„Große Firmen stehen besser da als 2020“

Investmentfonds Unternehmen von Heike Gorres

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Sars-CoV-2-Virus haben zahlreiche Firmen schwer getroffen und zu Auswirkungen auf Unternehmensanleihen geführt. Portfolio Managerin Maria Stäheli über das Ausfallrisiko von Firmen in Industrie- und Schwellenländern

Große Firmen stehen besser da als 2020, sagt Maria Stäheli Bild: Fisch Asset Management

"Die Frage ist, inwieweit Regierungen staatsnahe Unternehmen, die in Schieflage geraten sind, noch stützen werden", sagt Maria Stäheli, Senior Portfolio Manager bei der Vermögensverwaltung Fisch Asset Management Bild: Fisch Asset Management

procontra: Die einschränkenden Maßnahmen zur versuchten Eindämmung des Sars-CoV-2-Virus haben zahlreiche Firmen schwer getroffen und zu Herabstufungen und Ausfällen von Unternehmensanleihen geführt. Wie schätzen Sie das Ausfallrisiko heute, Stand August ein?

Maria Stäheli: Die Ausfallraten dürften in diesem Jahr insgesamt deutlich niedriger liegen als im vergangenen Jahr. Die USA hatten 2020 im High-Yield-Bereich mit einer Rate von 6,8 Prozent die meisten Ausfälle verzeichnet, wobei die Ausfallraten insgesamt deutlich unter den Erwartungen geblieben sind. Die Erholung in den USA ist bisher sehr stark – und die Ausfallrate im laufenden Jahr von 0,3 Prozent bis Jahresmitte liegt deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt des US-High-Yield-Segments.

procontra:  Wie ist die Situation in Europa?

Stäheli: Europäische High Yields in Euro haben 2020 mit einer Ausfallrate von 3,3 Prozent deutlich weniger Ausfälle verzeichnet als US-Hochzinsanleihen. Das hängt auch mit der Marktzusammensetzung zusammen. Europa hat zum Beispiel einen höheren Anteil von High-Yield-Anleihen mit besserer Qualität. Zudem sind weniger Energieunternehmen enthalten, die aufgrund der Einschränkungen und dem daraus folgenden Ölpreisverfall besonders hart getroffen wurden. Der Markt erholt sich jedoch auch etwas langsamer. Im laufenden Jahr liegt die Ausfallrate bei 0,8 Prozent.

procontra: Wie ist Ihre Einschätzung in den Schwellenländern?

Stäheli: Die Unternehmen haben im Schnitt eine geringere Verschuldung als die Firmen in den entwickelten Ländern. Zudem zieht auch dort die Wirtschaft wieder an. Beides zusammen ist sehr positiv für die Unternehmen, die Ausfallrate dürfte daher ebenfalls niedriger sein als 2020. Die Regionen sind allerdings sehr unterschiedlich. In den Emerging Markets insgesamt lagen die Ausfälle 2020 bei überschaubaren 3,5 Prozent, wobei sie in Lateinamerika mit 4,4 Prozent am höchsten waren. Im laufenden Jahr bis zur Jahresmitte gab es mit einer Rate von 1,6 Prozent relativ wenig Ausfälle. Der „Swing Factor“ für das zweite Halbjahr 2021 ist Asien: Dort sind einige Emittenten aus dem Finanz- und Immobiliensektor in den vergangenen Monaten in Schieflage geraten.

procontra:  Das bedeutet?

Stäheli: Eine Frage ist, inwieweit Regierungen staatsnahe Unternehmen, die in Schieflage geraten sind, noch stützen werden. Bis vor kurzem hat China zum Beispiel solchen Unternehmen meist geholfen. Die Haltung der Regierung beginnt sich allerdings zu ändern. Nun kann es passieren, dass ein solches Unternehmen, das sich der Hilfe des Staates sicher wähnte, keine solche Hilfe mehr bekommt. Insgesamt aber stehen die großen Firmen, die Anleihen in Hartwährung begeben, deutlich besser da als vor einem Jahr.

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