Private Rentenversicherung stellt bAV in den Schatten

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt

Der Staat fördert die Altersvorsorge auf vielfältige Art und Weise – doch welcher Weg ist der effektivste für Kunden? Dieser Frage ging nun das Deutsche Institut für Altersvorsorge nach. Das Ergebnis: Die betriebliche Altersversorgung ist oftmals nicht besonders lohnenswert.

Altersvorsorge Bild: Adobe Stock/Thomas Reimer

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge hat untersucht, welche Form der geförderten Altersvorsorge am effektivsten ist. Bild: Adobe Stock/Thomas Reimer

Wer für seine Altersvorsorge sparen möchte und dabei auf Unterstützung seitens Vater Staat setzt, dem steht ein breites Angebot zur Verfügung: Förderung erfährt er nicht nur im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung über die Ersparnis von Steuer- und Sozialabgaben, sondern auch bei der Basis- (Beiträge steuerlich absetzbar) und Riester-Rente (Zulagenzahlungen und steuerliche Absetzbarkeit) greift der Staat mit unter die Arme. Zusätzlich kann jeder Sparer auch eine private Rentenversicherung abschließen, bei der der Staat keine Abgeltungssteuer auf die Erträge erhebt.  

Die Vielzahl der bestehenden Förderwege mit jeweils unterschiedlichen Förderkreisen, Steuerlasten und Kosten ist jedoch für viele Sparer eher Fluch als Segen. „Viele Sparer sind massiv verunsichert“, behauptet Alberto del Pozo, Geschäftsführer von myPension. Doch anstatt dass die Politik das Thema adressiere, spiele es ihm Wahlkampf nur eine untergeordnete Rolle – auf dem ersten Triell der Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl wurde das Thema in nicht einmal einer halben Minuten abgehandelt.  

Das Frankfurter Insurtech hat aus diesem Grund zusammen mit dem Deutschen Institut für Altersvorsorge und der V.E.R.S. Leipzig GmbH die unterschiedlichen Förderwege unter die Lupe genommen und anhand von fünf Musterfällen errechnet, bei welchem Förderweg „am Ende am meisten netto herauskommt“, so del Pozo. „Schließlich haben die meisten Sparer nur das Geld für einen Förderweg.“ Entscheidend sei folglich, die beste Lösung für den jeweiligen Kunden zu finden.  

Ertrag steht nicht immer im Verhältnis zur Förderung

Eine wichtige Erkenntnis der Studie: Obwohl der staatliche Förderaufwand enorm ist, steht der erzielte Ertrag zum Teil in keinem adäquaten Verhältnis. So schneidet beim Musterfall einer durchschnittlich verdienenden Familie mit zwei Kindern beispielsweise die betriebliche Altersversorgung (Direktversicherung, Entgeltumwandlung ohne zusätzliche Förderung seitens des Arbeitsgebers) deutlich schlechter ab als eine private Rentenversicherung. Trotz geringerem privaten Sparbeitrag erzielte die Beispielfamilie mit einer privaten Rentenversicherung deutlich höhere Nettorenten im Alter – ein Plus von 86,46 Prozent im Vergleich zur Nettorente, die mittels betrieblicher Altersversorgung zu erzielen war.  

Als Gründe hierfür machten die Prüfer vor allem die im Vergleich hohe Besteuerung der Betriebsrenten sowie die Einbußen bei der gesetzlichen Rentenversicherung fest. „Diese beiden Faktoren und die wegen der vorgeschriebenen Beitragsgarantie konservative Kapitalanlage der Direktversicherung führen dazu, dass trotz der bevorzugten Förderung in der Ansparphase die betriebliche Rente in allen betrachteten Musterfällen beim Vergleich unterliegt“, heißt es von den Studienautoren.  

Die perfekte Altersvorsorgeform für alle gibt es jedoch nicht: Entscheidend sei stattdessen stets der jeweilige Einzelfall. Während die Riester-Rente für Geringverdiener eindeutig die effizienteste Altersversorgung darstellte, schnitt in den anderen vier untersuchten Musterfällen die private Rentenversicherung besser ab. Die Basisrente wiederum erwies sich für Selbstständige und für Sparer mit hohem persönlichen Steuersatz als beste Option – dafür müssen Sparer jedoch beträchtliche Einschränkungen bei der Flexibilität des Produkts in Kauf nehmen.

Überraschend effektiv erweist sich hingegen die private Rentenversicherung, die von Seiten des Staats vermeintlich am wenigsten gefördert wird. In der Mehrzahl der angestellten Musterberechnungen führte die private Rentenversicherung zu einer höheren Nettorente als die Alternativen. Als Gründe hierfür machten die Studienautoren die niedrige Ertragsanteilbesteuerung aus. Zudem könne mittels privater Rentenversicherung – zumindest bei Fondspolicen – das angesparte Kapital in der Ansparphase wesentlich freier angelegt werden.

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