Urteil: D&O-Schutz für weiteren Wirecard-Mitarbeiter

Martin Thaler Berater Recht & Haftung Versicherungen

Erst Anfang Juli gestand das Frankfurter Oberlandesgericht dem ehemaligen Wirecard-Chef Markus Braun Leistungen aus dessen D&O-Versicherung zu. Auch für einen weiteren ehemaligen Firmenangestellten muss die Versicherung nun die Anwaltskosten übernehmen.

Urteil Bild: Adobe Stock/sebra

Das Frankfurter OLG gestand nun einem weiteren angeklagten Ex-Wirecard-Mitarbeiter Leistungen aus einer D&O-Versicherung zu. Bild: Adobe Stock/sebra

Erneut hat das Frankfurter Oberlandesgericht (OLG) einem ehemaligen Angestellten der insolventen Wirecard AG vorläufig Schutz aus einer bestehenden D&O-Versicherung zugestanden (Az: 7 W 13/21): So muss der Versicherer die Anwaltskosten für den ehemaligen Chefbuchhalter des einstigen DAX-Konzerns übernehmen, der zugleich als Geschäftsführer für die Tochterfirma Wirecard Technologies GmbH das sogenannte Drittpartnergeschäft verantworte.  

Dem ehemaligen Chefbuchhalter wird neben weiteren Beschäftigten der Firma von der Münchener Staatsanwaltschaft unter anderem gewerbsmäßiger Bandenbetrug, Bilanzfälschung und Marktmanipulation vorgeworfen. Im März hatte der Mann vor dem Bundestagsuntersuchungsausschuss Kenntnisse von betrügerischen Machenschaften bei Wirecard verneint. Die Zahlen im Drittpartnergeschäft im Ausland, wo der Betrug abgelaufen sein soll, hätten ihn nicht skeptisch gemacht, berichtete der Mann laut einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa dem Ausschuss.  

Im vergangenen Sommer hatte der Zahlungsdienstleister Wirecard Insolvenz anmelden müssen, nachdem das Unternehmen die Existenz von 1,9 Milliarden Euro, die angeblich auf Treuhandkonten liegen sollten, nicht nachweisen konnte. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass es dieses Geld nie gegeben hat.  

Versicherungsleistungen für Markus Braun

Bereits Anfang Juli hatte das OLG Frankfurt Markus Braun, dem einstigen Geschäftsführer des Unternehmens, Leistungen aus einer D&O-Versicherung zuerkannt. Diese hatte sich geweigert, für die Anwaltskosten Brauns aufkommen zu müssen und sich darauf berufen, von dem Österreicher arglistig getäuscht worden zu sein.  

Das Gericht erkannte zwar an, dass der Versicherungsschutz bei der Feststellung einer vorsätzlichen und wissentlichen Pflichtverletzung des Versicherungsnehmers entfalle. Da jedoch sowohl Markus Braun als auch der ehemalige Wirecard-Chefbuchhalter die Anklagen bestreiten und es bislang kein rechtskräftiges Urteil gibt, muss die D&O-Versicherung für die Verteidigungskosten aufkommen.  

Noch ist die Entscheidung nicht rechtskräftig, die Versicherung kann gegen den Beschluss noch Widerspruch einlegen.

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