R+V: Unterschiedliche Versicherungstarife für Geimpfte und Ungeimpfte?

Hannah Petersohn Versicherungen Berater Panorama Top News

Bisher hat die R+V Unterschiede beim Versicherungsschutz für Geimpfte und Ungeimpfte ausgeschlossen. Der Grund: die fehlende Impfpflicht. Jetzt zeigt sich Vorstandsvorsitzender Norbert Rollinger offen für die Diskussion.

R+V: Unterschiedliche Tarife für Geimpfte und Ungeimpfte? Bild: Adobe Stock/Macleg

„Als Versicherungsbranche werden wir darüber nachdenken müssen, möglicherweise Tarife nach Impfstatus zu unterscheiden“, sagt R+V-Chef Norbert Rollinger. Bild: Adobe Stock/Macleg

Die Impfquote in Deutschland ist seit Wochen rückläufig. Nur 63 Prozent der Menschen sind hierzulande geimpft, trotz zahlreicher Kampagnen, Offerten und der Drohkulisse eines Lockdowns für Nicht-Geimpfte. Das Impfstoffangebot ist mittlerweile sogar höher als die Nachfrage. Dabei befindet sich Deutschland bereits inmitten der vierten Welle trotz des leicht sinkenden Inzidenzwerts. „Impfverweigerer zeigen ein sozial schädliches Verhalten“, kommentierte R+V-Vorstandsvorsitzender Norbert Rollinger in einem Interview mit dem Newsportal t-online die derzeitige Entwicklung. Er räumte ein, dass zwar auch nachvollziehbare medizinische Gründe gegen eine Impfung sprechen könnten. Dennoch wundere ihn die generelle Impfmüdigkeit der Deutschen.

Auf die Frage, ob Krankenkassen ihre Leistungen für Ungeimpfte kürzen sollten, zeigte sich Rollinger nun offen für die Diskussion: „Wenn jemand wegen Corona auf der Intensivstation landet, ist das deutlich teurer als eine Impfung.“ Die gesamte Gemeinschaft trage dafür die Kosten. Und: Schon heute unterscheiden private Krankenversicherer bei der Tarifeinordnung zwischen Rauchern und Nicht-Rauchern, wodurch die Beiträge für Kunden entsprechend höher oder niedriger werden.

Im August betonte R+V-Pressesprecher Frank Senger auf procontra-Anfrage allerdings noch, dass es sich „bei den aktuellen Corona-Impfungen um sogenannte Schutzimpfungen handelt“, die mit einer vorsorgenden Behandlung gleichzusetzen seien. Daher bestehe für Versicherer grundsätzlich eine Leistungspflicht unabhängig davon, auf welcher Ursache der Versicherungsfall beruht. Eine Ausnahme liege nur dann vor, wenn der Versicherungsfall durch zielgerichtetes Handeln – beispielsweise durch eine absichtliche Übertragung der Krankheit – herbeigeführt wurde. Daher würden die vertraglich vereinbarten Leistungsverpflichtungen auch für Ungeimpfte nicht eingeschränkt werden noch seien Regressansprüche möglich.

„Tarife nach Impfstatus unterscheiden“

In diesen Punkten macht die R+V nun also eine Kehrtwende: „Als Versicherungsbranche werden wir früher oder später darüber nachdenken müssen, möglicherweise Tarife nach Impfstatus zu unterscheiden“, so der R+V-Vorstandsvorsitzende. Wann das der Fall sein werde, hänge davon ab, „wie lange sich die schweigende Mehrheit der Geimpften von den hartnäckigen Impfverweigerern noch auf der Nase herumtanzen lässt“, so Rollinger.

Das anhaltende Thema Pandemie lenke zudem von anderen wichtigen Themen wie Klimakrise, Altersvorsorge und Digitalisierung ab. Einen erneuten Lockdown hält Rollinger für unrealistisch. „Die Menschen, die sich impfen lassen, werden es nicht mehr hinnehmen, dass wir das Land wieder lahmlegen. Es gibt ein Mittel gegen die Pandemie: die Corona-Impfung.“

Dass allerdings nach wie vor Kleinkinder nicht geimpft werden und damit das Virus auch weiterhin innerhalb der Gesellschaft zirkulieren kann, auf diese Weise neue Mutationen entstehen gegen die Impfstoffe resistent werden könnten, lässt Rollinger außer vor. Die möglichen Langzeitfolgen von einer Covid-19-Erkrankung bei Kindern thematisiert der R+V-Chef ebenfalls nicht.

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