Wasserstoff-Aktien: Gelobt und tief gefallen

Investmentfonds Top News von Lilian Fiala

Für Wasserstoff-Unternehmen ging es in den vergangenen Monaten turbulent zu an den Märkten. Nur eine vorübergehende Durststrecke oder ist ein Ende des Hypes in Sicht?

Wasserstoff als Energiequelle, Bild: Adobe Stock/ Mediaparts

Grüner Wasserstoff könnte als alternative Energiequelle in einer Vielzahl von Industrien dienen. Bild: Adobe Stock/ Mediaparts

Naturkatastrophen, Extremwetter, Artensterben – der Klimawandel macht sich auf der ganzen Welt immer deutlicher bemerkbar. Lösungen müssen her, und zwar schnell. Als Hoffnungsträger gilt der sogenannte grüne Wasserstoff. Damit ist Wasserstoff gemeint, der aus Wasser durch Wasserspaltung mit Elektrolyseuren aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Bis zum Jahr 2050 könnten 24 Prozent der weltweiten Energienachfrage mit sauberem Wasserstoff gedeckt werden, die Wasserstoffwirtschaft könnte zudem laut Schätzungen der Bank of America ein Umsatzvolumen von 2,5 Billionen US-Dollar und ein Infrastrukturpotential von elf Billionen US-Dollar erreichen.

Hype (vorerst) beendet

Das grüne Versprechen hat lange Zeit für eine beeindruckende Entwicklung der entsprechenden Unternehmen an der Börse gesorgt. Doch damit ist seit diesem Frühjahr Schluss. Paradebeispiel: Weltmarktführer Ballard-Power. Das Unternehmen enttäuschte Anleger zuletzt mit den Quartalszahlen für das erste Jahresviertel. Dem Unternehmen mangelt es nicht nur an Gewinnen, sondern auch an Umsatz. Ballard-Power kann Investitionen in die eigene Technologie nur mit Hilfe von externen Investoren finanzieren. Dementsprechend niedrig notiert das Unternehmen am Markt. Zeitweise fielen die Kurse um 35 Prozent.

Auch andere wichtige Player, wie Nel ASA oder Fuelcell Energy, verzeichneten Verluste. Ebenso tendieren die bisher rar gesäten Wasserstoff-Fonds derzeit nach unten, beispielsweise der L&G Hydrogen Economy ETF, der Van Eck Vectors Hydrogen Economy ETF und der GG Wasserstoff R Fonds. Da das Anlegerinteresse an nachhaltigen Geldanlagen und somit auch an Wasserstoff wächst, stehen Berater nun vor der Frage: Ist der Trend nun endgültig begraben, oder legen die Wasserstoff-Titel nur eine Pause ein?

Schuld an der jüngsten Preisentwicklung sind laut Aanand Venkatramanan, Leiter ETF-Investmentstrategien bei Legal & General Investment Management (LGIM), vier Faktoren: Zum einen die Schwäche im breiteren Energiesektor zu Beginn des Jahres, zum anderen pandemiebedingte Einschränkungen bei den Investitionsausgaben von Unternehmen. „Hinzu kommen langsamer als erwartete Ankündigungen von politischer Unterstützung für grünen Wasserstoff aufgrund von Covid-19. Ebenso wie geringere Kohlenstoff-Strafzahlungen für Industrien mit hohem Kohlenstoff-Fußabdruck, was den Unternehmen den Anreiz nimmt, von schmutzigen Brennstoffen wegzukommen“, erklärt Venkatramanan.

Mit der bevorstehenden politischen Unterstützung in vielen Ländern der Welt und den weiter sinkenden Produktionskosten erwartet er jedoch eine größere Akzeptanz von grünem Wasserstoff. Beschleunigen könnten das seiner Ansicht nach höhere Kohlenstoff-Strafzahlungen für Industrien mit hohem CO2-Fußabdruck.

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