Rechtsstreit: Die fünf größten Risiken für Unternehmen

Hannah Petersohn Berater Versicherungen Panorama

Konflikte im Straßenverkehr gehören seit Jahren zu den häufigsten Rechtsstreitigkeiten für Unternehmen. Doch hat sich im vergangenen Jahr die Rangliste der größten Rechtsrisiken verändert. Nun steht ein anderes Konfliktthema auf dem ersten Platz.

Rechtsstreit: Die fünf größten Risiken für Unternehmen Bild: Adobe Stock/zsv3207

Worin im vergangenen Jahr das größte Risiko für einen Rechtsstreit für Unternehmen bestand, zeigt die aktuelle Auswertung eines Versicherers. Bild: Adobe Stock/zsv3207

Die Corona-Pandemie hat in allen Bereichen des Lebens zu signifikanten Veränderungen geführt. Davon kann auch die Versicherungsbranche ein Lied singen: Ob es um die Zunahme von Cyberattacken im Homeoffice, um die Diskussion von Berufsunfähigkeits-Policen bei Long-Covid-Fällen oder um die juristischen Auseinandersetzungen beim Thema Betriebsschließungen geht – Versicherer und Makler sehen sich gleichermaßen mit einer veränderten Realität und neuen Fragestellungen konfrontiert.

Diese Veränderungen zeigen sich in Gänze bei der Frage, worin das größte Risiko für einen Rechtsstreit für Unternehmen besteht. Waren es in den vergangenen Jahren stets Konflikte im Straßenverkehr, die das meiste Potenzial für juristische Auseinandersetzungen boten, sind es nun Streitigkeiten rund um Verträge, die Unternehmen 2020 in erster Linie beschäftigt haben. Das zeigt eine Auswertung der über 92.000 Leistungsfälle, die der Versicherer Roland Rechtsschutz für Gewerbekunden im Jahr 2020 reguliert hat.

Platz 1: Konflikte um Verträge

Im Zuge der Pandemie kam es immer wieder zu Einschränkungen, durch die Leistungen nicht erbracht werden konnten: Abgesagte Dienstreisen und Veranstaltungen bestimmten den unternehmerischen Alltag. Der Versicherer Roland Rechtsschutz zählte im vergangenen Jahr über 23.200 Fälle rund um Verträge, die es zu regulieren galt. Das sind gut 2.500 mehr Fälle als noch 2019. Zumal für Unternehmen ohnehin immer auch die Gefahr besteht, dass Vertragspartner ihren Teil der Vereinbarung nicht erfüllen oder sie unberechtigte Forderungen abwehren müssen.

Platz 2: Streit im Straßenverkehr

Während des Lockdowns und der damit verbundenen allgemeinen Abwendung von der völlig überholten Präzenzduselei im Büroalltag, nutzten die Menschen zumindest vorübergehend seltener den (Firmen-) Wagen. Die Folge: gut 1.000 Fälle weniger Rechtsstreitigkeiten durch Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung als noch 2019. Mit insgesamt 22.000 Fällen belegen Konflikte im Straßenverkehr den zweiten Platz unter den häufigsten Rechtsstreitigkeiten für Unternehmen. Inwiefern der Trend zu Online-Meetings, flexiblen Arbeitsmodellen und der Fokus auf den Klimaschutz und damit der Verzicht auf Autofahrten anhält, bleibt in einem Land, das gerne einen Schritt vor und dann wieder zwei zurück macht, natürlich abzuwarten.

Platz 3: Arbeitsrechtliche Verfahren

Kündigungen und Vertragsaufhebungen spielten auch in der Pandemie eine Rolle, wenngleich arbeitsrechtliche Konflikte natürlich ohnehin ein Dauerbrenner sind. Der Versicherer Roland Rechtsschutz bearbeitete 2020 über 16.900 Fälle dieser Art. Damit bilden arbeitsrechtliche Konflikte das drittgrößte Rechtsrisiko für Unternehmen.

Platz 4: Auseinandersetzungen um Schadenersatz

Ein Fehler kann passieren, nur sagt sich das so salopp. Stellen Kunden Mängel bei der angebotenen Leistung eines Unternehmens fest oder wurden gekaufte Waren beschädigt geliefert, kann es schnell teuer werden. Im Jahr 2020 regelte die Rechtsschutz-Versicherungs-AG Roland 9.500 Schadenersatzforderungen für Gewerbekunden. Damit sind Konflikte in diesem Bereich das viertgrößte Rechtsrisiko für Unternehmen.

Platz 5: Verfahren um Immobilien

Ob beim Reizthema Mieterhöhungen oder beim Dauerthema Lärmbelästigung: Verfahren rund um Grundstücke und Immobilien liegen mit rund 8.800 Fällen auf dem fünften Platz in der Rangliste der häufigsten Themen für einen Rechtsstreit.

Insgesamt regulierte der Versicherer im Corona-Jahr mehr Fälle für Gewerbekunden als im Vorjahr: 2019 verzeichnete der Versicherer "nur" 86.000 Leistungsfälle und damit 6.000 weniger als 2020.

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