Wann muss die Reiseversicherung zahlen, wann nicht?

Martin Thaler Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News

Millionen Deutsche genießen derzeit ihre Sommerferien und begeben sich auf Reisen. Doch insbesondere Corona macht den Versicherungsschutz kompliziert, wie vier Beispiele des Versicherungs-Ombudsmannes zeigen.

Urlaub Bild: Adobe Stock/Kletr

Nicht jeder Urlaub verläuft so wie geplant. Und nicht immer kommt die abgeschlossene Reiseversicherung für den Schaden auf. Bild: Adobe Stock/Kletr

In vielen deutschen Bundesländern genießen die Deutschen derzeit ihre Sommerferien. Stockbrot statt Stechuhr, Mietwagen statt Meeting lautet in den kommenden Wochen die Devise.

Auch Auslandsreisen sind trotz der anhaltenden Pandemie in diesem Jahr wieder eingeschränkt möglich. Doch beim Reise-Versicherungsschutz hat Corona zahlreiche Fragen aufgeworfen: Wann gilt die Pandemie als versichertes Ereignis, welche Auswirkungen hat sie auf die Policen-Laufzeiten und wann braucht es zusätzlichen Schutz?

Viele Fragen, deren Antworten für den Versicherungsnehmer offenbar nicht immer zufriedenstellend ausfallen. So stieg die Zahl der beim Ombudsmann eingehenden Reiseversicherungs-Beschwerden im Vergleich zum Vorjahr um 80 Prozent. Laut Jahresbericht entfielen somit zwei Drittel der 1.396 dem Bereich "sonstige Versicherungen" zugeordneten Beschwerden auf die Reiseversicherung. Covid-19 spielte dabei sehr häufig – unmittelbar oder nur mittelbar – eine wichtige Rolle.

In welchen Fällen die Versicherer nicht leisten mussten und wann der Ombudsmann einen Erfolg für die klagenden Versicherungsnehmer erzielen konnte, zeigen einige Fälle aus dem aktuellen Jahresbericht.

Wann muss die Reiseversicherung zahlen, wann nicht?

Kündigung in der Probezeit
Einem Mann war in der Probezeit gekündigt worden. Seine Versicherung wollte das jedoch nicht als versicherten Reiserücktrittsgrund anerkennen. Schließlich geschehe eine Kündigung in der Probezeit nicht unerwartet und sei somit kein versichertes Ereignis. Gestützt wird diese Auffassung unter anderem von einem Urteil des Münchener Amtsgerichts aus dem Jahr 2002.Dieser Auffassung wollte sich der Ombudsmann nicht vollumfänglich anschließen. Die reine Möglichkeit, jederzeit die Kündigung zu bekommen, mache nicht jede Kündigung erwartbar. Im vorliegenden Fall war die Corona-Pandemie Auslöser für die Kündigung. Der Arbeitnehmer hatte mit seinem Chef zuvor in einem Gespräch bereits die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses vereinbart, als ihm die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Damit habe der Mann aber nicht rechnen können, so der Ombudsmann. Daraufhin lenkte der Versicherer ein, „aus Kulanzgründen“, wie er betonte. Bild: Pixabay/succo