Der Anlagenotstand bleibt weiter bestehen

Gastkommentar Investmentfonds von Dr. Hans-Jörg Naumer

Bei den Zentralbanken sind bei der Erhöhung der Leitzinsen nur zögerliche Schritte zu vernehmen. Von einem Ende des Anlagenotstands kann deshalb noch längst keine Rede sein, kommentiert Finanzexperte Dr. Hans-Jörg Naumer.

Dr. Hans-Jörg Naumer Bild: Allianz

Dr. Hans-Jörg Naumer ist promovierter Volkswirt und leitet Global Capital Markets & Thematic Research bei Allianz Global Investors. Bild: Allianz

Die Sitzung des geldpolitischen Rates der EZB brachte wenig Bewegung. Die Euro-Zentralbank ziert sich, das Ende ihrer expansiven Geldpolitik in den Blick zu nehmen. Mit der Anpassung ihrer geldpolitischen Strategie hat sie sich vorausschauend den Rücken freigehalten, nicht zu agieren, auch wenn die Inflationsraten anziehen, wie sie dies aktuell tun.

Zinserhöhungen dürften in weiter Ferne liegen. Entsprechend wurde nur eine moderate Kürzung der im Rahmen des Pandemie-Notfallankaufprogramms (PEPP) stattfindenden Anleihekäufe beschlossen. Das kann als Fingerzeig gewertet werden, dass dieses Aufkaufprogramm wie geplant im Frühjahr 2022 auslaufen wird. Die Liquiditätsflut verringert sich dadurch aber kaum. Die US-Notenbank könnte derweil im November Einzelheiten bekannt geben, wie sie ihre Anleihekäufe reduzieren will, um dann im Dezember hiermit zu beginnen. Eine monatliche Reduktion der Käufe von Staatsanleihen im Umfang von 10 Milliarden und bei den Mortgage Backed Securities (MBS) von 5 Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von acht Monaten erscheinen als plausibler Pfad. Die Käufe würden demzufolge im Sommer nächsten Jahres auslaufen. 

Dabei ist die Frage an den Kapitalmärkten noch nicht ausdiskutiert, ob es sich bei den Preisanstiegen nur um einen temporären Effekt oder eine länger anhaltende Entwicklung handelt. Die Mehrheitsmeinung der Analysten geht nur von einem kurzzeitigen Überschießen aus, auch als Reaktion auf den Einbruch infolge Pandemie. Negative Überraschungen durch unerwartet hohe Inflationsraten sind daher nicht auszuschließen.

Der Bloomberg-Index für Rohstoffe entwickelte sich derweil nach oben. Bei erhöhten Inflationsraten, nachlassenden Konjunkturimpulsen und einem weltweit nur zögerlichen Umschwenken der Zentralbanken in Richtung höherer Leitzinsen bleibt der Anlagenotstand insgesamt weiter bestehen:  Etwa 30 Prozent des globalen Anleihemarktes rentieren unter null Prozent, weitere etwa 40 Prozent liegen zwischen null und einem Prozent.