würden laut GDV die Abschlüsse im Firmenkundengeschäft trotzdem hinter den Erwartungen zurückbleiben. Auch laut der Unternehmensberatung Assekurata wird die derzeitige Geschäftslage im Cyberversicherungsgeschäft von Experten als „schwach“ bewertet.

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