Macht die DAX-Reform den Leitindex krisenfester?

Anne Mareile Walter Investmentfonds Top News

 

Philipp Vorndran (Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch): Contra DAX-Reform

Der DAX hat mittlerweile 40 statt 30 Mitglieder. Ob ihn das 'besser', weil 'robuster' macht, wurden wir in den vergangenen Monaten oft gefragt, auch von unseren Freunden in Spanien oder Italien. Weil der DAX die deutsche Wirtschaft nun viel besser abbilde als zuvor, so das Argument.

Tut er das wirklich? Er tut es nicht. Er täte es vermutlich auch nicht, wenn er aus 50 oder 60 Unternehmen bestehen würde. Weil das Rückgrat, wie es immer so schön heißt, in Deutschland der Mittelstand ist. Viele mittelständische Unternehmen, darunter auch der eine oder andere Weltmarktführer, sind aber nicht börsennotiert. Ich würde mich als Anleger überhaupt davon lösen, die deutsche Wirtschaft abbilden zu wollen. Warum sollte es sinnvoll sein, sich bei der Auswahl seiner Anlagen derart einzuschränken? Nicht zu vergessen das dahinterliegende Risiko. Was meine ich damit?

Wer in Deutschland lebt, dort Einkommen bezieht, eine Wohnung oder ein Häuschen hat, das er abbezahlt, sollte sich fragen, ob es sinnvoll ist, sich auch noch bei den Investments auf die Heimat zu versteifen. Oder nicht auch gefährlich. Das klassische Klumpenrisiko. Ein vorausschauender Anleger stellt sein Vermögen stattdessen breit auf, weil er einsieht, nicht alles wissen zu können, und weil die Welt sich stetig wandelt, Strukturen brechen. Breit aufstellen heißt nach unserem Verständnis: nicht nur verschiedene Anlageklassen und Einzeltitel, sondern eben auch verschiedene Währungsräume. In globalen Unternehmen denken, nicht in Heimatindizes. So lassen sich Risiken reduzieren.

Weg vom eigenen Kirchturm, über die Ortsgrenzen hinaus. Wer sich dabei unbedingt an einem Index orientieren möchte, sollte sich zumindest einen aussuchen, der die Weltwirtschaft einigermaßen gut abbildet. Den MSCI Weltaktienindex beispielsweise oder den amerikanischen S&P 500. Beide beinhalten auch die großen US-Tech-Konzerne. Konzerne, wie es sie in Europa nicht gibt, schon gar nicht in Deutschland. Der DAX dagegen ist wie ein Optionsschein auf China – viel zu sehr abhängig von der Weltkonjunktur.

Das zeigt im Übrigen auch die unterdurchschnittliche Wertentwicklung in den vergangenen Jahren. Das fällt nur deshalb nicht so auf, weil der DAX als Performance-Index konstruiert ist, die Dividenden also – anders als bei fast allen anderen großen Indizes – mit in die Berechnung einfließen. Rechnet man die raus, bleibt nicht allzu viel unter dem Strich stehen. Dummerweise sehen viele Anleger genau darin den vermeintlichen Reiz: Weil der DAX im Vergleich zu anderen Indizes über viele Jahre eher mäßig abgeschnitten hat, vorsichtig ausgedrückt, habe er nach vorne schauend umso mehr Potenzial. Aufholpotenzial. Wir sehen das anders. Die Wertentwicklung ist das Ergebnis struktureller Probleme. Nicht mehr, nicht weniger.

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