Wie sind BU-Beiträge und -Leistungen steuerlich zu behandeln?

Florian Burghardt Berufsunfähigkeit Berater Versicherungen

Kann man die Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsversicherung steuerlich geltend machen? Und auf welchen Anteil der BU-Rente muss man Steuern bezahlen? procontra hat bei Wolfgang Wawro, Steuerexperte des Deutschen Steuerberaterverbands, nachgefragt.

Wolfgang Wawro. Bild: Wolfgang Wawro

Wer eine Rente aus seiner Berufsunfähigkeitsversicherung bezieht, sollte sich mit deren Ertragsanteil auskennen, weiß Steuerberater Wolfgang Wawro. Bild: Wolfgang Wawro

procontra: Kann man die Beiträge für eine privat abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung steuerlich geltend machen?

Wolfgang Wawro: Ja, die Beiträge für eine Absicherung gegen den Eintritt der Berufsunfähigkeit – oder auch einem Versicherungsfall der verminderten Erwerbsfähigkeit – sind steuerlich als Sonderausgaben abzugsfähig. Jedoch dürfen die Ansprüche nicht vererblich, nicht übertragbar, nicht beleihbar, nicht veräußerbar und nicht kapitalisierbar sein.

Die hier genannten Versicherungsbegriffe fallen unter den Begriff der Vorsorgeaufwendungen. Dazu gehören insbesondere auch die Beiträge für die Renten-, die Kranken- und die Pflegeversicherung sowie für Unfall- und Haftpflichtversicherungen. Die insgesamt anfallenden Vorsorgeaufwendungen sind für 2020 maximal mit einem Höchstbetrag von 22.541 Euro, bei Verheirateten beziehungsweise eingetragenen Lebenspartnern mit maximal 45.082 Euro zu berücksichtigen. Die angeführten Höchstbeträge für 2020 gelten in Höhe von 90 Prozent der gezahlten Beiträge. Bis zum Jahr 2025 erhöhen sich die Höchstbeträge auf 100 Prozent, jährlich um je zwei Prozentpunkte.

procontra: Muss ich zwingend der Versicherungsnehmer und die versicherte Person sein, um BU-Beiträge steuerlich geltend machen zu können?

Wawro: Die steuerliche Abzugsfähigkeit der Beiträge gilt für den Versicherungsnehmer ebenso auch für die Kinder, für die ein Kindergeldanspruch besteht und auch für die Ehefrau oder eingetragene Lebenspartnerin.

So berechnet sich der Ertragsanteil

procontra: Wie sieht es im Leistungsfall aus? Wenn mir zum Beispiel 1.000 Euro monatliche BU-Rente aufs Konto überwiesen werden, ist darauf dann Einkommensteuer fällig?

Wawro: Wenn Sie 1.000 Euro monatliche Rente beziehen, unterliegen die Bezüge für 2021 mit 81 Prozent dem Einkommen. Das regelt § 22 Einkommensteuergesetz (EstG). Der Besteuerungsanteil, der sich auf das Einkommen bezieht, steigt jährlich um ein Prozent bis zum Jahr 2040 auf dann 100 Prozent.  Das heißt aber nicht, dass Sie dann auf 100 Prozent Steuer zahlen sollen. Denn bei Leibrenten wie der BU-Rente unterliegt nur der sogenannte Ertragsanteil der Einkommensteuer.

Eine BU-Rente unterliegt bei unbegrenzter Laufzeit dem Ertragsanteil nach § 22 EStG. Bei dem Eintritt der Berufsunfähigkeit, zum Beispiel im 47. Lebensjahr, beträgt der Ertragsanteil somit 33 Prozent. Bei einer begrenzten Vertragslaufzeit bemisst sich der Ertragsanteil dagegen nach § 55 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung. Wer in einem solchem Fall auch im Alter von 47 Jahren berufsunfähig wird und eine BU-Police bis 67 abgeschlossen hat, dessen Ertragsanteil beträgt 21 Prozent. Wenn jemand wie im Beispiel 1.000 Euro monatliche BU-Rente bekommt, dann unterliegen davon also 210 Euro der Einkommensteuer, allerdings nur zu 81 Prozent. Das wären dann im Jahr 2.041 Euro, was übrigens deutlich unter dem aktuellen Jahresfreibetrag von 9.744 Euro läge. Somit wären keinerlei Steuern zu bezahlen.

Wichtig finde ich noch: Wer mit 47 Jahren berufsunfähig wird, muss damit rechnen, eine erheblich geringere Altersrente zu beziehen. Wenn dann die BU-Rente aufgrund der Vertragslaufzeit im Alter von 67 wegfällt, kann es echt schlecht aussehen. Die Alternative wäre eine BU-Police, die eine lebenslange Rentenleistung vorsieht.

procontra: Zum Freibetrag: Wenn ich diesen überschreite, muss ich auf meine BU-Rente selbstständig Steuern abführen beziehungsweise die Leistungen in der Steuererklärung angeben?

Wawro: Die Rentenbesteuerung unterliegt der Einkommensteuer, die Sie in der Steuererklärung angeben müssen, die aber auch automatisch von der Versicherung dem Finanzamt angezeigt wird. Der Einkommensteuer unterliegen sieben Einkunftsarten. Die Renten fallen unter den Begriff der sonstigen Einkünfte, der siebten Einkunftsart im Einkommensteuer-Recht. Die Höhe der Einkommensteuer hängt von der Höhe Ihrer Gesamt-Einkünfte abzüglich der Sonderausgaben oder außergewöhnlichen Belastungen ab.

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