Elementarschäden: Pflichtversicherung ist keine Kardinallösung

Versicherungen Gastkommentar Top News von Dr. Reiner Will

Seit der verheerenden Flut im Westen Deutschlands wird über die Einführung einer Pflichtversicherung debattiert. Eine umfangreichere Absicherung alleine dürfte aber nicht die Lösung sein, kommentiert Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will.

Dr. Reiner Will, Bild: Assekurata

Dr. Reiner Will ist geschäftsführender Gesellschafter und Mitbegründer der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur. Bild: Assekurata

Die erwarteten Versicherungsleistungen für die Starkregenkatastrophe schnellen in die Höhe. Die Schätzungen stiegen kontinuierlich von anfangs bis zu drei auf dann fünf und jetzt über sieben Milliarden Euro. Sicher ist dies nicht das Ende, denn je länger die Regulierung dauert – und damit ist angesichts der umfangreichen Schäden zu rechnen – desto teurer wird es in aller Regel. Ganz abgesehen von den Schäden und Kosten für die öffentliche Infrastruktur oder Betroffene ohne Versicherungsschutz.

30 Milliarden Euro umfasst bekanntlich der dafür gebildete Wiederaufbaufonds. Angesichts der verheerenden Katastrophenbilder und vieler finanzieller Notlagen ist der Ruf nach einer Pflichtversicherung für Elementarschäden nachvollziehbar. Deutschlandweit ist aktuell gerade einmal knapp die Hälfte aller Privathäuser gegen Elementarrisiken versichert, obwohl die überwiegende Zahl an Gebäuden bereits heute versicherbar wäre, wegen der sehr unterschiedlichen Risikogefährdung allerdings zu abweichenden Prämien.

Umfassendere Absicherung wird nicht die Lösung sein

Dabei sind die Grenzen für die Einführung einer Pflichtversicherung generell berechtigterweise eng gesetzt, insbesondere dann, wenn das Risiko sehr unterschiedlich ist. Klar ist aber auch, einfach nur umfassender absichern wird nicht die Lösung sein, um den wachsenden Risiken des Klimawandels zu begegnen.

In Kopenhagen wurden 2019 beispielsweise fast 600 Bäume gepflanzt, zu denen bei Starkregen das Wasser geleitet wird, um langsam versickern zu können. Eine Erkenntnis der jüngsten Katastrophe ist nämlich, dass man weitgehend chancenlos war, weil die betroffenen Gebiete generell zu bebaut und die Böden zu großflächig versiegelt waren. Ohne Rückbau, mehr Abstand und weniger Verdichtung wird die Transformation in Richtung eines besseren Gebäudeschutzes nicht gelingen. Im Schadenfall wird es dann immer nur teurer.