Altersvorsorge: „Bundesregierung muss richtungsweisende Entscheidungen treffen“

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Auf die kommende Bundesregierung warten Fragen von höchster Wichtigkeit. Insbesondere bei den Themen Altersvorsorge und Nachhaltigkeit gilt es, die Weichen für die Zukunft grundlegend zu stellen. Der Vermittlerverband Votum macht nun seine Prioritäten deutlich.

Martin Klein Bild: Votum

Der Vermittlerverband VOTUM unter seinem Vorsitzenden Martin Klein (Foto) drängt bei der Altersvorsorge auf schnelle Reformen. Bild: Votum

In wenigen Wochen endet nach 16 Jahren die Ära von Angela Merkel. 16 Jahre, in der Merkel die Stiege von „Kohls Mädchen“ hin zur weltweit respektierten Krisenkanzlerin nahm, in der aus der als mutlos kritisierten „Madame No“ zeitweise die „Führerin der freien Welt“ wurde.  

Nun, nach vier Legislaturperioden unter CDU-Führung, scheinen die Zeichen der Zeit auf Wandel zu stehen. In den Wahlumfragen thront seit Wochen SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz an der Spitze, während die CDU unter ihrem Kandidaten Armin Laschet – glaubt man den Umfragen – deutlich an Zustimmung eingebüßt hat. Wer die kommende Bundesregierung stellt, ist jedoch weiterhin vollkommen offen.  

Unabhängig vom Ergebnis gilt die Wahl vielerorts als Zäsur, als Richtungswahl. Denn die Herausforderungen, denen sich Deutschland stellen muss, sind gewaltig: Der Klimawandel, der auch für die Menschen zwischen Rhein und Oder immer spürbarer wird, verlangt ein energisches Anpacken seitens der Politik – das unterstrich erst im April das Bundesverfassungsgericht. Auch bei der Digitalisierung ist der Handlungsbedarf groß: Erst vor wenigen Wochen verortete eine Untersuchung des Berliner European Center for Digital Competitiveness Deutschland europaweit auf den vorletzten Platz – lediglich Albanien ist im Hinblick auf die digitale Wettbewerbsfähigkeit noch schwächer aufgestellt.  

Richtungsweisende Entscheidungen

Eine weitere Großbaustelle ist das Thema Altersvorsorge – grundlegende Fragen, wie die gesetzliche Rente sichergestellt und die private Altersvorsorge gestärkt werden kann, wurden in der aktuellen Legislaturperiode nicht angegangen.  

Auch der Vermittlerverband Votum sieht die kommende Bundesregierung hier in der Verantwortung. „Die nächste Bundesregierung muss richtungsweisende Entscheidungen treffen“, heißt es in einem aktuellen Impulspapier, das der Verband an diesem Mittwoch veröffentlichte. Maßgeblich sei in Bezug darauf, dass das Vertrauen der Bürger in den Staat nicht untergraben werde – sei es durch Unaufrichtigkeit, Irreführung oder Untätigkeit.  

Für Votum steht dabei fest: Die gesetzliche Rentenversicherung allein kann für breite Bevölkerungsschichten keine auskömmlichen Renten mehr generieren. „Die Rekordzahlen bei den Erwerbstätigen liegen hinter uns“, formuliert der Verband und widerspricht damit den Darstellungen einiger Parteien, demgemäß die gesetzliche Rente durch qualifizierte Zuwanderung oder die Ausweitung der Frauen-Erwerbstätigkeit in erforderlichem Maße stabilisiert werden könne.  

Anreize für zweite und dritte Säule

Entscheidend sei es folglich, die private Vorsorge durch Anreize in der zweiten und dritten Säule zu stärken. Hier gelte es im Hinblick auf die betriebliche Altersversorgung unter anderem, Doppelverbeitragungen konsequent zu vermeiden. „Wer lange in die betriebliche Altersvorsorge eingezahlt hat und in der Bezugsphase sieht, dass seine Zusatzrente durch Krankenkassenbeiträge und Steuern dahinschmilzt, fragt sich, warum er überhaupt gespart und nicht wie andere konsumiert hat“, heißt es mahnend im Impulspapier.

Auch beim Thema Riester gelte es sicherzustellen, dass das Vertrauen der Bürger nicht erodiert: „Wer leichtfertig in den Abgesang auf die Riester-Rente einstimmt und deren vermeintliches Scheitern konstatiert, muss damit rechnen, dass nicht nur die heutigen Riester-Sparer, sondern auch die zukünftigen Generationen ein tiefsitzendes Misstrauen gegenüber staatlichen Rentenmaßnahmen entwickeln.“ In der Politik gilt die Riester-Rente weitgehend als gescheitert – lediglich die FDP bekannte sich in ihrem Wahlprogramm dazu, das bestehende Riester-System zu reformieren, anstatt das ohnehin schon komplexe Fördersystem um eine weitere Option zu erweitern.  

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