Betriebsrente: „Das Rad darf nicht in jeder Legislaturperiode neu erfunden werden“

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache Versicherungen Top News

procontra: Wäre strategisch für die bAV angesichts dauerhafter Niedrigzinsen nicht eine reine Beitragszusage der Problemlöser Nr. 1, da sie unabhängig von der Zinspolitik der Notenbanken funktioniert? Wie lässt sich dort Sicherheit und Rendite gut austarieren?

Niebuhr: Aktuellen Studien zufolge wünschen sich Mitarbeiter weiterhin vor allem eine sichere Altersversorgung, und diese Sicherheit wird meist mit Garantien assoziiert. Dass eine bAV ganz ohne Garantien durchaus zielführend sein kann, ist eine hohe kommunikative Hürde, wie die bisherige Zurückhaltung etwa im Zusammenhang mit dem Sozialpartnermodell zeigt. Eine gut austarierte Balance von Sicherheit und Rendite lässt sich aus unserer Sicht sehr gut im bestehenden Rahmen der BoLZ umsetzen, insbesondere wenn es auch um die Absicherung zusätzlicher biometrischer Risiken wie etwa der Absicherung gegen Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit geht.

procontra: Wie sieht die Strategie zu mehr chancenorientierter Kapitalanlage in der bAV derzeit bei Ihnen aus? Wie wächst bei Ihnen der Anteil von Immobilien, Aktien und Fonds sowie „Sonstiges“ im bAV-Portfolio?

Niebuhr: Das andauernde Niedrigzinsumfeld erfordert die Erwirtschaftung einer angemessenen Mehrrendite über Staatsanleihen hinaus, was wir über moderate Erhöhungen der Kreditrisiken in den Portfolien unserer bAV-Versicherer erreichen. Durch Diversifikation über Regionen, Währungen, Ratings und unterschiedliche Anlageklassen wie Unternehmensanleihen verbessern wir so auch kontinuierlich unser Risikoprofil. Einen wesentlichen Teil der Neu- und Wiederanlage legen wir sachwertorientiert an. Gerade hier können wir attraktive Illiquiditätsprämien vereinnahmen, die zu den langlaufenden Anforderungen des Geschäftsmodells der bAV passen.

procontra: Was muss sich nach der Bundestagswahl ändern, um die bAV (samt Riester-Rente) als politisch gewollte Ergänzung zur gesetzlichen Rente nicht weiter zu schwächen?

Niebuhr: Die bAV ist mit ihren fünf Durchführungswegen und inzwischen vier Zusage-Arten bereits ein hoch komplexes Gebilde. Da Altersversorgung, insbesondere über die Betriebe, langfristige Planungssicherheit erfordert, darf auf keinen Fall in jeder Legislaturperiode das Rad neu erfunden werden. Wir brauchen dennoch sehr schnell Verlässlichkeit hinsichtlich der Garantiehöhen in der BZML.

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