„Das Risiko des Totalausfalls für Berater und für Kunden ist viel zu hoch“

Berater Sachwerte Top News von Celine Schäfer

Nachrangdarlehen versprechen hohe Renditen, bergen für Anleger und Berater aber ein enormes Risiko. Peter Mattil, Fachanwalt für Bank- und Kapitalrecht in München, steht dieser Art der Vermögensanlage daher skeptisch gegenüber.

Peter Mattil, Bild: Kanzlei Mattil

Peter Mattil, Fachanwalt für Bank- und Kapitalrecht bei der Münchner Kanzlei Mattil, Bild: Kanzlei Mattil

procontra: Herr Mattil, was sind Nachrangdarlehen eigentlich genau?

Peter Mattil: Aus juristischer Sicht ist das ziemlich komplex und schwer zu erklären. Vereinfacht gesagt gibt ein Privatanleger zum Beispiel einem Unternehmen ein Darlehen und bekommt dafür Zinsen. Wenn das Unternehmen dann allerdings in Zahlungsschwierigkeiten kommt, wird der Gläubiger des Nachrangdarlehens zuletzt bedient. Anleger sind also das letzte Glied in der Kette und es gibt ein Risiko des Totalverlustes.

procontra: Können Nachrangdarlehen denn auch eine sinnvolle Vermögensanlage sein oder raten Sie generell davon ab?

Mattil: Meiner Meinung nach sind Nachrangdarlehen grundsätzlich ein seltsames Anlageprodukt. Einerseits sind Anleger durch Nachrangdarlehen, anders als etwa Aktien, in keiner Weise am Unternehmen beteiligt. Sie haben also nichts davon, wenn die Geschäfte gut laufen. Andererseits stehen Anleger hinten an, wenn ein Unternehmen pleitegeht, sie bekommen in der Regel nichts von ihrem Geld wieder. Deshalb würde ich von Nachrangdarlehen abraten.

procontra: Aber warum gibt es dann überhaupt Finanzberater, die diese Darlehen ihren Kunden anbieten?

Mattil: Die Anbieter von Nachrangdarlehen locken häufig mit sehr hohen Zinsen. Außerdem soll das Geld immer in spezifische Projekte fließen, die die Anbieter dann bewerben, zum Beispiel bei UDI die Biogasanlagen – das kann auch ansprechend wirken. Meiner Meinung nach ist das Risiko des Totalausfalls für Berater und Kunden allerdings viel zu hoch.

procontra: Wer haftet eigentlich im Falle einer Klage seitens des Anlegers – der Berater oder der Emittent?

Mattil: Der Berater haftet. Der Emittent auch, wenn er Fehler im Prospekt gemacht hat. In der Regel verklagen Kunden, deren Geld verloren gegangen ist, allerdings zunächst den Vermittler, denn die Fehler des Unternehmens sind meistens schwer nachzuweisen. Außerdem haben Anleger mit dem Unternehmen ja meist gar nicht direkt zu tun. Als Berater würde ich mir also genau überlegen, ob ich solche Produkte anbiete.

procontra: Was kann die Haftung für den Berater denn konkret bedeuten?

Mattil: Die Haftung ist seit Jahrzehnten in der Rechtsprechung festgelegt und beruht auf § 280 BGB. Finanzberater und -vermittler haben etliche Pflichten zu beachten. Sie müssen etwa die Erfahrungen, die Risikobereitschaft und die finanziellen Verhältnisse des Kunden abfragen. Wenn sie das nicht tun, können Kunden sie zivilrechtlich auf Schadensersatz verklagen. Strafbar machen sie sich bei Vertragsverletzungen allerdings nur, wenn sie den Kunden absichtlich belügen – das wäre Betrug.