Negativzinsen: Immer mehr Kleinsparer werden zur Kasse gebeten

Anne Mareile Walter Berater Investmentfonds

Nach einer aktuellen Auswertung ist im dritten Quartal die Zahl der Kreditinstitute, die Verwahrentgelte verhängen, weiter gestiegen. Zudem verschärfen sich die Konditionen: Schon ab 5.000 Euro müssen Kontoinhaber Negativzinsen bezahlen.

Verivox Bild: Adobe Stock/guruXOX

392 Kreditinstitute verlangten Ende des dritten Quartals Negativzinsen von ihren Kunden. Dabei verschärften einige Banken ihre Bedingungen. Bild: Adobe Stock/guruXOX

Immer mehr Banken und Sparkassen verlangen von ihren Kunden Verwahrentgelte: Ende des dritten Quartals zählte das Vergleichsportal Verivox insgesamt 392 Institute. Damit sind seit Jahresbeginn 214 Geldhäuser hinzugekommen, in den vergangenen drei Monaten stieg die Zahl um 43 Banken. Für die Analyse wertete das Vergleichsportal die auf den Internetseiten ausgewiesenen Konditionen von 1.300 Banken und Sparkassen aus. Dabei gelten die Negativzinsen sowohl für private Tagesgeld-, wie auch für Giro- oder Verrechnungskonten. Das Verbraucherportal Biallo.de kam zuletzt auf rund 490 Institute, die Verwahrentgelte berechnen.   

Kein Ende des Negativzins-Trends in Sicht

„Wir sehen nach wie vor eine große Dynamik bei Negativzinsen, doch während im ersten Halbjahr nahezu täglich neue Banken Verwahrentgelte einführten, hat sich diese Entwicklung momentan etwas verlangsamt“, erklärt Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier. Ein Ende des Negativzins-Trends sei aber nicht in Sicht. 30 Kreditinstitute verschärften im dritten Quartal sogar ihre bestehenden Regelungen – 68 seit Jahresbeginn. Sie senkten entweder den Zins noch tiefer ins Minus oder reduzierten die Freibeträge, so dass Negativzinsen schon auf geringere Guthaben fällig wurden. 135 Banken berechnen die Zinsen ab einem Gesamtguthaben von 50.000 Euro oder weniger. Einige Institute veranschlagen sie bereits ab 5.000 oder 10.000 Euro. Lange Zeit wurden die Verwahrentgelte nur auf hohe Summen ab 100.000 Euro erhoben.  

Die meisten Banken und Sparkassen orientieren sich bei der Höhe des Verwahrentgeltes an dem Zins von 0,5 Prozent, den sie seit 2014 auf einen Teil ihrer überschüssigen Einlagen zahlen müssen, die sie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. 13 Banken gehen laut der Verivox-Erhebung über diesen Zinssatz hinaus und belasten das Guthaben ihrer Kunden mit 0,55 bis 1 Prozent Strafzinsen. Nicht immer sind dabei die Negativzinsen auch als solche ausgewiesen. 21 Banken und Sparkassen geben an, eine Gebühr für das sonst kostenfrei geführte Tagesgeldkonto zu berechnen.  

Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank dürfte sich durch die Verwahrentgelte der Zinsaufwand der heimischen Geldhäuser im Einlagengeschäft zwischen Ende 2019 und Ende 2020 um rund 1,3 Milliarden Euro reduziert haben. Betroffen sind von den Negativzinsen in erster Linie Neukunden. Wenn Banken von Bestandskunden Verwahrentgelte verlangen wollen, müssen sie das mit den Betroffenen individuell vereinbaren. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hält Negativzinsen auf Giro- und Tagesgeldkonten grundsätzlich für unzulässig – unabhängig davon, ob es sich um Neu- oder Bestandskunden handelt. 

Bund greift nicht in die Gebührengestaltung ein

Seitens der Bundesregierung dürfen Sparer indes keine Schützenhilfe erwarten: Eine entsprechende kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken hatte der Bund Ende August ablehnend beantwortet und seine Haltung damit erklärt, dass Eingriffe in die Gebührengestaltung der Banken nur in begründeten Ausnahmefällen vorgenommen werden – beispielsweise bei Vorliegen von Marktversagen oder der Konzentration von Marktmacht bei Monopolen. In Bezug auf die Verwahrentgelte der Kreditinstitute seien solche Konstellationen aber nicht erkennbar. Und: Kleinsparer hätten weiterhin Einlageoptionen ohne Negativzinsen – allerdings werden diese immer weniger.

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