Betriebsrente: Für junge Arbeitnehmer nicht gerecht

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Der Generationenvertrag wird zum Konfliktherd: Arbeitnehmer nehmen Ungerechtigkeiten auch bei der Betriebsrente wahr. Neue Regelungen gehen oft zu Lasten der jüngeren Generation, so eine Studie. Wo Handlungsbedarf für Arbeitgeber besteht.

„Über zwei Drittel der Arbeitgeber in Firmen ab 500 Mitarbeitern räumt ein, dass die heutige bAV weniger wert ist als früher“, sagt Aon-Geschäftsführer Fred Marchlewski. (Bild: Aon)

„Über zwei Drittel der Arbeitgeber in Firmen ab 500 Mitarbeitern räumt ein, dass die heutige bAV weniger wert ist als früher“, sagt Aon-Geschäftsführer Fred Marchlewski. (Bild: Aon)

Die meisten Arbeitnehmer (60,5 Prozent) wünschen sich eine höhere Leistung bzw. Rendite, um die bAV insgesamt attraktiver zu machen. Das geht aus einer Umfrage des bAV-Beraters Aon Deutschland hervor, an der rund 1.000 Angestellte aus deutschen Unternehmen mit mindestens 500 Beschäftigten sowie 119 Arbeitgebervertreter teilgenommen haben.

Erfahrungsgemäß sind Arbeitnehmer in der Großindustrie besser als ihre Kollegen in KMU über das Thema Betriebsrente informiert, da die Arbeitgeber traditionell eine komplett oder teilweise firmenfinanzierte bAV bieten. „Betriebsrente ist nach wie vor ausgesprochen attraktiv und folgt auf der Wunschliste gleich nach der Barvergütung“, sagt Aon-Geschäftsführer Fred Marchlewski.

Arbeitnehmer spüren Ungerechtigkeit bei Betriebsrenten

Ein anderer Aspekt der Studie klingt alarmierend: 72 Prozent der befragten Arbeitnehmer zwischen 18 und 29 Jahren sind der Ansicht, dass Veränderungen an den betrieblichen Versorgungswerken (Umfang der Leistungen oder der Beiträge) vor allem zu Lasten der jungen Generation gehen.

Die Älteren (60 bis 65 Jahre) unter den Befragten sehen es mit knapp 70 Prozent genauso. Deutlich mehr als die Hälfte der Arbeitgeber (62 Prozent) gesteht ein, dass sie Änderungen vor allem bei jüngeren Arbeitnehmern vornimmt, um vorhandene Hürden, meist rechtlicher Natur, im System zu umgehen.

Hintergrund: Immer weniger Jungen stehen durch die demografische Entwicklung immer mehr Alte gegenüber. Dieser Generationenkonflikt spiegelt sich nicht nur bei der gesetzlichen Rente wider, sondern auch in der bAV. Ein Betriebsklima, in dem die jüngeren Arbeitnehmer neidisch auf die älteren blicken, tut jedoch niemandem gut und schadet dem gesamten Unternehmen, so Aon.

Arbeitgeber größerer Firmen bestätigen Ungerechtigkeit

Die heutige bAV ist weniger wert als die Leistungen für vergangene Generationen, meinen 39 Prozent der Arbeitnehmer, während 21 Prozent das Gegenteil glauben. Eine objektivere Sicht bieten die Arbeitgebermeinungen, die oft von langjährigen bAV-Verantwortlichen abgegeben wurden. Danach sagen über zwei Drittel (69 Prozent), dass die heutige bAV weniger wert sei als früher.

Seite 1: Warum bAV zwischen den Generationen als ungerecht empfunden wird
Seite 2: Wie Firmen in Zeiten des Fachkräftemangels gegensteuern können