Nachhaltige BU-Versicherung: „Grüne Tupfer“

Berufsunfähigkeit Berater Versicherungen von SABINE GROTH

Mit der wachsenden Bedeutung von Nachhaltigkeit erreicht das Thema auch so langsam die BU-Versicherungen. Ein grüner Anstrich kann hier aber nur ein Zusatzplus sein, bei der Tarifauswahl haben andere Aspekte Vorrang.

Nachhaltige BU-Versicherung. Bild: Adobe Stock/Xenia

Mit etwas Kreativität lässt sich eine grüne BU zusammenstellen. Allerdings hat das einen Haken. Bild: Adobe Stock/Xenia

Das zunehmende Umweltbewusstsein und vor allem die zunehmende Regulierung machen Nachhaltigkeit zu dem Thema schlechthin in der Finanzwelt. Davor können auch Versicherer als institutionelle Investoren nicht die Augen verschließen. „Versicherungen werden grüner werden“, ist GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen überzeugt.

In einem Positionspapier hat sich die deutsche Assekuranz dazu verpflichtet, bis 2025 ihre Bürogebäude und Infrastruktur CO2-neutral auszurichten und ökologische und soziale Kriterien sowie Aspekte guter Unternehmensführung, kurz ESG, in die Zeichnungsrichtlinien zu integrieren. Bis spätestens 2050 sollen die Unternehmen das Geld ihrer Kunden insgesamt klimaneutral anlegen. Das betrifft immerhin Kapitalanlagen von derzeit 1,7 Billionen Euro.

Insbesondere bei Altersvorsorge-Produkten hat Nachhaltigkeit schon Einzug gehalten. In den Produktpaletten der Fondspolicen-Anbieter gehören nachhaltige Fonds schon fast zum Standard. Aber wie sieht es eigentlich mit Nachhaltigkeit bei der Absicherung der Arbeitskraft aus? Gibt es grüne BU-Tarife?

Passender sticht grüner Tarif

Eine BU ist zuallererst eine Risikoversicherung. Sprich: Die Beiträge werden zur Deckung des Risikos benötigt und wandern weitgehend in die Sicherungsvermögen – und die sind ja gerade erst im langfristigen Umbau zu mehr Nachhaltigkeit. Etwas anders sieht es bei der Investment-BU aus. Hier werden die Überschüsse nicht verrechnet. Der Kunde zahlt also nicht den Netto-, sondern den Bruttobeitrag und die Differenz daraus wird investiert, in der Regel in Fonds – und hier könnten nachhaltige Fonds gewählt werden.

Der Ecoanlageberater Henning Schmidt vom Oldenburger Makler Schnitger hat Anfang des Jahres geprüft, ob das so einfach umsetzbar ist. Dazu hat er einen realen Beratungsfall gewählt und unterstellt, dass der 24-jährige Kunde eine grüne Anlage nachgefragt hat. „Bei einer BU ist es vorrangig den passenden Tarif zu finden, erst dann kommt der grüne Anstrich. Daher habe ich klassisch auf Basis der Berufs- und der Gesundheitsangaben passende BU-Tarife für den Kunden ausgewählt, und dann geschaut, wie das jeweilige Fondsangebot aussieht“, erklärt Schmidt.

Im Ergebnis kamen fünf Anbieter mit Investment-BUs preislich infrage. Zwei davon hatten allerdings keine nachhaltigen Fonds im Angebot. „Viele Versicherer bieten in der BU eine reduziertere Fondsauswahl an als für Fondspolicen“, sagt Schmidt.

Risikoabsicherung und Geldanlage trennen

Mit etwas Bastelfreude lässt sich also eine grüne BU zusammenstellen. Allerdings mit einem Haken. „Selbst wenn die Überschüsse in grüne Fonds fließen, fließt ein meist größerer Teil in das Sicherungsvermögen. Wir reden hier also nur von grünen Tupfern“, sagt Schmidt. Zudem hält er eine Investment-BU für die meisten seiner Kunden für das falsche Produkt: „Gerade bei einer ganzheitlichen Beratung ist es in der Regel sinnvoller, Risikoabsicherung und Geldanlage zu trennen.“

Erste Versicherer schlagen aber auch neben der Investment-BU andere Wege in Richtung Nachhaltigkeit ein. Im Frühjahr präsentierte Helvetia die Clever Select BU auf Fondsbasis, bei der zumindest ein Teil der Beiträge in Fonds fließt. Kunden können zwischen drei Anlagevarianten wählen, darunter ein Korb aus nachhaltigen Fonds. Bei der BU4Future der Nürnberger erfolgt die Kapitalanlage in Höhe der Deckungsrückstellung seit einigen Monaten mit besonderem Fokus auf Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung – aktuell mittels nachhaltiger globaler Aktienfonds. Das dürften nicht die letzten Angebote in der Richtung gewesen sein.