BU-Versicherung: Fehler hat für junge Frau böse Konsequenzen

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Wer eine Berufsunfähigkeits-Police abschließt, muss alle Gesundheitsfragen möglichst umfassend beantworten – und selbst pubertätsbedingte Beschwerden angegeben. Auslassungen können schwerwiegende Folgen nach sich ziehen, wie ein aktuelles Urteil zeigt.

BU-Versicherung: Fehler hat für junge Frau böse Konsequenzen Bild: Adobe Stock/Marina Andrejchenko

Bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen gilt absolute Ehrlichkeit. Bild: Adobe Stock/Marina Andrejchenko

Wirft man einen Blick in die Statistik des GDV zeigt sich: Wer berufsunfähig ist und sich entsprechend abgesichert hat, bekommt von seinem Versicherer in der Regel auch eine BU-Rente ausgezahlt. 80 Prozent aller Anträge werden von den Versicherern auch bewilligt.  

Das heißt aber auch: In jedem fünften Fall ging der Versicherte leer aus. In 14 Prozent lag der Grund hierfür in einer Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht. Sprich: Der Kunde hatte beim Abschluss seiner Versicherung die Gesundheitsfragen nicht wahrheitsgemäß beziehungsweise unvollständig beantwortet.  

Welche Konsequenzen sich hieraus ergeben können, zeigt ein aktueller Fall des Landgerichts Nürnberg-Fürth. Dabei ging es um ein 17-jähriges Mädchen, das im Jahr 2012 zusammen mit seiner Mutter über eine Finanzberaterin eine BU-Versicherung abgeschlossen hatte. Alles richtig gemacht, könnte man sagen – schließlich gilt: Je eher man eine BU-Versicherung abschließt, desto besser. Doch von dieser Aussage nimmt man wieder Abstand, wenn man den weiteren Sachverhalt kennt.

Ärglistige Täuschung

Die Fragen nach gesundheitlichen Beschwerden beantwortete die junge Versicherungsnehmerin nämlich allesamt mit „nein“. Dabei wurde sie unter anderem danach gefragt, ob sie in der Vergangenheit an Migräne gelitten hatte. Das Mädchen verneinte – dabei hatte sie aufgrund starker Kopfschmerzen erst zwei Tage vor Abschluss des Vertrags einen Arzt aufgesucht. Auch weitere Einzelbeschwerden, sowohl orthopädischer als auch psychischer Natur, erwähnte die junge Frau beim Ausfüllen der Gesundheitsfragen nicht.  

Nachdem sie im Januar 2019 einen schweren Verkehrsunfall erlitten und daraufhin einen Leistungsantrag bei ihrer Versicherung eingereicht hatte, erlebte sie eine böse Überraschung: Der Versicherer trat aufgrund einer behaupteten arglistigen Täuschung der Versicherungsnehmerin vom Vertrag zurück.

Auch die Klage der jungen Frau auf Zahlung von 27.000 Euro, die nun vor dem Landgericht verhandelt wurde, blieb ohne Erfolg. Ihre Erklärung, die orthopädischen Leiden habe sie deswegen nicht angegeben, weil sie „wachstums-" beziehungsweise „pubertätsbedingt“ gewesen seien, ließ das Gericht nicht gelten. Die Rechtsprechung verlange, dass auch solche Beschwerden beim Abschluss eines Versicherungsvertrags anzugeben seien.  

Da die junge Frau seitens der Versicherung auch ausdrücklich über die Folgen einer Anzeigepflichtverletzung informiert worden war, konnte der Versicherer nach Auffassung des Gerichts vom Vertrag zurücktreten. Eine BU-Rente war folglich nicht zu zahlen.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!