Betriebsrente: Sinkende BBG bringt totales Chaos

Detlef Pohl bAV Berater Recht & Haftung Top News Meistgeklickt

Im kommenden Jahr sinken erstmals die Beitragsbemessungsgrenzen (BBG) für die Sozialversicherung. Was das federführende Arbeitsministerium nicht bedacht hat: Damit müssen viele Arbeitgeber und Berater Entgeltumwandlungen und den Arbeitgeberzuschuss für die bAV erneut prüfen.

Wegen der sinkenden Lohnentwicklung 2020 sinkt auch die BBG für die Sozialversicherung. Was positiv für die Abgaben klingt, ist schädlich für viele bAV-Sparer. Bild: Pixabay/mohamed Hassan

Wegen der sinkenden Lohnentwicklung 2020 sinkt auch die BBG für die Sozialversicherung. Was positiv für die Abgaben klingt, ist schädlich für viele bAV-Sparer. Bild: Pixabay/mohamed Hassan

Anfang 2021 war die Welt noch in Ordnung: Zum 1. Januar wurden wie gewöhnlich die Beitragsbemessungsgrenzen (BBG) erhöht. Gemeint ist der maximale Bruttolohnbetrag, bis zu dem in die Sozialversicherung eingezahlt werden muss. In der gesetzlichen Rentenversicherung West – maßgeblich für Einzahlungen in die Betriebsrente - ist er laut Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung auf 85.200 Euro für 2021 gestiegen (2020: 82.800 Euro).

Arbeitnehmer können bis zu acht Prozent der jeweils aktuellen BBG steuerfrei und vier Prozent sozialabgabenfrei in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds einzahlen. 2021 stieg der steuerfreie Anteil somit um 192 Euro auf 6.816 Euro im Jahr (85.200 x 8%) und der maximale sozialabgabenfreie Anteil um 96 Euro auf 3.408 Euro (85.200 x 4%). Wer seine Entgeltumwandlung entsprechend erhöht hat, verbesserte also das Potential für seine Betriebsrente.

Weniger geförderte Entgeltumwandlung ab 2022?

Anfang 2022 könnte die SV-Regelung deutlich komplizierter werden und es einen Bumerang für die bAV geben. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat kürzlich den Referentenentwurf für die Rechengrößen in der Sozialversicherung 2022 vorgelegt. Diesen Entwürfen hatten Bundesregierung und Bundesrat in der Vergangenheit immer ohne Änderung zugestimmt. Da die Bruttolöhne 2020 in der Pandemie je Arbeitnehmer im Westen der Republik durchschnittlich um 0,34 Prozent zurückgingen, soll die allgemeine BBG für die gesetzliche Rentenversicherung in den alten Bundesländern von monatlich 7.100 auf 7.050 Euro im Monat (= 84.600 Euro) 2022 zurückgehen. Im Osten Deutschlands steigt sie hingegen leicht von 6.700 auf 6.750 Euro.

Das ist für Gutverdiener in den westlichen Bundesländern eine gute Nachricht, da sie womöglich etwas weniger Sozialabgaben zahlen müssen. Doch der West-Wert ist bundeseinheitlich auch maßgeblich für die bAV. Und deren Förderung leidet unter der BBG-Absenkung. Was sind schon 50 Euro weniger im Monat, mag sich das BMAS gedacht haben, doch die praktischen Folgen sind das pure Chaos.

Chaotische Folgen für die bAV

Darauf macht Andre Cera im Portal LEITER-bAV.de aufmerksam. „Damit sinkt der maximale Umwandlungsanspruch von 3.408 Euro auf 3.384 Euro pro Arbeitnehmer“, sagt der Aktuar und Bereichsleiter Altersversorgung, Vergütung & Controlling der Otto Group. Er hatte schon frühzeitig auf die praktischen Probleme bei der Umsetzung des AG-Zuschusses für Entgeltumwandlungen hingewiesen, auch bei procontra.

Nun droht Mehrarbeit auch durch die BBG-Absenkung, falls 2021 der Höchstbetrag für die Entgeltumwandlung ausgeschöpft wurde. Entgeltumwandlung zum bisherigen Höchstbetrag von 3.408 Euro kann der Arbeitgeber zwar grundsätzlich beibehalten, muss aber beachten, dass 2022 nur noch Umwandlungen bis zu 3.384 Euro im Jahr sozialabgabenfrei möglich sind. „Für 24 Euro fallen Sozialabgaben an, und für diesen Betrag kommt es beim späteren Rentenbezug zur Doppelverbeitragung – denn die spätere Versorgungsleistung unterliegt ebenfalls der SV-Pflicht“, sagt Cera.

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