Gewerkschaft bezieht Stellung gegen Bürgerversicherung

Martin Thaler Versicherungen

Mehrere Parteien werben auch bei dieser Bundestagswahl mit der Einführung einer Bürgerversicherung um Wählerstimmen. Hiergegen bezieht nun die Neue Assekuranz Gewerkschaft Stellung.

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Die NAG spricht sich klar gegen die Einführung einer Bürgerversicherung aus. Bild: Adobe Stock/Rick

Es ist die Aufholjagd, über die Deutschland derzeit wohl am meisten redet: Bei der Wahl zum kommenden Bundestag liegt die Anfang des Jahres noch unter „ferner liefen“ laufende SPD mittlerweile an der Spitze der meisten Wahlumfragen und hat die zu Beginn des Jahres noch dominierenden Grünen sowie CDU/CSU auf die hinteren Plätze verwiesen.  

Natürlich handelt es sich bei Meinungsumfragen um eine bloße Momentaufnahme, an der sich bis Ende des Monats noch einiges ändern kann. Allerdings scheint die derzeitige Entwicklung in der Versicherungsbranche doch für eine gewisse Unruhe zu sorgen.  

Verteidigung des dualen Systems

So meldet sich nun die Neue Assekuranz Gewerkschaft (NAG) mit einer Pressemitteilung zu Wort. Eine klare Wahlempfehlung möchte die NAG in dieser zwar nicht direkt aussprechen, indirekt aber schon. So weist die Gewerkschaft nachdrücklich darauf hin, dass mehrere Parteien – zu nennen sind hier SPD, Linke und Grüne – für die Einführung einer Bürgerversicherung im Gesundheitssystem eintreten.  

Aus Sicht der NAG beschreiten die besagten Parteien mit ihrer Bürgerversicherungs-Forderung jedoch einen Irrweg, schließlich habe sich das bestehende duale System doch bewiesen. „Das duale Gesundheitssystem mit gesetzlicher und privater Krankenversicherung hat seine Stärke in der Corona-Krise bewiesen“, sagt NAG-Vorsitzende Gaby Mücke. Profitieren vom dualen System würden nicht nur die Privatversicherten.

„Denn die PKV stärkt die Versorgungs- und Infrastrukturen in Deutschland und begünstigt medizinische Innovationen. Von dem Mehrwert, den die Ärzte bei Privatversicherten erwirtschaften, profitieren auch die gesetzlich Versicherten“, so Mücke.  

Unterschiedliche Konzepte

Die Befürworter einer Bürgerversicherung argumentieren hingegen, dass mit deren Einführung die jetzige Zweiklassen-Medizin abgeschafft werde und beziehen sich dabei zumeist darauf, dass gesetzlich Versicherte oftmals längere Wartezeit als Privatpatienten auf sich nehmen müssen, um einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen. Zudem würde mit der Schaffung einer Bürgerversicherung der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen belebt, behaupten deren Befürworter. Bemängelt wird dabei häufig, dass insbesondere Bestandskunden privater Krankenversicherer aufgrund obligatorischer Gesundheitsprüfungen und der Schwierigkeit, Altersrückstellungen zu übertragen, praktisch keinerlei Wechselmöglichkeiten hätten. 

Was aus der privaten Krankenversicherung werden soll, ist je nach Bürgerversicherungs-Konzept der einzelnen Parteien unterschiedlich. Während Linke und SPD die privaten Versicherer auf den Vertrieb von Zusatzversicherungen limitieren wollten, sprachen sich die Grünen in einem Anfang des Jahres veröffentlichten Fraktionsbeschluss dafür aus, dass die PKV auch nach Einführung einer Bürgerversicherung weiter Bestand haben solle. Der PKV-Verband lehnte jedoch beide Varianten ab und verwies – wie jetzt auch die NAG – auf die Leistungsstärke des bestehenden Systems.

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