Amazon startet Versicherungsangebot für Unternehmen in Großbritannien

Martin Thaler Digital Berater Versicherungen

Der amerikanische Handelsriese Amazon macht einen weiteren Schritt in Richtung Versicherungsgeschäft. In Großbritannien nimmt der Tech-Gigant jetzt kleine und mittlere Unternehmen ins Visier.

Großbritannien Bild: Pixabay/Chickenonline

In Großbritannien bietet Amazon ab sofort Haftpflicht-, Cyber und Inhaltsversicherungen für kleinere und mittlere Unternehmen an. Bild: Pixabay/Chickenonline

Der amerikanische Handelsriese Amazon macht einen weiteren Schritt in Richtung Versicherungsgeschäft: Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur „Reuters“ hat sich Amazon hierfür mit dem britischen Makler Superscript zusammengetan, um künftig Inhalts-, Cyber sowie Haftpflichtpolicen gezielt an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aus dem Vereinigten Königreich zu verkaufen.

Das Angebot richtet sich an alle Unternehmen, die Mitglied bei Amazon Business Prime sind. Mit einer Mitgliedschaft, die Unternehmen je nach gewünschtem Leistungsumfang zwischen 40 und 4.500 Pfund im Jahr kostet, bekommen die Unternehmen zahlreiche Vorteile, beispielsweise schnellere Lieferzeiten, gewährt. Ab sofort gehört auch die Möglichkeit, Versicherungen über die Plattform abzuschließen, zum angebotenen Leistungsumfang. Um die Unternehmen zu locken, wird derzeit mit Rabatten von 20 Prozent geworben.  

Die Bereitschaft, Versicherungsschutz nicht klassisch beim Versicherer oder Makler, sondern auch bei nicht-traditionellen Anbietern zu erwerben, scheint laut einer Capgemini-Umfrage vorhanden zu sein: 50 Prozent von weltweit 12.000 befragten Personen können sich das vorstellen.  

Schritt für Schritt

Für Amazon ist es nicht der erste Schritt in Richtung Versicherungsgeschäft: Nachdem der Tech-Gigant sich mittels einer Kooperation mit dem Startup Acko bereits auf den indischen Markt vorgewagt hatte, lancierte Amazon vor wenigen Monaten auch in den USA ein Angebot für Händler, die ihre Waren über die Plattform vertreiben.  

Nicht alle Bemühungen von Amazon, im Versicherungsgeschäft Fuß zu fassen, sind allerdings auch von Erfolg gekrönt. So gründete der Handelsriese im Januar 2018 zusammen mit der New Yorker Bank JP Morgan und Berkshire Hathaway, der Gesellschaft von Investment-Legende Warren Buffet, einen gemeinsamen Krankenversicherer namens Heaven Healthcare, um den hohen Gesundheitskosten in den USA etwas entgegenzusetzen. Im Februar dieses Jahres war allerdings schon wieder Schluss, die beteiligten Unternehmen beerdigten das Gemeinschaftsprojekt.  

Auch wenn die deutschen Versicherer einen Einstieg von Amazon in den deutschen Versicherungsmarkt tunlich nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten, halten es Branchenvertreter für unwahrscheinlich, dass große Techunternehmen wie Google, Amazon, Facebook oder Apple (kurz GAFA) als eigene Anbieter von Versicherungsprodukten in Erscheinung treten werden.  

Ist ein echter Einstieg realistisch?

„Facebook ist Gartenparty und auf Gartenparties werden keine Versicherungen verkauft“, kommentierte Dr. Jürgen Cramer, Vorstandsmitglied der Sparkassen-Direktversicherung, jüngst auf einer Fachveranstaltung entsprechende Vermutungen. Zwar sei es im Bezug auf Amazon denkbar beziehungsweise schon Realität, dass der Online-Händler Versicherungsprodukte für seine Handelspartner vertreibe beziehungsweise den Kunden Annexpolicen beim Kauf bestimmter Produkte anbiete – eine eigenes Versicherungsunternehmen als Teil des Amazon-Konzerns erwarte er aber nicht, so Cramer.

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