Versicherer erwartet steigende Preise für Autos

Martin Thaler Versicherungen

Halbleiter sind derzeit ein rares Gut. Für die Autohersteller könnte der Mangel allerdings eine Gelegenheit sein, die Preise für Neuwagen merklich anzuheben, glaubt der Versicherer Euler Hermes.

Autohändler Bild: Adobe Stock/Studio Romantic

Wer zukünftig einen Neuwagen kauft, muss wahrscheinlich mehr zahlen, glaubt der Versicherer Euler Hermes. Bild: Adobe Stock/Studio Romantic

Ohne Computerchips ist ein modernes Auto heutzutage nicht mehr denkbar: Sie steuern Antrieb, Airbags und Assistenzsysteme, regulieren Fahr- und Bremsverhalten. Der wesentliche Bestandteil dieser Computerchips sind Halbleiter. Das Problem: Die Nachfrage nach Halbleitern übersteigt das Angebot bei weitem. Das könnten deutsche Autofahrer laut einer Studie des Kreditversicherers Euler Hermes bald zu spüren bekommen – zumindest dann, wenn sie einen Neuwagen kaufen wollen. Denn das Missverhältnis von Nachfrage und Angebot biete aus Sicht von Euler Hermes für die Autohersteller eine einmalige Gelegenheit, ihre Gewinnmargen durch die Erhöhung der Preise anzuheben.  

„Die europäischen und deutschen Autobauer sitzen durch die Chip-Knappheit aktuell am längeren Hebel“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Drei bis sechs Prozent Preissteigerung sind europaweit deshalb aktuell drin, in Deutschland sogar zwischen vier und über zehn Prozent – zumindest bis sich der Ausnahmezustand bei den Halbleitern wieder normalisiert. Dieser dürfte allerdings noch bis ins erste Halbjahr 2022 hinein andauern.“  

Deutlich steigende Nachfrage

Im ersten Halbjahr 2021 stieg die Nachfrage nach Pkw im Vergleich zum Vorjahr deutlich an. Das ist wenig verwunderlich, wurde der Autokauf durch den umfassenden Lockdown im vergangenen Jahr doch deutlich erschwert. So stieg die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland um knapp 15 Prozent. In Europa betrug der Zuwachs gar 25,2 Prozent – insgesamt 5,4 Millionen Pkw wurden somit erstmalig zugelassen.  

„Der Nachhol-Boom ist in vollem Gang und die Branche gibt wieder Gas“, sagt Van het Hof. "Diese Erholung sowie die steigende Preissetzungsmacht ist für die gesamte Branche ein Hoffnungsschimmer für die baldige Rückkehr in eine neue Normalität.“ Mit den steigenden Margen hätten die Autohersteller zudem den nötigen Rückenwind, um dringend notwendige Entwicklungen im Hinblick auf mehr Nachhaltigkeit und die Entwicklung alternativer Antriebstechniken anzuschieben. Für die Verbraucher dürften die zu erwartenden Preissteigerungen hingegen keine gute Nachricht darstellen.

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