Immobilienfinanzierung: Online-Beratung mit vielen Schwachstellen

Anne Mareile Walter Berater Sachwerte

Wenn es um Fragen zur Eigenheimfinanzierung geht, informieren viele Kreditinstitute auf digitalem Wege bislang nur lückenhaft. Laut einer aktuellen Studie findet eine individuelle Beratung online selten statt.

Beratung Bild: Adobe Stock/agenturfotografin

Die Online-Beratung zur Immobilienfinanzierung bleibt noch weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Empfehlungen werden darüber kaum ausgesprochen. Bild: Adobe Stock/agenturfotografin

Individuelle Bedürfnisse kommen zu kurz – stattdessen liegt der Fokus auf Terminvereinbarungen und Konditionen, für die Standardparameter herangezogen wurden: Was die Online-Beratung rund um den Immobilienerwerb angeht, gibt es offenbar noch etliche Schwachstellen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, für die die Unternehmensberatung Cofinpro 17 Vergleichsportale, Filial- und Direktbanken einem Praxistest unterzogen hat. Dabei wurden die Webseiten der Anbieter von Baufinanzierungen miteinander verglichen. Als Berechnungsgrundlage wurde die Beispielrechnung einer Musterfamilie benutzt, die ein Haus auf dem Land kaufen will.   

Chat-Dienste und Videos haben sich noch nicht durchgesetzt

„Auf den Baufinanzierungs-Webseiten wird der Nutzer nur in den seltensten Fällen geführt und umfassend beraten", resümiert Cofinpro-Manager Alexander Christau. Wichtige Informationen müssten Nutzer selbst zusammentragen, Bedürfnisse bezüglich der eigenen Lebenssituation würden in den online angebotenen Beratungsstrecken „kaum Beachtung finden“. Ebenso haben sich Videos, Chat-Dienste und Chatbots in der digitalen Beratung offenbar noch nicht durchgesetzt. Auch ergänzende Dienstleistungen, die über die Finanzierung hinausgehen, würden kaum angeboten.  

Ein weiterer Unterschied im Vergleich zum Vor-Ort-Beratungsgespräch: Die normalerweise zum Standard einer Baufinanzierung gehörenden Darlehen und Zuschüsse würden online bis auf eine Ausnahme nicht berücksichtigt. Stattdessen stehen nur klassische Bankdarlehen im Vordergrund – über Features, wie Tilgungsänderungen, oder nachhaltige Produkte werde online meist nicht informiert. Ein umfassender Vergleich der Finanzierungsanbieter sei laut den Studienautoren daher nicht möglich. „Der Kunde bekommt keinen Eindruck davon, welche seiner Bedürfnisse von welchem Finanzierungspartner am besten abgedeckt werden", sagt Christau.   

In digitaler Beratung schlummert großes Potenzial

Weniger als die Hälfte der untersuchten Institute bietet den Nutzern weiterführende Informationen an, beispielsweise Checklisten, Infoblätter, Leitfäden oder Ratgeber. Nachdem das Kreditinstitut die notwendigen Finanzierungsinformationen vom Kunden abgefragt und analysiert hat, endet die Online-Beratung in den meisten Fällen, nur wenige Institute bieten dem Nutzer weitere Hinweise an oder sprechen Empfehlungen aus. Dabei schlummere in der digitalen Beratung großes Potenzial. „Die Finanzinstitute könnten sich von den großen Vermittler-Plattformen positiv abheben und ihre Beratungsleistung im Internet stärken“, sagt Cristau. Zudem sei es über die digitale Einbindung eines menschlichen Beraters möglich, „knappe Ressourcen besser gezielter einzusetzen". 

Dabei setzen viele Makler auf das Thema Immobilienfinanzierung. So nahmen an der procontra-Umfrage „Maklers Lieblinge“ 31,2 Prozent von insgesamt 1.022 Maklern teil, die ausschließlich oder zusätzlich eine Immobilienmakler- beziehungsweise Darlehens-Vermittlererlaubnis besitzen.  

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