Altersvorsorge: „Bundesregierung muss richtungsweisende Entscheidungen treffen“

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Statt eines staatlich verwalteten Rentenfonds plädiert der Vermittlerverband, den einzelnen Sparern mehr Wahlmöglichkeiten bei ihrer privaten Altersvorsorge zu gewähren. So sollen diese beispielsweise „auf unnötige Garantien jeder Art verzichten können“.  

Hierbei drängt Votum aufs Tempo. Nicht ohne Grund: Aufgrund der Herabsetzung des Höchstrechnungszinses von derzeit 0,9 auf 0,25 Prozent zu Beginn des kommenden Jahres haben bereits erste Anbieter erklärt, sich aus dem Riester-Geschäft zurückziehen zu wollen. Weitere Unternehmen dürften folgen. „So droht eine Versorgungslücke bei geförderten Altersvorsorgeverträgen zu entstehen, die gerade Geringverdiener und Familien am notwendigen Aufbau einer privaten Altersvorsorge hindert.“  

Drängen auf unverzügliche Minimal-Reform

Unverzügliches Handeln sei entsprechend dringend geboten und in Form einer Absenkung des Garantieniveaus relativ unkompliziert durchführbar, argumentiert Votum. So soll es nach Sicht des Verbands in Paragraph 1 Abs. 1 Ziffer 3 des Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetzes künftig heißen:  

„3. In welcher der Anbieter zusagt, dass zu Beginn der Auszahlungsphase zumindest 80 % der eingezahlten Altersvorsorgebeiträge für die Auszahlungsphase zur Verfügung stehen und für die Leistungserbringung genutzt werden […].“  

Eine Senkung der Bezüge für die Sparer erfolge durch die Garantie-Senkung nicht, heißt es im Papier. Im Gegenteil: „Sie werden eine Steigerung ihrer Bezüge erfahren, da es den Anbietern mit dieser Minimal-Reform möglich ist, renditeträchtigere Produkte bei einer angemessenen Risikoabsicherung anzubieten.“  

Genauso alternativlos wie die Stärkung der privaten Altersvorsorge ist aus Sicht von Votum der Umbau Deutschlands zu einer nachhaltigen Gesellschaft, zu der auch die Finanzwirtschaft ihren Teil beitragen kann beziehungsweise muss.  

Hierbei mahnt der Verband jedoch vor deutschen Alleingängen und plädiert für einheitliche Maßnahmen aller EU-Mitglieder. Ansonsten drohe eine Flucht der Kapitalverwaltungsgesellschaften ins Ausland. Ähnliche Befürchtungen hatte unlängst auch der Fondsverband BVI geäußert, nachdem die Finanzaufsicht BaFin vor kurzem einen Richtlinienentwurf veröffentlichte, mit dem das sogenannte Greenwashing bei Fonds künftig verhindert werden soll. Darin entwarf die BaFin verschiedene Mindestkriterien, die Fondsanbieter erfüllen müssen, um ihre Fonds als nachhaltig bezeichnen zu dürfen.

Berater und Vermittler haben Schlüsselfunktion

Maß halten soll der Staat auch, wenn es um die Anlageberatung geht. „Eine Überforderung muss dabei auf jeden Fall vermieden werden.“ Das heißt konkret: Anstatt den Beratungsprozess weiteren Regeln zu unterwerfen, soll der Staat aus Sicht von Votum nachhaltige Geldanlagen vielmehr durch Anreize und Erleichterungen fördern.  

Nur mit und nicht ohne Berater und Vermittler könne aus Sicht des Verbands der Wandel hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft gelingen – das gleiche gelte im Bezug auf die Altersarmut. „Die Politik muss erkennen, dass die Lösung der großen Herausforderungen der Nachhaltigkeit und Altersvorsorge nur über diese Schlüsselindustrie [die Versicherungs- und Annlagevermittler, Anm. der Redaktion] führt.“

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