Bricht das Vorsorgegeschäft weg?

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Sitzverlagerung ins Ausland? 

Als würde das noch nicht reichen, wollen die Grünen explizit die Provisionsvermittlung schrittweise abschaffen und durch eine Honorarberatung auf Basis einer gesetzlichen Honorarordnung ersetzen. Ob das für alle oder – wie im Ausland – nur für Lebensversicherungen gelten soll, bleibt ebenso offen wie die Frage, wie man mit den rund 200.000 Vermittlern und den dort bestehenden Arbeitsplätzen umgehen will. Jedenfalls findet sich kein Vorschlag, dass die Verbraucherzentralen verbindliche Beschäftigungsangebote an arbeitslose Vermittler und deren Mitarbeiter machen müssen, obwohl sie doch Nutznießer der neuen Honorarberatungswelt sein sollen. 

Schließlich müssten die Grünen als eigentlich europafreundliche Partei Farbe bekennen, ob sie mit einem nationalen Alleingang beim Provisionsverbot den Europäischen Binnenmarkt für Versicherungen und Versicherungsvermittler torpedieren oder deutsche Vermittler reihenweise zur Sitzverlagerung ins benachbarte europäische Ausland motivieren wollen. Anschließend könnten sie dann per Dienstleistungsfreiheit provisionsfinanziert zurückkommen. 

Provisionsdeckel wird wahrscheinlicher

Die SPD spricht zwar in ihrem Wahlkampfprogramm nicht von einem Provisionsdeckel in der Lebensversicherung. Aber dass der Bundesfinanzminister und Kanzlerkandidat mit seinem Vorschlag in der ablaufenden Legislaturperiode gescheitert ist, macht es nicht schwer zu erraten, was ein möglicher Kanzler Scholz auf die Agenda setzen dürfte. Mit ins Paket kommen dürfte die Aufsichtsverlagerung für Finanzanlagenvermittler zur Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, ein weiteres Anliegen, mit dem die SPD gescheitert war und das von Grünen und Linken unterstützt wurde. Und wenn man schon einmal dabei ist, könnten diesmal gleich alle Vermittler egal mit welcher Erlaubnis unter Bundesaufsicht gestellt werden. 

Für den Versicherungsvertrieb zeichnen sich damit schwere Zeiten am Horizont ab. Nicht jeder Vermittler wird wegbrechendes Vorsorgegeschäft mit Kfz- und Sachversicherungen kompensieren können. Andererseits könnte sich die Konsolidierung vor allem im Maklermarkt beschleunigen. 

Weniger Wahlfreiheit 

Was den Bürgerinnen und Bürgern kaum klar sein dürfte ist, dass ihnen erhebliche Wahlfreiheiten genommen werden könnten. Die so positiv klingenden Bürgerversicherungen und Bürgerfonds sind nichts anderes als staatlich reglementierte Zwangsveranstaltungen, die die verfügbaren Einkommen in bestimmte Richtungen zwingen. Die freie Entscheidung für unterschiedliche Leistungen sowie persönliche Vorstellungen von privater Vermögensplanung und Vermögensverwendung werden ausgeschlossen. 

Dass es Versicherungsunternehmen in dieser Situation nicht mehr gelingt, sich als selbstverständlicher und leistungsstarker Partner der Politik in der Daseinsvorsorge darzustellen, ist eine schlimme Entwicklung. Nach der Bundestagswahl sollten Versicherer und Vermittler miteinander ins Gespräch kommen, was eigentlich ihr gesellschaftlicher Nutzen ist – und wie man diesen glaubwürdiger als bisher an die Öffentlichkeit tragen kann.

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