Zusatzbeitrag: Krankenkassen rechnen mit kräftiger Erhöhung

Hannah Petersohn Versicherungen

Die Gesundheitskosten sind seit Beginn der Pandemie um ein Vielfaches gestiegen. Um das entstandene Milliardendefizit auszugleichen, erhöhen immer mehr Krankenkassen den Zusatzbeitrag. Nun hat auch die AOK bekanntgegeben, Versicherte stärker zur Kasse zu bitten.

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Den Krankenkassen droht ein Milliardenloch. Nun vermeldet auch die AOK ihre Beiträge im kommenden Jahr zu erhöhen. Bild: Adobe Stock/Stockfotos-MG

Millionen gesetzlich Versicherte müssen sich im kommenden Jahr auf eine Erhöhung ihres Krankenkassenbeitrags einstellen – das gilt auch für Kunden der AOK. „Wenn die Bundesregierung keine weiteren Zuschüsse für die Krankenkassen beschließt, würde der Zusatzbeitrag von derzeit 1,3 auf 2 Prozent ansteigen“, prognostiziert der stellvertretende Vorsitzende des AOK-Bundesverbandes Jens Martin Hoyer gegenüber der "Bild".

In der Summe würde der Beitrag, der sich aus Grundbeitrag und Zusatzbeitrag berechnet, dann bei 16,6 Prozent liegen. Angenommen ein Arbeitnehmer verdient 3.000 Euro brutto monatlich müsste er dann insgesamt 126 Euro mehr pro Jahr zahlen beziehungsweise statt monatlich 238,50 Euro dann 249 Euro.

Nach Jahren mit Milliardenüberschüssen sind die Krankenkassen nun mit einem Finanzdefizit konfrontiert. Nach Schätzungen des GKV-Verbands fehlen insgesamt bis zu 15 Milliarden Euro. Ein geplanter Steuerzuschuss von sieben Milliarden Euro reiche nicht ansatzweise aus, um das Loch zu stopfen.

Die Techniker Krankenkasse (TK), der größte Krankenversicherer Deutschlands, hatte bereits Anfang 2021 die Zusatzbeiträge erhöht, nachdem die Kosten im Gesundheitswesen Corona-bedingt, durch zusätzliche Intensivbetten und Impfungen, gestiegen sind. Zudem treiben die alternde Bevölkerung, das Ausbleiben von Einnahmen durch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit und teure Reformen der vergangenen Jahre die Ausgaben in die Höhe. „Die Lage ist dramatisch“, sagte Jens Baas, TK-Chef bereits im April dieses Jahres. Die Kassen stehen vor einen Milliardendefizit, den Versicherten drohen hohe Kosten.

Erhöhung für alle gesetzlich Versicherten?

„Nicht nur die AOK wird die Beiträge erhöhen. Weitere gesetzliche Krankenkassen werden den Zusatzbeitrag anheben müssen“, prognostiziert auch Kai Kirchner von der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Der Verband der Krankenkassen (GKV) könne hingegen momentan noch nicht konkret einschätzen, wie es um die Krankenkassenbeiträge im kommenden Jahr bestellt ist.  „Derzeit werden die Finanzergebnisse aller einzelnen Krankenkassen des ersten Halbjahres zusammengetragen“, sagt Florian Lanz, Pressesprecher des GKV-Spitzenverbands.

Auf dieser Basis entscheidet dann die Bundesregierung über eine mögliche Erhöhung des Zuschusses für das kommende Jahr, die dann noch durch den Bundestag Anfang September bestätigt werden muss. „Wenn wir diese Entscheidung kennen, wird der GKV-Schätzerkreis relativ verlässlich sagen können, wie es mit den Krankenkassenbeiträgen im Bundesdurchschnitt im kommenden Jahr weitergehen wird“, so Lanz weiter. Ob der Zusatzbeitrag letztlich erhöht wird, entscheidet allerdings jede Krankenkasse individuell.

Wechsel der Krankenkasse

Für Makler bieten die erneuten Beitragsanhebungen eine Chance, schließlich sind Kunden in dieser Situation eher geneigt, ihre Krankenkasse zu wechseln. Zwar fällt die von den Krankenkassen an die Makler gezahlte Aufwandsentschädigung, derzeit sind das bis zu knapp 99 Euro, für einen solchen Wechsel eher gering aus, doch kann die Beratung zum Krankenkassenwechsel ein "Türöffner" gegenüber dem Kunden sein. Makler können zugleich die durch einen Kassenwechsel erzielte Kostenersparnis als Beratungsaufhänger nutzen, beispielsweise für den Abschluss von Krankenzusatzversicherungen.

Zumal ein solcher Wechsel mittlerweile leichter geworden ist: „Versicherte müssen nur noch maximal ein Jahr bei ihrer Krankenkasse bleiben“, sagt Verbraucherexperte Kirchner. „Bei Beitragserhöhungen greift das Sonderkündigungsrecht, dann kann bereits vor Ablauf der Jahresfrist der Vertrag gekündigt werden.“

Der Wechsel von einer gesetzlichen Krankenkasse zu einer anderen sei wesentlich unproblematischer als von einer privaten Krankenkasse in eine andere. Denn unabhängig von Alter, Vorerkrankungen oder der Häufigkeit eines Versicherungswechsels sind die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet jeden Kunden aufzunehmen. „Es gibt aber Fälle, bei denen man sich einen Wechsel überlegen sollte, zum Beispiel beim Bezug von Krankengeld“, sagt Kirchner. Die neue Krankenkasse ist nämlich nicht an die Leistung der alten gebunden und muss aufwendige Versorgungsleistungen nicht zwangsläufig weiterführen.

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