Bestandsübertragung: Antworten auf die 10 wichtigsten Fragen

Detlef Pohl Berater Nachfolgeregelung Versicherungen Top News

6. Was ist bei Agenturübertragungen aus Direktvereinbarungen zu beachten?

Wer eine Direktvereinbarung auflösen und den gesamten Bestand auf einen Pool oder anderen Makler übertragen will, benötigt nicht für jeden Kunden eine eigene Maklervollmacht, sondern kann bequem alles zusammen übertragen. Das entbindet den „Käufer“ nicht von der Pflicht, grundsätzlich die Einwilligung des Kunden vorliegen zu haben, heißt es in der Fibel. Wichtige Schritte für den „Verkäufer“:

  • Kunden über den bevorstehenden „Betreuungswechsel“ informieren (Name des Käufers mit Anschrift) und mindestens 14 Tage Widerspruchsfrist einräumen (bei Widerspruch entweder überzeugen, dem Kunden kündigen oder nur Teilbestandsübertragung veranlassen).
  • Widerspricht kein Kunde, kann der Import der zu übertragenen Verträge in das MVP und die anschließende Bestandsübertragung veranlasst werden.
  • Übernahmevereinbarung unterschreiben und zusammen mit Kunden-Information an Käufer schicken.

7. Was ist bei Teil- oder Vollübertragung aus Poolbeständen zu beachten?

Teilübertragungen sind notwendig, wenn der Makler Bestände auf sich oder einen neuen Pool übertragen möchte. Sie sind zudem nötig, wenn sich nicht alle Verträge einer Direktvereinbarung übertragen lassen, weil einzelne Kunden etwas dagegen und widersprochen haben. „Für eine Teilübertragung ist immer die Freigabe der Verträge durch den ursprünglichen Bestandsinhaber notwendig“, weiß Korinth. Die Zustimmung sollte zwingend zusammen mit einer durch den Bestandsinhaber gestempelten und unterschriebenen Bestandsliste erfolgen, denn nur diese autorisiert die Versicherer zu einer sicheren Übertragung.

8. Wie werden Stornohaftung und Stornoreserve nach der Übertragung behandelt?

Einzelvertragliche Bestandsübertragungen erfolgen in der Regel nicht mit allen Rechten und Pflichten, das Haftungsrisiko verbleibt also beim ursprünglichen Vermittler. Agenturübertragungen oder auch Teilübertragungen dagegen erfolgen immer mit allen Rechten und Pflichten. Das Haftungsrisiko geht damit auf den übernehmenden Vermittler über. „Unverdiente, rückbelastete Courtagen müssen durch den übernehmenden Vermittler gezahlt werden“, so Korinth.

Zur Stornoreserve: Bei einzelvertraglichen Bestandsübertragungen verbleibt die Stornoreserve mit dem Haftungsrisiko beim ursprünglichen Vermittler, da die Courtage bereits dem Vermittler zugeflossen und durch ihn zu versteuern ist. Bei Agenturübertragungen oder auch Teilübertragungen, die mit allen Rechten und Pflichten erfolgen, geht das Haftungsrisiko auf den neuen Makler über. Die Stornoreserve wird jedoch unterschiedlich behandelt. „Die meisten Versicherer übertragen die Stornoreserve jedoch gesellschaftsintern auf das Konto des übernehmenden Maklers, statt sie auszuzahlen“, hat Blau Direkt beobachtet.

9. Wie werden Korrespondenzmakler behandelt?

Übernimmt ein Makler nach einer Bestandsübertragung zu sich zwar die Arbeit, erhält aber keine Courtage, ist das unerfreulich. Doch ohne Courtagevereinbarung besteht kein gesetzlicher Vergütungsanspruch. Das passiert häufig mit Direkt- und Ausschließlichkeitsversicherern. Tipps zum Umgang gibt die BÜ-Fibel nicht, verweist aber auf einen Blog-Beitrag. Im Zweifel bleibt nur die Umdeckung durch den Makler, insbesondere bei Bereinigung der Bestände kurz vor dem geplanten Ruhestand und der damit gewünschten Bestandsübertragung.

10. Welche Verträge sind nicht übertragbar?

Die Gefahr besteht häufig bei Verträgen mit Sonderkonditionen (Kundenrabatt oder zusätzliche Leistungen), die ein Versicherer mit dem jeweiligen Konzeptgeber, Assekuradeur, Vermittler, Pool oder Verein vereinbart hat. Soll ein solcher Vertrag übertragen werden, so droht der Versicherer oft mit dem Wegfall der Sonderkonditionen. Die Gefahr besteht, wenn der Konzeptgeber Funktionen des Versicherers übernimmt und damit der eigentliche Vertragspartner des Kunden ist. „Als übertragungswilliger Makler sollten Sie daher genau prüfen, wer der Vertragspartner des Kunden ist und inwieweit die Vertragsbedingungen schriftlich fixierte Voraussetzungen enthalten“, rät Korinth.

Weitere Informationen gibt es in der Fibel

Wer als Makler seinen Bestand im Rentenalter unbetreut auslaufen lässt und nur auf Anfrage berät, verliert auch Kunden und damit Bestandscourtage. Makler, die bisher weit unter Wert verkaufen mussten, können mit dem Know-how in der BÜ-Fibel bessere Erlöse erzielen. Durch den Wegfall seiner Kosten können Makler als Rentner sogar ein höheres Nettoeinkommen verbuchen als vorher, heißt es bei Blau Direkt.

Die BÜ-Fibel ist für Versicherungsmakler mit Zulassung nach Paragraf 34d Absatz 1 GewO gedacht. Das Buch kostet 59,99 Euro, kann aber gebraucht für 19 Euro hier bestellt werden. Teilnehmer des 60-Tage-Test-Programms von Blau Direkt erhalten hier ein kostenfreies Exemplar.

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Seite 1: Auf welche rechtlichen Punkte Makler achten sollten
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