Corona lässt Zahl der Berufskrankheiten explodieren

Florian Burghardt Versicherungen

Seit Beginn der Pandemie hat die gesetzliche Unfallversicherung bereits in über 100.000 Fällen Covid-19 als Berufskrankheit anerkannt. Dadurch stieg die Gesamtzahl von Berufskrankheitsfällen gegenüber Nicht-Pandemie-Zeiten deutlich. Der DGUV-Chef fordert deshalb eindringlich zum Impfen auf.

Trotz Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz ist die Anzahl der Covid-19-bedingten Berufskrankheiten extrem angestiegen. Bild: Adobe Stock/saksit

Trotz Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz ist die Anzahl der Covid-19-bedingten Berufskrankheiten extrem angestiegen. Bild: Adobe Stock/saksit

Impfgegner und Corona-Leugner spielen die Schwere einer Covid-19-Erkrankung gerne mit dem Verweis auf (noch) leere Intensivbetten und viele milde Verläufe herunter. Wie gefährlich das Virus tatsächlich ist, zeigt sich aber beim Blick auf deren mittel- und langfristige Auswirkungen. So ist seit Beginn der Corona-Pandemie die Anzahl der Verdachtsfälle auf eine Berufskrankheit deutlich angestiegen. Um ein Drittel lag diese im Jahr 2020 (106.491 Fälle) höher als noch 2019 (80.132 Fälle). Als tatsächliche Berufskrankheit herausgestellt haben sich 52.956 dieser Verdachtsfälle gegenüber 35.264 im Jahr davor. Damit liegt nicht nur die reine Fallzahl deutlich über der aus Nicht-Pandemie-Zeiten, sondern auch die Anerkennungsquote ist mit 49,7 Prozent gegenüber 44 Prozent in 2019 merklich gestiegen. Darüber informiert aktuell die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV).

Betrachtet man die rund eineinhalb Jahre vom Beginn der Pandemie bis einschließlich August 2021, so hat die DGUV mittlerweile 103.244 Personen eine Covid-19-Infektion als Berufskrankheit anerkannt. Der Großteil davon seit mit 78.294 im Zeitraum von Januar bis einschließlich Juni 2021 erfolgt. Außerdem wurde 10.202 Versicherten die Covid-19-Infektion als Folge eines Arbeits- oder Schulunfalls anerkannt. Vor allem Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege seien betroffen.

Rechnet man die anerkannten Berufskrankheiten aus den jüngsten Nicht-Pandemie-Zeiten (Jahr 2019) auf eineinhalb Jahre hoch, so liegen diese bei 52.896. Das sind nur halb so viele wie jetzt, während der Corona-Pandemie.

Weniger Unfälle, weniger Tote

Positiv ist zu bewerten, dass die Anzahl der Arbeitsunfälle (392.847) und Wegeunfälle (86.792) im ersten Halbjahr 2021 deutlich gegenüber 2019 gesunken ist (432.684 beziehungsweise 91.558). Auch im gesamten Kalenderjahr 2020 war hier pandemiebedingt schon eine deutliche Reduzierung mit weniger Unfällen und weniger Toten spürbar.

„Das Versicherungsgeschehen spiegelt, wie massiv die Pandemie das Arbeitsleben verändert hat", kommentiert DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Hussy. Der Einfluss sei dabei sowohl mittel- als auch unmittelbar. „Mittelbar, weil Kurzarbeit, Homeoffice und Homeschooling die Unfallzahlen haben zurückgehen lassen. Unmittelbar, weil das Berufskrankheiten-Geschehen wegen Covid-19 förmlich explodiert ist."

Anlässlich der bevorstehenden kalten Jahreszeit und der Ausbreitung der Deltavariante fordert der DGUV-Chef dringlich zum Impfen auf: „Wenn Sie sich impfen lassen können, aber es noch nicht gemacht haben: Lassen Sie sich impfen!"

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