Leistungsdynamik in der BU: Wann macht sie Sinn – und wann nicht?

René Weihrauch Berufsunfähigkeit Berater

Durch die Leistungsdynamik in der Berufsunfähigkeitsversicherung erhöht sich die BU-Rente auch dann, wenn der Leistungsfall bereits eingetreten ist. Wann ist eine solche Klausel geboten – und wann nicht? Fragen an Marco Niedermaier, Makler und Inhaber von buXperts.

Marco Niedermaier. Bild: Privat

Nicht immer sind Leistungsdynamiken das Mittel der Wahl. Wann sie Sinn machen und wann nicht, erklärt BU-Experte Marco Niedermaier. Bild: Privat

procontra: Herr Niedermaier, auf eine regelmäßige Erhöhung der BU-Rente aus Überschüssen können Versicherte sich immer weniger verlassen. Ist die garantierte Leistungsdynamik als Zusatzbaustein also unverzichtbar?

Marco Niedermaier: Vielleicht erst einmal kurz zur Begriffsklärung: Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen Beitrags- und Leistungsdynamik. Die Beitragsdynamik greift, solange Beiträge gezahlt werden. Beiträge und Rentenanspruch steigen damit von Jahr zu Jahr, um Gehaltssteigerungen mitzuversichern, aber auch als Inflationsausgleich.

Die Leistungsdynamik stellt dies sicher ab dem Zeitpunkt, an dem die Berufsunfähigkeit eintritt. Hier unterscheiden wir wiederum zwischen einer Dynamik aus nicht garantierten Überschüssen, die zurzeit bei durchschnittlich rund 1,5 Prozent liegt. Die zusätzliche, garantierte Leistungsdynamik kann eine Rentensteigerung von einem, zwei oder drei Prozent sichern. Im Hinblick auf die Inflation oder zu erwartende Karrierefortschritte ist dieser Zusatzbaustein also grundsätzlich sinnvoll.

procontra: Das klingt, als folge jetzt ein „Aber…“.

Niedermaier: Nicht unbedingt. Die Leistungsdynamik lohnt sich vor allem dann, wenn der oder die Versicherte besonders lange berufsunfähig ist. Bei einer vereinbarten dreiprozentigen Erhöhung, hat sich die Rentenhöhe nach 25 Jahren verdoppelt. Bei zwei Prozent ist das nach 37 Jahren der Fall. Die entscheidende Frage lautet – und jetzt kommt das „Aber“: Was kostet die zusätzliche Leistungsdynamik den Kunden?

procontra: In Ihrem Blog schreiben Sie in diesem Zusammenhang, es könne sinnvoller sein, den Kunden von einer möglichst hohen BU-Rente zu überzeugen, anstatt die Leistungsdynamik zu einer geringen Rente hinzu zu buchen. Können Sie das näher erläutern?

Niedermaier: Häufig wird eine viel zu geringe BU-Rente abgeschlossen. Sie liegt oft bei etwa 1.000 Euro, das deckt den tatsächlichen Bedarf meist nicht. Jetzt muss ich vergleichen: Was kostet die Leistungsdynamik, was eine höhere BU-Rente?

Zum Hintergrund: Bei einem Prozent Leistungsdynamik steigen die Beiträge im Schnitt um fünf bis acht Prozent, je nach Alter des Kunden beim Vertragsabschluss. Je jünger, desto höher sind die Kosten. Wenn eine Leistungsdynamik von einem Prozent fünf Prozent mehr Beitrag kostet, könnte ja auch beim Vertragsabschluss gleich fünf Prozent mehr BU-Rente vereinbaren. Auch das würde fünf Prozent höhere Beiträge bedeuten. Interessant ist nun, zu vergleichen, wie die weitere Entwicklung bei diesen beiden Varianten ist. Ich gebe dazu immer gern folgendes Rechenbeispiel:

Fall 1: Wir haben eine BU-Rente von 1.000 Euro mit einer Leistungsdynamik von einem Prozent.

Fall 2: Die BU-Rente beträgt 1.050 Euro, die über die gesamte Vertragslaufzeit konstant bleibt.

Die Beiträge sind in beiden Fällen gleich. Schaut man nun auf die Höhe der jährlichen Rente, so übertrifft Variante 1 die zweite Variante erstmals nach sechs Jahren Berufsunfähigkeit. Nimmt man aber die Summe der insgesamt ausgezahlten Rente, also das, was der Kunden unterm Strich auf dem Konto hat, dann tritt dieser Fall erst nach elf Jahren ein.

procontra: Das bedeutet?

Niedermaier: Statistisch gesehen dauert eine Berufsunfähigkeit im Durchschnitt zwischen vier und sechs Jahren. In den meisten Fällen ist also die Versicherung ohne Leistungsdynamik für den Kunden günstiger. Das gilt allerdings nur, solange die Höchstgrenze der BU-Rente noch nicht erreicht ist. Und natürlich kann niemand voraussehen, wie lange im Leistungsfall die Berufsunfähigkeit tatsächlich dauert.

procontra: Wann sollten Makler also die Leistungsdynamik als Zusatzbaustein empfehlen?

Niedermaier: Man sollte auf jeden Fall darauf hinweisen, dass zum einen eine überdurchschnittlich lange Berufsunfähigkeit eintreten kann, und dass zum anderen die Rentenerhöhung durch Überschüsse wegfallen kann. Trifft beides ein, steht der Versicherte ohne den Baustein Leistungsdynamik schlecht da. Bei Versicherern, die ohnehin keine Überschussbeteiligung anbieten, ist die Leistungsdynamik immer ratsam. Und Kunden, die eine möglichst hohe Absicherung wünschen, können diesen Baustein ebenfalls noch „draufpacken“. Letztlich muss der Kunde selbst entscheiden, ob er die Kosten dafür tragen möchte. Wir als Makler können nur anbieten – und möglichst gut beraten.

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