BDVM: Verordnetes Pflichtprogramm zur bAV ist gescheitert

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Der wachsende Bedarf an zusätzlicher Altersvorsorge wird konterkariert von permanenten neuen staatlichen Eingriffen. Damit müsse Schluss sein, fordert ein großer Maklerverband. Stattdessen sollten vorhandene Mechanismen verbessert werden.

Statt ständig neue regulatorische Vorgaben für die bAV zu machen, sollten die bestehenden Wege verbessert werden, sagt Felix Hänsler, Leiter des BDVM-Arbeitskreises Leben. Bild: Südvers

Statt ständig neue regulatorische Vorgaben für die bAV zu machen, sollten die bestehenden Wege verbessert werden, sagt Felix Hänsler, Leiter des BDVM-Arbeitskreises Leben. Bild: Südvers

Die Wirtschaft leidet weiter unter den Folgen von Corona, seit Jahrzehnten ungekannten Knappheiten, Beschaffungsproblemen und Inflation. Die Versicherer tragen leider nicht zur Beruhigung der Unternehmen bei, kritisiert der Bundesverband Deutscher Versicherungs-Makler (BDVM). „Viele Unternehmen waren und sind die kalte Schulter der Versicherer einfach nicht gewohnt und über die immer neuen Forderungen verunsichert, ja verärgert“, berichtete Thomas Haukje, Geschäftsführer der Nordwest Assekuranzmakler GmbH & Co. KG in Bremen und BDVM-Präsident, in einem virtuellen Pressegespräch am Dienstag.

„Die Sanierungswelle geht unvermindert weiter“, so Haukje. Viele Versicherer mussten ihre Portfolios anpassen, dennoch waren die Bilanzen der Versicherer 2020 trotz Corona „doch mehr als ordentlich“. Folge für Makler: Die unterschiedlichsten Anforderungen der Versicherer müssen kanalisiert und gemanagt werden, um schwindende Kapazitäten aufzuspüren. „Langsam wird es knapp mit den Kapazitäten“, sagt Haukje.

Betriebsrente braucht Kontinuität

Mehr Kontinuität mahnt der BDVM auch von der Politik an. So sei der Zick-Zack-Kurs der Politik in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) „nicht dazu geeignet, Vertrauen in Betriebsrenten zu stärken“, sagt Felix Hänsler, Niederlassungsleiter der Südvers Vorsorge GmbH Versicherungsmakler in Freiburg. „Seit 2002 gibt es schon einen Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung, aber die Verbreitung in der gewünschten Form ist nicht gelungen“, erinnert der Leiter des BDVM-Arbeitskreises Leben.

Als Ursachen nennt er unter anderem überforderte Arbeitgeber in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), ein zu enges regulatorisches Korsett für das Produktangebot sowohl in der Spar- als auch in der Rentenphase samt unhaltbarer Mindestgarantien, Vertrauensverlust durch das Modernisierungsgesetz der gesetzlichen Krankenversicherung 2004 (Eingriff in Bestandsverträge der Direktversicherung) sowie nicht wirklich gut geregelte Portabilität der bAV-Verträge beim Wechsel des Arbeitgebers. Gerade bei der Portabilität bestehe ein erheblicher Zielkonflikt zwischen dem Arbeitnehmer und dem neuen Arbeitgeber.

 

Portabilität der bAV muss besser geregelt werden

Beispiel Portabilität: „Da gebrochene Erwerbsbiografien der Normalfall sind, muss die aktuelle Portabilitätsregelung überarbeitet werden“, sagt Hänsler. Zum einen müsse die Haftung des neuen Arbeitgebers eingeschränkt werden, um die alte Versorgung nicht zur Beitragsfreistellung zu treiben. Zum anderen müssten auch die Produktgeber einbezogen werden und weiter für Alt-Konditionen einstehen. „Dabei ist die bestehende Regelung, dass bei einer Kapital-Übertragung des bestehenden Vertrags in einen neuen keine erneuten Abschlusskosten anfallen, eine positive Stoßrichtung“, so Hänsler.

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