Die neue Bundesregierung muss das Problem Altersvorsorge lösen

Versicherungen Gastkommentar Top News von Martin Stenger

Trotz vielfacher Ankündigung ist eine Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge in dieser Legislaturperiode unterblieben, die Sparer sind die Leidtragenden. Entsprechend groß ist der Handlungsdruck der nächsten Regierungskoalition, glaubt Martin Stenger von der Investmentgesellschaft Franklin Templeton Investment. Welche ersten Schritte er fordert, lesen Sie in seinem Gastkommentar.

Martin Stenger, Bild: Franklin Templeton

Martin Stenger, Sales Director Business Development Insurance & Retirement bei Franklin Templeton Investments. Bild: Franklin Templeton

Die bislang ausgebliebene Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge ist das Vermächtnis der alten Bundesregierung. Die Absenkung des Höchstrechnungszinses von 0,9 auf 0,25 Prozent infolge des anhaltenden Niedrigzinsdrucks bedeutet praktisch das Aus für geförderte Altersvorsorgeprodukte mit 100-prozentiger Beitragsgarantie. Viele Versicherer haben schon angekündigt, ab dem neuen Jahr keine entsprechenden Produkte mehr anbieten zu können. Damit droht vor allem Geringverdienern und Familien eine Versorgungslücke bei geförderten Altersvorsorgeverträgen.

Die neue Koalition sollte daher zunächst eine sofortige und leicht umzusetzende Minimal-Reform in Gang setzen, um die Angebotslücke zu schließen. Dazu bedarf es einer Absenkung des gesetzlich verpflichteten Garantieniveaus von aktuell 100 Prozent der gezahlten Beiträge auf 80 Prozent.

Minimal-Reform umsetzen

Die Regierung wird dann die Aufgabe haben, den Bürgern klarzumachen, dass im Falle einer solchen Reform den Versicherten nicht etwa weniger Bezüge zur Verfügung stünden, sondern dass eher das Gegenteil der Fall sein wird: Die Versicherten werden eine Steigerung ihrer Bezüge erfahren, da es den Anbietern mit dieser Minimal-Reform möglich sein wird, renditeträchtigere Produkte bei einer gleichzeitigen Risikoabsicherung anzubieten.

CDU und Grüne favorisierten zuletzt die Opt-Out-Option bei der privaten Altersvorsorge. Dies sollte jedoch nicht bei den Personalabteilungen hängen bleiben, sondern es muss weitere finanzielle Anreize dafür geben.

Paris-aligned OGAW-konforme [OGAW = Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapiere; Anm. der Red.] Produkte werden für die Portfolio-Allokation dabei zunehmend eine Rolle spielen. Hier sehen wir gute Chancen für ein aktienorientiertes Vorsorgemodell, das am ehesten in der Lage sein wird, solche neuartigen klimafreundlichen Produkte in das Vorsorgekonzept zu integrieren.