Wann haftet der Dachdecker für den Dachstuhlbrand?

Berater Recht & Haftung Martin Thaler

Bei den Arbeiten an einem Dach war es zu einem Brand gekommen. Der Wohngebäudeversicherer zahlte den Schaden, wollte die Dachdecker jedoch in Regress nehmen. Vor Gericht ging es nun darum, ob die Arbeiter den Schaden fahrlässig verursacht hatten.

Dachstuhlbrand Bild: Adobe Stock/Jamie Hooper

Bei Arbeiten an einem Dach war es zu einem Brand gekommen. Vor Gericht ging es nun darum, ob der Wohngebäudeversicherer die Arbeiter in Regress nehmen konnte. Bild: Adobe Stock/Jamie Hooper

Diese Baumaßnahme hatte sich ein Hausbesitzer in Rheinland-Pfalz sicherlich anders vorgestellt: Bei Schweißarbeiten an seinem Dach hatten die beauftragten Dachdecker einen Brand ausgelöst. Dabei entstand ein Schaden in Höhe von 70.000 Euro.

Nachdem die Wohngebäudeversicherung für den Schaden aufgekommen war, nahm der Versicherer die Dachdecker in Regress. Diese hatten nach Ansicht der Versicherung das Dach weder mit feuerfesten Abdeckungen geschützt, noch in ausreichendem Maße Brandwache gehalten. Der Fall landete vor Gericht.   Vor dem Landgericht Koblenz (Az: 1 O 234/17) scheiterte der Versicherer jedoch mit seiner Klage, da die Richter bei den Dachdeckern weder Fahrlässigkeit noch Vorsatz erkennen konnten.  

Vertragliche Schadenersatzansprüche kamen nicht in Betracht – schließlich hatte der Hausbesitzer die Dachdecker schwarz beschäftigt. Blieb die deliktische Haftung nach Paragraph 823 BGB.

Falsche Ausführungsart der Arbeiten

Zwar war der Brand eindeutig auf die Arbeiten der Dachdecker zurückzuführen – andere Ursachen waren schlicht nicht ersichtlich. Auch entsprach die Ausführung der Arbeiten nicht den allgemeinen Regeln der Technik – die gewählte Ausführungsart gilt nur bei Flachdächern, nicht aber wie im vorliegenden Fall für Spitzdächer als geeignet.  

Allerdings, so befand das Gericht, war die Ausführungsart der Arbeiten zum einen nicht die Ursache des Brandes gewesen. Zum anderen erfolgte sie auf ausdrücklichen Wunsch des Gebäudeinhabers, der selbst berufsbedingt fachkundig war. Und wenn ein Fachkundiger selbst aus Kostengründen eine Abweichung von den anerkannten Regeln der Technik verlangt, könne er sich im Anschluss nicht bei Haftungsfragen auf diese abweichende Haftungsart berufen, erklärte das Gericht mit Verweis auf Paragraph 242 BGB (Leistung nach Treu und Glauben).  

Darüber hinaus konnte das Gericht auch keine Verletzung der Sicherheitsvorschriften erkennen. Die Tatsache, dass es zu einem Brand gekommen war, reiche nicht allein als Nachweis aus. Ein Sachverständiger hatte vor Gericht erklärt, dass ein Brand auch bei Einhalten der Sicherheitsvorschriften nicht mit Sicherheit hätte verhindert werden können.  

Keine Mindestdauer für Brandwache

Der Sachverständige hatte zudem deutlich gemacht, dass die Dachschalung schon durch die bereits vorhandenen alten Dachbahnen sowie die überlappenden Dachschindeln vor der Flamme des Schweißgeräts geschützt war. Einen Fehler bei den vorhandenen Löchern konnte der Sachverständige den Dachdeckern zudem nicht nachweisen. Da die Sicherheitsvorschriften der Berufsgenossenschaft für eine zu haltende Brandwache zudem keine Mindestdauer beinhalten, konnte den Dachdeckern auch hier kein Fehlverhalten nachgewiesen werden.  

Die Klage des Wohngebäudeversicherers wurde entsprechend abgelehnt. Das Urteil ist rechtskräftig.