GDV: Renteninformation soll Lebenserwartung beinhalten

Florian Burghardt Berater Versicherungen

Laut einer Umfrage schätzen viele Deutsche ihre Lebenserwartung als zu gering ein und damit auch ihre Rentenbezugsdauer. Damit aus dieser Annahme keine Altersvorsorgelücke entsteht, will der GDV Einfluss auf die säulenübergreifende Renteninformation nehmen.

Um eine Altersvorsorgelücke zu vermeiden, fordert der GDV die Integration der Lebenserwartung in die säulenübergreifende Renteninformation. Bild: Adobe Stock/Ramona Heim

Um eine Altersvorsorgelücke zu vermeiden, fordert der GDV die Integration der Lebenserwartung in die säulenübergreifende Renteninformation. Bild: Adobe Stock/Ramona Heim

Im Herbst 2023 soll es soweit sein: Dann sollen die Bürgerinnen und Bürger online im säulenübergreifenden Renteninformationsportal eine kompakte und transparente Übersicht ihrer Ansprüche aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Altersvorsorge einsehen können. Dabei nicht fehlen darf aus Sicht des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ein Hinweis auf die individuelle Lebenserwartung der Einzelperson, abhängig von ihrem derzeitigen Alter. Grund: Viele Menschen würden ihre Restlebenserwartung zu gering einschätzen und damit Gefahr laufen, nicht ausreichend für das Alter vorzusorgen.

Der GDV untermauert das mit den Ergebnissen einer Umfrage, die Forsa im August dieses Jahres unter 1.004 erwachsenen Personen der Geburtsjahrgänge 1964 und jünger durchgeführt hat. Diese Menschen werden die Regelaltersrente für gewöhnlich mit dem Alter von 67 Jahren erreichen. Im geschlechterübergreifenden Durchschnitt rechnen sie damit, dass sie 83,4 Jahre alt werden (Männer 82,9 Jahre, Frauen 83,9 Jahre). Somit würden sie geschätzt für 16,4 Jahre Rente beziehen.

Doch diese Annahmen sind falsch, sagt man beim GDV. „Basierend auf der Destatis Kohortensterbetafel Trendvariante 2 beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung der Befragten 87,5 Jahre“, erklärte ein Verbandsprecher heute auf procontra-Nachfrage. Zwar liegt die Lebenserwartung für neugeborene Mädchen, laut aktuellen Destatis-Zahlen, bei 83,4 und für Jungen bei 78,6 Jahren und damit deutlich darunter. Betrachtet man die Bevölkerung aber erst ab dem Erwachsenenalter, so werden gewisse Sterberisiken jüngerer Menschen ausgegrenzt, die ansonsten die Lebenserwartung nach unten drücken würden.

Am Ende des Geldes noch Leben übrig?

Verglichen mit den Umfrageergebnissen schätzen 53 Prozent der Befragten ihre Lebenserwartung als zu niedrig ein. Generell ist die Diskrepanz bei den Frauen größer: Während sie ihre Lebenserwartung im Schnitt um 5,8 Jahren unterschätzen, liegen die Männer mit ihrer Prognose um durchschnittlich 2,8 Jahre darunter. Während rund ein Drittel der Teilnehmer richtig liegt, rechnen nur 16 Prozent mit einem – statistisch betrachtet – zu langen Leben.

Laut Destatis-Daten wird die durchschnittliche Rentenbezugsdauer der befragten Personen 20,2 Jahre betragen. Die Befragten selbst gehen aber von 18,6 Jahren aus. Männer rechnen mit einem Rentenbezug von 17,8 Jahren, Frauen mit 19,4 Jahren. Die größte Lücke klafft demnach bei den ältesten Umfrageteilnehmern: Die 45- bis 57-Jährigen schätzen, dass sie für 17,7 Jahre von ihrer Altersvorsorge leben müssen – das sind 2,5 Jahre weniger als statistisch der Fall ist. Zwar gibt es in allen drei Säulen Renten, die lebenslang ausgezahlt werden. Wer sich aber für Kapitalabfindungen entscheidet, das Eigenheim zu früh verkauft oder ähnliches, könnte sich bei zu geringer Einschätzung der Restlebenserwartung verkalkulieren.

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