Verbraucherschützer wollen Elementarabdeckung von über 80 Prozent

Martin Thaler Versicherungen Top News

Verheerende Unwetter werden durch den Klimawandel immer wahrscheinlicher, doch nicht einmal jeder zweite Hausbesitzer verfügt über eine Elementarversicherung. Wie lässt sich das ändern? Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat nun einige Ideen präsentiert.

Hochwasser Bild: Pixabay/bohemianbikini

Der vzbv will den Absatz von Elementarversicherungen deutlich steigern. Bild: Pixabay/bohemianbikini

Die Schäden, die Unwettertief „Bernd“ vor allem im Westen der Republik hinterließ, sind gewaltig: Hunderte zerstörte Häuser, Tausende unbrauchbare Fahrzeuge, weggeschwemmte Brücken, Eisenbahntrassen, Strom- und Gasleitungen.  

Angesichts der gewaltigen Verheerung war die Debatte, wer für derartige Schäden in Zukunft aufkommen soll, nur folgerichtig. Auch das Thema „Pflichtversicherung“ landete, wie bereits zuvor nach schwerwiegenden Flutkatastrophen in der Vergangenheit, schnell auf der Tagesordnung. Während bei einigen Politikern die Pflichtversicherungs-Idee schnell aufgegriffen wurde, sträuben sich die Versicherer. Sie befürchten unter anderem, dass durch die Einführung einer Pflichtversicherung jegliche Motivation abhanden kommt, mögliche Schäden zu vermeiden.  

vzbv veröffentlicht Positionspapier

Eine vermittelnde Position nimmt nun der Verbraucherzentrale Bundesverband in einem aktuellen Positionspapier ein: Um einen bezahlbaren Versicherungsschutz für jedermann sicherzustellen, plädieren die Verbraucherschützer für die Einführung einer Allgefahrendeckung in der Wohngebäudeversicherung.

Während heutzutage Naturereignisse wie Starkregen, Erdrutsche oder Lawinen nur über eine Elementarversicherung versichert werden können, sollen diese in Zukunft über die Wohngebäudeversicherung abgedeckt werden. Jedoch soll jeder Hausbesitzer die Möglichkeit haben, den Elementarschutz aktiv abzuwählen. Für die Verbraucherschützer gilt die Allgefahrendeckung als „milderes Mittel“ gegenüber der Versicherungspflicht.  

Bei der Umstellung bereits bestehender Wohngebäudeversicherungen fordern der vzbv die Unterstützung der Versicherer ein. Diese sollen ihren Kunden „in verständlicher Art und Weise beide Produktvarianten unter Darstellung der jeweiligen Versicherungsprämien erläutern und ihnen eine angemessene Frist zur aktiven Entscheidung für eine Produktvariante einräumen“, heißt es im Positionspapier. Werden die Kunden nicht aktiv, solle der Versicherer den Vertrag auf die neue Allgefahren-Version umstellen.  

Auf diese Weise möchten die Verbraucherschützer erreichen, dass mindestens 80 Prozent der Hausbesitzer gegen Elementarschäden abgesichert sind. Laut GDV-Zahlen verfügen derzeit lediglich 46 Prozent über den entsprechenden Schutz – zuletzt stieg die Nachfrage jedoch spürbar an, berichteten mehrere Versicherer.  

Sollte das 80-Prozent-Ziel nicht innerhalb von zwei Jahren erreicht werden, würde auch aus Sicht des vzbv die Einführung einer Pflichtversicherung notwendig werden. Gleiches gelte für den Fall, dass der Versicherungsschutz für bestimmte Kundengruppen unbezahlbar werde. Im Fokus stehen hier vor allem Bewohner der sogenannten ZÜRS 4-Zone sowie Hausbesitzer, die aufgrund von Schadenereignissen in der Vergangenheit ihren Versicherungsschutz verloren haben.  

Finanzielle Belastung verringern

Durch die Einführung einer Allgefahrenversicherung würde sich der Versicherungsschutz natürlich verteuern – für manche Hausbesitzer um bis zu 30 Prozent, führt der vzbv aus. Entsprechend notwendig sei deshalb ein Mechanismus, der die finanzielle Belastung für Verbraucher in besonders risikoreich geltenden Gebieten verringere. In einem Schritt solle eine Prämienreduzierung über Selbstbehalte versucht werden, schlagen die Verbraucherschützer vor. Der Vorteil: Gleichzeitig könnte auf diese Weise die Motivation zur Eigenvorsorge beziehungsweise Schadenprävention gesteigert werden.

Sollte dieser Schritt nicht ausreichen, könnten entsprechende Verträge in einem „Schlechte-Risiken-Pool“ gebündelt werden. Dieser hilft entweder dabei, Versicherungsschutz zu organisieren oder gewährt diesen selbst. Die Finanzierung des Pools erfolgt durch einen Solidaritätszuschlag aller Versicherungsnehmer, schlägt der vzbv vor.  

Weitere Maßnahmen gefordert

Darüber hinaus soll die Einführung einer Allgefahrenversicherung für Hausbesitzer durch zahlreiche begleitende Maßnahmen. Plädiert wird unter anderem für:  

  • begleitende Maßnahmen im Bauordnungs- und Planungsrecht
  • Präventionsmaßnahmen gegen Naturgefahren wie Erdrutsch, Hochwassser und Sturmfluten
  • die Förderung von Hochwasserschutzmaßnahmen, analog zur energetischen Sanierung
  • Unterstützungsleistungen des Staates, um Versicherungsprämien bezahlbar zu halten
  • eine staatliche Ausfalldeckung, die über die Höchstgrenze eines am Markt darstellbaren Versicherungsschutzes über Erst- und Rückversicherer hinausgeht

Das vollständige Positionspapier finden Sie hier.