Fondsanbieter positionieren sich als Klimaschützer

Investmentfonds Top News von Jan F. Wagner

Nach Allianz Global Investors, DWS und BlackRock will auch die Union Investment ihren Wertpapierbestand klimaneutral gestalten. Warum das gelingen und wo man skeptisch bleiben kann

Nachhaltigkeit Bild: Adobe Stock/terovesalainen

Immer mehr Fondsanbieter verpflichten sich, ihr Portfolio klimaneutral auszurichten. Bild: Adobe Stock/terovesalainen

Im Kampf gegen den Klimawandel hat die Politik einen wichtigen Verbündeten gewonnen: Die deutsche Fondsbranche. Anfang August wurde bekannt, dass die genossenschaftliche Union Investment die CO2-Emissionen ihres 373 Mrd. Euro schweren Wertpapierbestands vor dem Jahr 2050 auf null senken will.

Der Fachbegriff für dieses Vorgehen lautet „Entkarbonisieren“, und die Union reiht sich damit in den wachsenden Kreis von Asset Managern ein, die die sehr ambitionierten Klimaschutzziele der Politik in Europa unterstützen wollen. Zu diesem Kreis gehören bereits Allianz Global Investors (AGI), die Deutsche Bank-Fondstochter DWS, BlackRock sowie die sparkassennahe Deka.

Die Union, AGI, DWS und BlackRock sind außerdem der sogenannten „Net Zero Asset Managers“ (NZAM) beigetreten, einer globalen Initiative mit insgesamt 130 Asset Managern, die ihre Portfolios bis 2050 klimaneutral gestalten wollen. Bei der NZAM ist die Deka nicht dabei, aber ein Sprecher teilte auf Nachfrage mit, dass man bereits einige Klimaziele erreicht habe, wie zum Beispiel einen klimaneutralen Deka-Betrieb sowie den Ausschluss von Unternehmen mit mehr als 30 Prozent Kohleförderung und 40 Prozent Kohleverstromung.

Ankündigungen müssen auch umsetzbar sein

Große, medienwirksame Klimaschutzziele für Europa zu verkünden ist einfach. Aber auch deren Umsetzung? Nein. Denn: Union & Co. müssen nicht nur Kohle-, Öl- und Gas-Aktien aus ihren Fonds entfernen, sondern auch tausende investierbare Unternehmen dazu bringen, ihre Abhängigkeit von den fossilen Quellen bis 2050 zu beenden. Ihnen steht wahrlich eine Herkulesaufgabe bevor. Und was machen die Fondsgesellschaften, wenn sich abzeichnet, dass der Ausbau von erneuerbaren Quellen nicht reichen wird, um den Energiebedarf der Unternehmen zu decken? Werden sie die Unternehmen trotzdem ausschließen, auch wenn dies möglicherweise mit Renditeeinbußen ihrer Fonds verbunden wäre, weil diese Unternehmen ansonsten profitabel und gut gemanagt sind?

Das sind schwierige Fragen. Henrik Pontzen, Leiter ESG im Portfoliomanagement bei der Union, ist sich aber sicher, dass die Zukunft denjenigen Unternehmen gehört, die „grün“ agieren. „Die Politik hat es in Europa bereits beschlossen: Die fossilen Energieträger werden von der Wirtschaft ausgeschlossen, und uns geht es darum, nicht der Letzte zu sein, den die Hunde beißen. Der Letzte, der darin investiert ist, wird auf einem Haufen von Stranded Assets sitzen“, sagt er.

Mit dem Begriff „Stranded Assets“ meint Pontzen sowohl Öl-, Gas- und Kohlefirmen, die in einer grünen Zukunft stark an Wert verlieren, als auch Firmen, die wegen ihrer Abhängigkeit von den fossilen Quellen dann finanziell stark unter Druck stehen. Denn es ist anzunehmen, dass sich CO2-Emissionszertifikate schon weit vor dem Jahr 2050 enorm verteuern werden. Jeder Fonds würde dann um solche, noch „braunen Unternehmen“ einen großen Bogen machen, lautet die Devise.

