BaFin hat 20 Lebensversicherer im Blick

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Wie steht es um die Lebensversicherer und die Zukunft der Riester-Rente? Auf dem Strategiemeeting des Handelsblattes trafen Riester-Gegner und -Befürworter aufeinander.

BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund. Bild: BaFin

Sieht die Versicherer trotz Corona robust aufgestellt: BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund. Bild: BaFin

Das Ende der Riester-Rente ist besiegelt – oder? Um die Zukunft der staatlich geförderten Altersvorsorge wurde an diesem Donnerstag auf dem vom Handelsblatt veranstalteten „Strategiemeeting Lebensversicherung“ lebhaft diskutiert.

Denn: Nicht alle wollen auf den Abgesang von Riester so richtig einsteigen. „Die Bundestagswahl ist für alle Wähler eine Wundertüte. Welche Regierung aus ihr hervorgeht, ist vollkommen ungewiss“, erklärte Peter Schwark, stellvertretender Hauptgeschäftsgeführer beim Versichererverband GDV. Sicher scheint nur, dass keine Partei ihr Programm ohne Kompromisse wird eingehen können.  

Geringverdiener profitieren von Riester

Und die Stimmen, die für eine Reform der bestehenden Riester-Rente werben, sind durchaus noch vorhanden – gerade wenn es darum geht, Geringverdiener zur privaten Altersvorsorge zu animieren. „Geringverdiener werden bei Riester wesentlich besser gestellt“, gab Wolfram Erling, Leiter des Produktmanagements bei Union Investment zu bedenken. So liegen bei der betrieblichen Altersversorgung sowie der Basisrente die Vorteile im steuerlichen Bereich – hiervon profitieren jedoch vor allem Menschen mit höherem Einkommen. Die bei der Riester-Rente gezahlten staatlichen Zuschüsse kämen aber vor allem Geringverdienern zugute, gab Erling zu bedenken.  

Rückendeckung bekam der Union-Investment-Abteilungsleiter dabei von Schwark. Zwar würden Geringverdiener nach wie vor zu wenig für ihren Ruhestand zurücklegen, „wenn, dann tun sie es aber mit Riester“.  

Deutlichen Gegenwind bekam die Idee einer Riester-Reform jedoch nicht nur von Seiten der anwesenden Vertreter von Grünen und Linken, sondern auch von Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband. „Wir können es uns nicht leisten, die kommenden vier Jahre mit einer Reform der Riester-Rente zu verschwenden“, mahnte Mohn, „wir brauchen einen Neuanfang." Dieser solle möglichst aus der Extra-Rente bestehen, bei der die Menschen über ihren Arbeitgeber verstärkt in Aktien investieren sollen, warb Mohn.  

Verrentungszwang abschaffen

Bei der Altersvorsorge sei der Staat in der Pflicht, diese möglichst effizient zu gestalten – das bedeute unter anderem, dass die Kosten möglichst gering ausfallen. Bereits in der Vergangenheit waren aus Reihen des Verbraucherschutzes immer wieder hohe Abschluss- und Verwaltungskosten bei vielen Riester-Produkten angemahnt worden.

Axel Kleinlein, Vorsitzender des Bunds der Versicherten, prangerte vor allem den Verrentungszwang staatlich geförderter Produkte, wie der Basis- sowie der Riester-Rente, an. „Warum wird Altersvorsorge immer nur als Rente gedacht?“, bemängelte Kleinlein, der sich für mehr Freiheit und Eigenverantwortung der Sparer stark machte.  

Den Verrentungszwang aufzuheben – eine Idee, die auch Anklang bei Anbietern sowie in Teilen der Politik findet. So warb beispielsweise FDP-Finanzexperte Frank Schäffler für das von seiner Partei propagierte Altersvorsorgekonto, in das auch die Riester-Rente integriert werden soll. Dem Sparer sollen dabei größtmögliche Freiheiten eingeräumt werden, auf welche Weise er fürs Alter spart. Eine Entnahme ist ab dem 60. Lebensjahr möglich, ein Verrentungszwang besteht nicht.    

Versicherer haben System stabilisiert

Mit Spannung war auf der Veranstaltung BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund erwartet worden, der einen Ausblick auf die derzeitige Situation der deutschen Lebensversicherer gewährte. Diese stünden trotz Corona robust da, berichtete Grund. „Lebensversicherer haben sich Anfang 2020, als die Aktienmärkte unter Druck gerieten, sogar als Stütze des Systems erwiesen.“ So hätten die Unternehmen zu Zeiten einbrechender Kurse antizyklisch investiert – auch in Anleihen mit geringerer Bonität – und so das System stabilisiert.  

Derzeit würden 20 Lebensversicherer von der BaFin eng beaufsichtigt, da hier Befürchtungen bestehen, dass die Unternehmen nach Auslaufen der Solvency-II-Übergangsmaßnahmen ihre Eigenkapitalanforderungen nicht erfüllen können. Grund wiederholte aber seine Aussage, dass die BaFin Versicherern das Neugeschäft verbieten werde, wenn diese nicht in der Lage seien, dauerhaft eine Solvenzquote von 100 Prozent aufzuweisen.  

Die Befürchtung, dass sich die Versicherer aufgrund des bestehenden Niedrigzinsumfeldes verstärkt in hochriskante Anlagen treiben lassen, teilte Grund nicht. „Das können wir bislang nicht beobachten.“ Dennoch wollten viele Versicherer in Zukunft verstärkt in alternative, weniger liquide Anlagen wie beispielsweise Infrastrukturprojekte investieren. Dieser Schwenk müsste sich dann aber auch in ihrem Risikomanagement widerspiegeln, machte Grund deutlich.

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