Finanzbildung: Je geringer das Einkommen, desto größer die Wissenslücken

Anne Mareile Walter Berater Investmentfonds Versicherungen

Ob Laufzeiten von Krediten, der Abschluss von Versicherungen oder Vermögensanlagen – was das praktische Finanzwissen angeht, sind die Deutschen schlecht aufgestellt. Wer mehr Geld verdient, kennt sich in der Regel jedoch besser aus.

Finanzen Bild: Adobe Stock/THANANIT

Das praktische Finanzwissen der Deutschen weist laut einer aktuellen Studie große Lücken auf. Bild: Adobe Stock/THANANIT

Nur jedem Zehnten sind die drei wichtigsten Versicherungen ein Begriff, jeder Zweite weiß nicht, wann Dispozinsen beim Girokonto anfallen und junge Leute setzen mehr auf Aktien als ältere. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie, die das Verbraucherportal Finanztip im Frühjahr unter 3.000 Menschen durchführte – dabei ging es um die Frage: Wie gut sind die Deutschen in Bezug auf ihr praktisches Finanzwissen aufgestellt? Jeder zweite Teilnehmer beantwortete mehr als die Hälfte der Fragen falsch. „In Schulnoten ausgedrückt wäre das eine Vier minus oder schlechter“, fasste Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen bei der Vorstellung der Studie zusammen. Das Prinzip der Erhebung: Wer alle Fragen richtig beantwortet hatte, konnte maximal 12,5 Punkte erreichen. Die Mindestpunktzahl lag bei sechseinhalb Punkten.

"Erfahrungswissen macht einen echten Unterschied"

Wie gut es um das Finanzwissen bestellt ist, hängt dabei auch mit dem sozialen Status zusammen. So zeigt die Studie, dass Gutverdienende sich auch in Finanzangelegenheiten besser auskennen. Von den Befragten, denen im Monat ein eher geringes Haushaltsnettoeinkommen von bis zu 1.500 Euro zur Verfügung steht, erreichten nur 30 Prozent mindestens sechseinhalb von maximal 12,5 möglichen Punkten, die es für die Beantwortung einer Frage gab. Von den Umfrageteilnehmern, in deren Haushalt mehr als 3.800 Euro netto verdient wird, kamen immerhin 69 Prozent auf die Mindestpunktzahl von sechseinhalb. „Erfahrungswissen macht einen echten Unterschied“, erklärte Tenhagen. Denn wer mehr Geld zur Verfügung habe, investiere auch eher in eine Altersvorsorge oder Immobilie und befasse sich infolgedessen mit Finanzierungsfragen. „Wer mal einen Kredit aufgenommen hat, kennt sich eher mit Zins und Tilgung aus, als diejenigen, die sich noch nie Geld von der Bank geliehen haben.“ Das untermauerte auch ein anderer Punkt der Studie. So konnten diejenigen Befragten, die bereits in einer eigenen Immobilie wohnen, mit einem besseren Finanzwissen punkten als die Umfrageteilnehmer, die zur Miete wohnten: Bei den Immobilienbesitzern erreichte mehr als die Hälfte mindestens 6,5 Punkte in der Befragung, bei den Mietern war das nur bei 43 Prozent der Fall.

Auch in Bezug auf das Alter der Befragten gab es Unterschiede: Die jüngeren Umfrageteilnehmer lagen in puncto Finanzbildung hinter den älteren. Nur rund 38 Prozent der unter 30-Jährigen erreichte bei der Befragung die Mindestpunktzahl von sechseinhalb Punkten und mehr, bei den über 30-Jährigen lag der Anteil bei rund 52 Prozent. Allerdings legte die junge Generation eine höhere Affinität zu Aktieninvestments an den Tag als die ältere. „Die unter 30-Jährigen sind mit stetig sinkenden Zinsen und einem langanhaltenden Boom an den Aktienmärkten groß geworden“, ordnete Tenhagen das Ergebnis ein. Hinzu kämen neue Apps wie beispielsweise Trade Republic, die den Zugang zu den Börsen nicht nur günstiger, sondern auch einfacher gestalten würden. Auch wenn die Jüngeren mit einem besseren Aktienwissen aufwarten können, ist ihr Umgang mit Wertpapieren offenbar häufig unbedarft. So gaben 38 Prozent in der Altersgruppe der unter 30-Jährigen an, auch dann in Aktien investieren zu wollen, wenn sie wüssten, dass sie ihr Geld nach zwei Jahren wieder benötigen. „Das kann gut gehen, birgt aber ein Verlustrisiko, wenn die Kurse genau dann in den Keller gehen“, erklärte Tenhagen.   

Unwissenheit herrschte bei den Umfrageteilnehmern auch in Bezug auf den Versicherungsschutz. Dass Haftpflicht, eine BU-Versicherung und der Auslandsreisekrankenversicherung zu den wichtigsten drei Policen gehören, gab nur jeder zehnte Befragte an. Knapp 30 Prozent zählten die Kfz-Versicherung zu den wichtigen Policen, bei gut 20 Prozent war es die Kreditausfallversicherung, bei 19 Prozent die Sterbegeldversicherung. 5,8 Prozent hielten die Handyversicherung für eine besonders wichtige Police.  

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