Ein aktuelles Beispiel, das diese Sichtweise bestätigt, ist Volkswagen. Seitdem Konzernchef Herbert Diess im November 2018 seine ehrgeizige E-Auto-Strategie verkündete, hat die VW-Aktie rund 30 Prozent zugelegt. Die Märkte glauben offenbar an die Transformation der VW.

Transformation transparent darlegen

Pontzen betont allerdings, dass die Union bei ihrer Entkarbonisierung nicht abrupt vorgeht. Was das konkret heißt, zeigt ein Beispiel: Die Ausschlussgrenze für Kohleförderung in den konventionellen Union Fonds soll erst 2025 auf null von derzeit 5 Prozent sinken. Die Kohleverstromung wird erst ab 2035 aus den Portfolios verbannt; derzeit liegt der maximale Anteil bei 25 Prozent. Der Ausstieg aus Öl und Gas soll dann später erfolgen.

Pontzen fügt hinzu, dass die Union sogar höhere CO2-Emissionen von Unternehmen, die diese Quellen nutzen, toleriere, „solange sie uns einen überzeugenden Plan vorlegen, wie sie die Transformation von braun zu grün hinbekommen wollen.“ Und was meinen die Vermittler von Union-Fonds zu den Plänen? Haben sie Bedenken, dass die Verkleinerung des Anlageuniversums durch mehr Ausschlüsse Rendite kostet? Dazu antwortet der ESG-Experte: „Im Gegenteil, der Vertrieb teilt unsere Meinung, dass wir mit einer nachhaltigen Strategie für das gesamte Portfolio attraktive Renditen für unsere Kunden erzielen können.“

Auch die Privatbank Metzler plant der NZAM-Initiative im Herbst beizutreten. Sie setzt dabei auf den Dialog mit den Unternehmen, damit diese ihre Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren und sukzessive weniger CO2-Emissionen ausstoßen. „Nur der direkte Austausch mit den Unternehmen führt zu einem Verständnis unserer Anlegerinteressen und zu einem Verständnis der Realisierbarkeit dieser Ziele.Sollte das nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen, kann der Investor sein stärkstes Druckmittel auf Unternehmen ausüben. Er verkauft die Aktie und gibt somit dem Unternehmen kein Kapital mehr“, so Metzler auf Anfrage.

Laut Metzler, die ein Vermögen von 50,9 Mrd. Euro für Privatkunden und Institutionelle verwaltet, werden jährlich über 100 Gespräche mit Unternehmen zum Thema Klimarisiken geführt. Metzler hält die NZAM-Initiative zudem für sehr konsequent. Als Beispiel nannte das Haus den Druck durch die anderen Mitglieder: „Unterzeichner, die nicht jährlich über die Erfüllung der Verpflichtungen berichten, erhalten eine erste Benachrichtigung von den Netzwerkpartnern. Wird dies nicht innerhalb eines Jahres nachgeholt, schließen die Netzwerkpartner den Unterzeichner nach Benachrichtigung aus der Initiative aus.“

Unter solchen Umständen dürfte es tatsächlich sehr schwer sein, sogenanntes „Greenwashing“ (Etikettenschwindel) zu betreiben. NZAM-Signatoren werden wohl versuchen müssen, ihre Fondsportfolios klimaneutral zu gestalten.

Die Skepsis bleibt

Ob es ihnen dabei gelingt, kann heute niemand mit Gewissheit vorhersagen. Dies setzt zum einen voraus, dass die weltweite Klimaschutzpolitik, die auf die erneuerbaren Energien setzt, konsequent bis 2050 weiterverfolgt wird. Zum anderen ist nicht absehbar, wann und wie die sogenannten „braunen Firmen“ sich nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, China und in den Entwicklungsländern wirklich „vergrünen“ wollen.