Vermögensverwaltung: Frauen dringend gesucht

Anne Mareile Walter Investmentfonds

Ein männerdominierendes Image, ein kompetitves Berufsumfeld und die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie – darum sind Frauen in der Vermögensverwaltung immer noch unterrepräsentiert. Aus Sicht von Expertinnen könnten freiwillige Quoten Abhilfe schaffen.

Fonds Bild: Adobe Stock/Fokussiert

Durch freiwillige Quoten könnten mehr Frauen Führungspositionen in der Fondsbranche besetzen. Immer noch beziehen sie meist weniger Gehalt als Männer. Bild: Adobe Stock/Fokussiert

Die meisten Frauen schlagen eine Karriere im Asset Management nur zögerlich ein. Nach der Familiengründung schrauben viele von ihnen den Job zurück – und vor diesem Hintergrund scheint ihnen die Fondsbranche oft nicht der optimale Arbeitgeber zu sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage unter elf Fondsanbietern aus Deutschland und der Schweiz, die je rund ein Viertel des Marktes abdecken. Zum dritten Mal wurde die Studie von der Unternehmensberatung KPMG zusammen mit der Universität Mannheim und dem Karrierenetzwerk Fondsfrauen durchgeführt. Befragt wurden insgesamt 11 Unternehmen aus der Investmentbranche.

Aktuell sind 38 Prozent der in der Investmentbranche Beschäftigen Frauen – die Tendenz ist dabei sogar rückläufig, 2015 waren noch 41 Prozent der Beschäftigten weiblich. Auf höheren Ebenen wird ihr Anteil noch deutlich geringer: In der Geschäftsführung der Fondsbranche sind Frauen nur zu 13 Prozent vertreten.

Problem beginnt beim Besetzen offener Stellen

Aus Sicht der Fondsgesellschaften beginnt das Problem hingegen oft schon beim Besetzen offener Stellen. Gerade einmal ein Viertel (26 Prozent) aller Bewerber waren Frauen – ein Rückgang um sieben Prozentpunkte gegenüber 2017. Die Branche scheint aus Sicht vieler Frauen offenbar alles andere als attraktiv.

Allerdings ist das Bemühen, mehr offene Stellen mit Frauen besetzen zu wollen, der Branche nicht abzusprechen. So waren bei den untersuchten 11 Unternehmen 42 Prozent der Berufsanfänger beziehungsweise Berufsanfängerinnen Frauen. Allerdings dürfte es schwierig werden, diese Quote auszubauen beziehungsweise überhaupt zu halten – es fehlt schlicht und einfach an ausreichend Bewerberinnen. Mit 91 Prozent nannten die befragten Unternehmen als häufigsten Grund für die Nichteistellung von Frauen, dass schlicht keine Bewerberinnen zur Verfügung gestanden hätten. 45 Prozent gaben an, dass bei den vorhandenen Bewerberinnen die nötige Qualifikation gefehlt habe und neun Prozent empfanden die verfügbare Arbeitszeit der Frauen als zu gering.

Haupthemmnis für viele Frauen ist dabei die vermutete Unvereinbarkeit von Beruf und Familie – so fällt die Kindererziehung zu großen Teilen immer noch Frauen zu. So erklärten die befragten Unternehmen, dass nach der Geburt eines Kindes 78 Prozent der beschäftigten Frauen in eine Teilzeitbeschäftigung wechseln, bei Männern waren es gerade einmal fünf Prozent. Entsprechend sind die Unternehmen bemüht, sich familienfreundlicher zu präsentieren. Die Schaffung von Kinderbetreuung im Betrieb, die Ermöglichung von Home-Office oder Job-Sharing-Modellen sind hier nur einige Optionen.

Freiwillige Quoten haben nur wenige Konzerne

In der Befragung trat außerdem zutage: Für die Förderung von Frauen – insbesondere in höheren Führungsunternehmen – setzen die meisten Unternehmen auf "weiche" Maßnahmen, beispielsweise die Schaffung von Frauen-Netzwerken oder die Einstellung von Diversity-Beauftragten. Mit bislang offenbar überschaubarem Erfolg. Bei festen Quotensystemen zeigen die Unternehmen hingegen große Zurückhaltung:  73 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, sich keine freiwillige Frauenquote auferlegt zu haben, nur 27 Prozent hingegen etablierten eine solche Quote.

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