Betriebsrente: „Das Rad darf nicht in jeder Legislaturperiode neu erfunden werden“

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Die versicherungsförmige bAV ächzt unter der garantierten Mindestleistung. Wie sie fit für die Zukunft gemacht werden kann, sagt Jan Niebuhr, Vorstand der Ergo Vorsorge Lebensversicherung und Vorstandschef des Ergo-Pensionsfonds, im Interview.

Der Gesetzgeber sollte neue Garantiemodelle auch für die bAV rechtlich legitimieren, sagt Ergo-Vorstand Jan Niebuhr. Bild: Ergo

Der Gesetzgeber sollte neue Garantiemodelle auch für die bAV rechtlich legitimieren, sagt Ergo-Vorstand Jan Niebuhr. Bild: Ergo

procontra: Hat die versicherungsförmige bAV in einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld überhaupt noch eine Chance? Die Kunden bekommen doch keine Rendite mehr, die den Namen verdient!

Niebuhr: Auch nach Absenkung des Höchstrechnungszinses bietet nur eine versicherungsförmig ausgestaltete bAV die Garantie auf eine lebenslang stabile Rente sowie die Absicherung elementarer Lebensrisiken. Ein abgesenktes Garantieniveau schafft Freiräume in der Kapitalanlage und eröffnet Renditechancen, was eine höhere Kapitalleistung zum Renteneintritt und damit auch eine höhere Rentenleistung ermöglicht. Neue Garantiemodelle können auch in Zeiten niedriger Zinsen die Altersvorsorge von Millionen Versicherten nachhaltig sichern – umso wünschenswerter wäre es, wenn der Gesetzgeber derartige Modelle auch für die bAV rechtlich legitimieren würde, beispielsweise durch die Absenkung des Garantieniveaus in der Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML).

procontra: Bisher lässt sich die Politik aber nicht auf eine Abschwächung der Garantie bei der weit verbreiteten Beitragszusage BZML ein. Damit gerät diese Zusageart ins Abseits. Eine beitragsorientierte Leistungszusage (BoLZ) könnte in die Bresche springen. Woran fehlt es noch, die BoLZ in der Breite zu etablieren?

Niebuhr: Die Zusage-Arten BZML und BoLZ standen für die versicherungsförmige bAV bislang gleichwertig zur Verfügung und konnten bei richtiger Gestaltung der arbeitsrechtlichen Unterlagen gleichermaßen rechtssicher zugesagt und passgenau finanziert werden. Sofern der Gesetzgeber bei der BZML nicht nachbessern sollte, wird sich das Angebot zunehmend auf die BoLZ verlagern, die nach unserer Einschätzung schon heute die dominierende Zusageart in der bAV und seit vielen Jahren in zahlreichen Tarifverträgen und Branchenwerken fest etabliert ist.

procontra: Welche Garantiehöhe halten Sie bei einer BoLZ für angemessen?

Niebuhr: Für ein ausgewogenes Verhältnis von Sicherheit und Renditechancen einer ertragsorientierten Kapitalanlage halte ich bei der BoLZ ein Garantieniveau von 80 bis 90 Prozent der gezahlten Beiträge für vernünftig.

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