Zurich: „Die Branche braucht einheitliche Standards für nachhaltige Investitionen“

Hannah Petersohn Versicherungen

Der Versicherer Zurich Deutschland plant bis 2025 seine CO2-Emmissionen um die Hälfte zu reduzieren. Durch eine ressourcenschonende Arbeitsweise und eine klimaneutrale Anlagestrategie wolle man dieses Ziel erreichen. Doch seien für Letzteres internationale Regeln notwendig.

Bild: Adobe Stock/WrightStudio

Immer mehr Versicherungsunternehmen setzen das Thema Nachhaltigkeit auf ihre Agenda. Bild: Adobe Stock/WrightStudio

Das Thema „Nachhaltigkeit“ nimmt immer weiter Fahrt auf. Nicht zuletzt die Flutkatatstrophe im Juli dieses Jahres hat das Bewusstsein für die Gefahren, die vom Klimawandel ausgehen, auch in unseren Breitengraden geschärft. Wenig verwunderlich also, dass sich die Branche, die besonders von den Unwetterereignissen betroffen ist, Nachhaltigkeit auf ihre Agenda schreibt.

So plant die Zurich Deutschland bis zum Jahr 2050 in allen Geschäftsbereichen – vom Investment- und Risikomanagement über Versicherungsprodukte und dem Betrieb – klimaneutral zu werden. Das gab der Versicherer am Mittwoch bekannt. „Wir wollen eines der nachhaltigsten Unternehmen weltweit werden“, sagte Carsten Schildknecht, Vorstandsvorsitzender der Zurich Deutschland, in einer virtuellen Pressekonferenz. Dieser kühne und ambitionierte Anspruch sei notwendig, „um dem Klimawandel entschlossen entgegenzutreten“.

Das Thema Nachhaltigkeit berühre, so Schildknecht, zwar auch andere Themenbereiche wie die nachhaltige Gestaltung der Arbeitswelt oder die Förderung des Vertrauens der Menschen in die digitale Gesellschaft. So sei es in Zukunft ebenfalls wichtig und Teil der Nachhaltigkeitsstrategie, mit Kundendaten verantwortungsvoll umzugehen. Doch: „Unser Fokus wird auf der Einhaltung des 1,5 Grad Ziel liegen“, so Schildknecht.

Zurich habe vor diesem Hintergrund 2019 den „Business Ambition for 1,5 °C Pledge“ unterzeichnet, der darauf abzielt, die durchschnittliche globale Erwärmung bis 2050 auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. „Die Fähigkeit zur CO2 Reduzierung ist die zentrale Zukunftsfrage“, so Schildknecht. Zurich plane demnach bis 2025 den eigenen CO2-Fußabdruck um die Hälfte zu senken.

Ressourcenschonende Arbeitsweise

Schließlich zeigten sich die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels mittlerweile auch in Deutschland. Durch Extremwetterereignisse wie die Flut im Juli dieses Jahres und die Hagelschäden im Frühsommer werde 2021 wahrscheinlich das bislang teuerste Naturgefahrenjahr für die deutschen Versicherer. „Der Klimawandel ist kein abstraktes Phänomen, er ist wissenschaftlich belegt und hat schon jetzt Auswirkungen auf unsere Lebensqualität, auf die Existenzgrundlage vieler Menschen, auf die Geschäftsmodelle zahlreicher Unternehmen und auf die Lebensräume künftiger Generationen“, sagte der Zurich-Vorstandsvorsitzende.

Der Versicherer plant in betrieblichen Abläufen bis 2030 eine CO2-Reduzierung von mehr als 70 Prozent. Dazu wolle man Flugreisen im kommenden Jahr gegenüber dem Vergleichsjahr 2019 um 70 Prozent reduzieren. Daneben werde die Dienstwagenflotte ab 2025 auf Hybrid- und Elektro-Fahrzeuge umgestellt. Homeoffice, virtuelle Konferenzen und flexible Arbeitsweisen sollen Dienstreisen und Pendelverkehr minimieren.

Standards gegen Greenwashing

Die Nachhaltigkeitsziele betreffen ebenfalls die Anlagestrategie des Unternehmens: „40 Prozent der Fondsanlagen im Neugeschäft sind ESG-dediziert“, so Schildknecht. „Im Bestand sind rund 15 Prozent der Fondsanlage auf ESG dediziert umgestellt.“ Bis 2050 strebt die Zurich ein vollständig klimaneutrales Produktportfolio an. „Um wirkungsvolle Nachhaltigkeitsprojekte von Greenwashing zu unterscheiden, braucht die Branche allerdings international einheitliche Standards und ein Klassifikationssystems für nachhaltige Investitionen, welches Bewertungs- und Offenlegungsvorschriften enthält.“

Zurich plant, auch sein Produkt- und Leistungsspektrum für die über acht Millionen Kunden an Nachhaltigkeitskriterien auszurichten. Demnach gebe es „enorme CO2 Einsparungspotenziale auch bei der klimaneutralen Beheizung und Stromversorgung von Wohngebäuden“, weswegen das Unternehmen Absicherungsbausteine für Solar- und Photovoltaikanlagen entwickelt habe. „Zudem werden in der Wohngebäudeversicherung die Mehrkosten für einen nachhaltigen Wiederaufbau nach Schadeneintritt abgesichert“, so Schildknecht.

„Es gibt in Sachen Transparenz noch viel Potential.“

Zeitgleich mit den Meldungen durch die Zurich lässt auch die R+V verlautbaren, man unterstütze „ab sofort die UN Principles for Sustainable Insurance (PSI)“. Damit sollen von nun an ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) entlang der gesamten Wertschöpfungskette berücksichtig werden, schreibt R+V in seiner aktuellen Pressemitteilung. Nach eigener Aussage habe man in den vergangenen zehn Jahren die eigenen CO2-Emissionen halbiert und verfolge soziale, ethische und ökologische Regeln für die Kapitalanlage.

Die Frage ist nur: Wie nachhaltig arbeiten Versicherer bereits aktuell? Die Ratingagentur Franke und Bornberg hat sich Anfang dieses Jahres genau mit diesem Thema beschäftigt und kommt in seinem ESG-Report zu dem Ergebnis: „Es gibt in Sachen Transparenz noch viel Potential.“ Der Grund: Es mangelt in den Nachhaltigkeitsberichten der Versicherer an verbindlichen Standards, um die ESG-Kriterien einheitlich miteinander vergleichen zu können.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!